Buchbesprechung: Kevin Brooks „Part of the Game“

Buchbesprechung: Kevin Brooks „Part of the Game“

Cover: Kevin Brooks „Part of the Game“Lesealter 14+(dtv 2026, 348 Seiten)

Ob es Zufall ist, dass Kevin Brooks kurz vor der Fußball-WM einen Jugendroman veröffentlicht, in dem es maßgeblich um den beliebten Ballsport geht? Der Verlag jedenfalls umwirbt das Buch nicht mit der Weltmeisterschaft … Also, wer weiß. Für mich sind Bücher von Kevin Brooks Pflicht, auch wenn ich finde, dass er es in den letzten Jugendromanen mit der Action etwas übertrieben hat und dabei, das, was ich an ihm so geschätzt habe, ein wenig verloren hat: Hauptfiguren in Ausnahmesituationen zu bringen, die sie überfordern. Das alles war leider oft zu stark von Gewalt überlagert.

Inhalt:

John und Kyle leben in Stanley Town, einem kleinen Städtchen, in dem sich viel um Fußball dreht. Beide spielen in der Jugendmannschaft: John als Torwart, Kyle als begnadeter Stürmer; sowohl John als auch Kyle bewähren sich bei wichtigen Spielen, und so kommt es, dass sie zum Aufnahmetraining für die Fußballakademie in Newgate eingeladen werden. Beide werden anschließend aufgenommen, müssen dafür nach Newgate ziehen.

John fühlt sich dort jedoch nicht wirklich wohl. Ihm ist Fußball wichtig, aber er mag nicht die Verkrampftheit, mit der sie trainiert werden und Leistung zeigen müssen. Und nach einem Eklat kommt es dazu, dass John die Akademie verlässt, nach Stanley Town zurückkehrt und wieder in seinem alten Jugendverein spielt. Kyle dagegen macht Karriere und wird einige Zeit später bei Newgate in die Premier-League-Mannschaft aufgenommen.

In Stanley Town lernt John Summer kennen – vom ersten Moment an ist er in sie verliebt, und es dauert nicht lange, da sind sie ein unzertrennliches Paar. Lange zögert John, Kyle von Summer zu erzählen, ohne genau zu wissen, warum. Als Summer und Kyle sich begegnen, läuft das Treffen allerdings total schief – vor allem wegen Kyle, der arrogant auftritt. Monate später lädt Kyle beide als Wiedergutmachung zu einem Newgate-Spiel in die VIP-Lounge ein, und die drei treffen sich anschließend auf einer Party. Kurz danach trennt sich Summer völlig überraschend von John und wird nicht viel später mit Kyle gesichtet … John ist am Boden zerstört.

Bewertung:

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in einem Buch von Kevin Brooks schon einmal um Fußball ging, und so war ich überrascht, dass das Spiel in dem Roman eine so wesentliche Rolle spielt. Doch darüber hinaus gibt es in „Part of the Game“ (Übersetzung: Knut Krüger; fehlender englischer Originaltitel – vgl. „P.S.“ am Ende der Buchbesprechung) Themen, die einem von Kevin Brooks eher bekannt vorkommen. Das Buch erzählt unter anderem von einer Jungenfreundschaft, die einer Belastungsprobe ausgesetzt wird; es geht um eine Beziehung und um einen Wettskandal, in den John und Kyle hineingezogen werden. Und hier dreht sich einiges um üble Machenschaften mit Drohungen und Gewalt, so dass dann doch der „alte Kevin Brooks“ durchschimmert.

John als Ich-Erzähler ist eine sehr sympathische Figur. Er ist bodenständig, liebt Fußball, aber will sich davon – und vor allem von dem Rummel darum – nicht vereinnahmen lassen. Talent als Torwart hat er, obwohl er eher klein ist. Und als Kyle in Newport in der Fußball-Akademie bleibt, während John sie verlässt, entfremden die früher unzertrennlichen Freunde sich.

John ist ein Junge, der sich viele Gedanken macht, sich selbst und vieles andere immer wieder auch in Zweifel zieht. Und je länger er und Kyle getrennte Wege gehen, umso mehr fragt John sich, ob er und Kyle wirklich so gute Freunde waren, wie er das früher immer dachte. Dass die Freundschaft in eine richtig große Krise gestürzt wird, liegt dann jedoch daran, dass Summer sich mit Kyle einlässt. John ist völlig perplex, hat keine Ahnung, warum Summer ihn stehen lässt und warum Kyle ihm die Freundin ausspannt. Das alles stürzt John in eine tiefe Krise, er ist zutiefst verunsichert. Es ist vor allem sein alter Trainer Gus in Stanley Town, der ihm Halt gibt.

Raffiniert gemacht ist, dass und wie Kyle und John auch später im Buch immer wieder aufeinandertreffen – einerseits weil Summer sich an John wendet: Sie macht sich große Sorgen um Kyle und hofft, dass John ihr helfen kann. Andererseits begegnen sich John und Kyle beim Fußball. Der kleine Stanley-Town-Fußballclub legt im FA Cup (vergleichbar mit dem DFB-Pokal) eine sagenhafte Siegesserie hin und kann selbst Premier-League-Vereine hinter sich lassen. Man ahnt, dass Newgate der andere Verein ist, der sich nach oben spielt, und wohin das hinführen wird.

Die oben schon erwähnten üblen Machenschaften bringen sowohl John als auch Kyle in ernste Bedrängnis – dahinter steht ein unsympathischer Neureicher namens Fulci, der jedoch wiederum im Auftrag eines Syndikats tätig wird. Hier kommt es nicht nur zu Drohungen, sondern Gewalt hält in das Buch Einzug – allerdings im Vergleich zu den letzten Romanen von Kevin Brooks in recht harmloser Form. Mir gefällt jedenfalls, dass das nur kurze Szenen sind, dass das Buch davon nicht dominiert wird. Kevin Brooks hat endlich wieder eine passende Balance gefunden.

Die Spannung kommt in „Part of the Game“ – auch wenn man in vielem ahnt, worauf die Geschichte hinausläuft – auch von den Fußballspielen. Kevin Brooks weiß nicht nur, wie man Actionszene erzählt, sondern es gelingt ihm auch, Fußballspiele mit äußerster Spannung zu schildern. Dabei geht es nicht nur um das äußere Geschehen, um Spielzüge, Tore etc., sondern auch darum, was in John als Erzähler vorgeht, welche Gedanken er sich macht, wie er die entscheidenden Szenen in Fußballspielen erlebt. Immer wieder sind im Buch kleine Perlen erzählter Slow-Motion zu finden, in denen aus ein oder zwei Minuten mehrere Seiten werden. Kevin Brooks ist ein Meister in dieser Verdichtung des Geschehens, und es gelingt ihm sehr gut, die Technik, die man von Actionszenen kennt, auf Fußballszenen zu übertragen.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. „Part of the Game“ ist ein Buch, bei dem Kevin Brooks sich wieder auf seine Stärken besinnt und die übertriebene Actionlastigkeit mit Gewalt hinter sich lässt. Das gefällt mir äußerst gut, weil das Zwischenmenschliche an Bedeutung gewinnt und nicht von Action überlagert oder gar verdrängt wird. Das Fußballthema macht es möglich. Dass man hier und da ein bisschen über Plausiblitätsfragen hinwegsehen muss (was man durchaus von Kevin Brooks kennt), vernachlässige ich da gerne – da hätte ein/e Lektor/in allerdings gerne etwas besser draufschauen dürfen. Es sind vermeidbare Ungenauigkeiten, wenn John zum Beispiel beim Elfmeterschießen viel zu lange in Richtung der Tribüne hinter sich guckt oder wenn man am Ende nicht mal erfährt, wie das Showdownspiel ausgeht.

Ansonsten hat Kevin Brooks mit dem Dreiergespann John, Kyle und Summer eine interessante Figurenkonstellation geschaffen; als Leser/in kann man vor allem bei John andocken und folgt ihm gerne. John ist eine von den typischen Kevin-Brooks-Figuren, wegen derer ich die Bücher des britischen Autors immer so mochte. Durch die Figuren wird auf der psychologischen Ebene eine Spannung erzeugt, die mir manchmal wichtiger ist als die der Handlung. Selbst wer hier allerdings weniger psychologisch als ich ticke, hält mit Kevin Brooks‘ neuem Jugendroman jedoch ein Buch in der Hand, das man auch der Handlung wegen nicht aus der Hand legen kann. „Part of the Game“ ist ein Buch für Jungen, ein Buch für Fußball-Fans, ein Buch für die Fußball-WM. Von daher die Empfehlung: Am besten lesen, solange in USA, Kanada und Mexiko 48 Länder um die Fußball-Weltmeisterschaft kämpfen!

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(Ulf Cronenberg, 19.06.2026)

P. S.: Ich bin irritiert. Im Buch steht das Jahr 2025 beim Copyright für Kevin Brooks, für die deutsche Ausgabe wird 2026 angeführt – soweit alles in Ordnung. Aber man findet die Originalausgabe nirgends in den englischsprachigen Online-Buchhandlungen. Wurde der Jugendroman am Ende gar nicht auf Englisch veröffentlicht?


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