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Buchbesprechung: Holly-Jane Rahlens "Prinz William, Maximilian Minsky und ich"

Cover RahlensLesealter 13+(Rowohlt Taschenbuch Verlag 2002, 212 Seiten)

Holly-Jane Rahlens Buch mit dem langem Titel (welch ein Ungetüm!) ist nicht mehr ganz neu – es erschien schon 2002 und hat dann 2003 den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen. Das Buchcover hat mich ja nicht gerade angesprochen, und der Titel auch nicht – denn beides „riecht“ nach einem typischen Mädchenroman. Nachdem ich das Buch (wie so viele andere) jedoch im Buchladen meiner Wahl empfohlen bekommen habe, musste ich mich doch dran wagen…

Inhalt:

Nelly Sue Edelmeister ist 13 Jahre alt und geht auf eine deutsch-amerikanische Schule in Berlin. In ihrem Namen ist auch schon ein Teil ihrer Biografie beschrieben: Nellys Mutter ist eine Jüdin, die in Amerika aufgewachsen ist (daher auch Nellys amerikanischer Zweitname), während ihr Vater Deutscher ist. Wegen Nellys Vater, einem Musiker, ist die Mutter jedoch nach Berlin gezogen.
Nelly hat in der Schule und auch sonst nicht gerade viele Freunde – eher im Gegenteil: Sie ist eine Außenseiterin und wird von den anderen als „Nerd“ bezeichnet, was abfällig gemeint ist und so eine Mischung aus Streber und Depp bedeuten soll. Und das ist nicht so ganz verwunderlich, denn Nelly vergräbt sich in Bücher, ist ein wandelndes Lexikon, interessiert sich für Schwarze Löcher und sonstige astronomische Phänomene und hat einen Notendurchschnitt von 1,0.
Durch das Sehen einer Fernsehsendung über den Tod von Lady Di ist es um Nelly geschehen: Sie verliebt sich Hals über Kopf in Prinz William (Lady Dianas Sohn) und liest auf einmal Mädchenzeitschriften, weil in ihnen lebensgroße Poster von Prinz William enthalten sind, die sie sammelt. Als Nelly erfährt, dass die Basketballauswahl ihrer Schule nach Eton in England fahren soll, um an einem Turnier teilzunehmen, setzt Nelly sich etwas fest in den Kopf: Sie will Mitglied im schulischen Basketballteam werden, weil in Eton ja Prinz William zur Schule geht – und den will sie dort kennen lernen. Jedoch ist das ein etwas komisches Vorhaben, denn Nelly ist alles andere als eine Sportskanone und hat von Basketball eigentlich keine Ahnung.
Doch eine Hoffnung tut sich auf, als ihr Vater sie mit zu einer Freundin nimmt, in derem neuen Restaurant er mit seiner Band spielen soll. Denn der Sohn der Freundin, Maximilian Minsky, ist ein begnadeter Basketballer. Mit Max, der ein komischer Kauz ist und der es liebt seine Mutter mit seinem Gruftie-Outfit zu schocken, lässt sich Nelly auf einen Deal ein: Sie will ihm helfen, sein Deutsch zu verbessern (denn Max ist erst kürzlich aus den USA nach Berlin gekommen), während er Nelly Basketball beibringen soll. Doch die ersten Basketballstunden bei Max sind eine Katastrophe: Nelly macht keinerlei Fortschritte und Max gibt sie eigentlich verloren.
Zu Hause ist bei Nelly auch einiges im Argen – nicht nur dass sie mit ihrer Mutter häufig Streit hat, dann verguckt sich Nellys Vater auch noch in Max‘ hübsche Mutter…

Bewertung:

Dass am Ende von „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“ auf einer Seite Werbung für Alexa Hennig von Langes Buch „Ich habe einfach Glück“ steht, kommt nicht von ungefähr. Denn in manchem ähneln sich beide Bücher: Sie handeln von Mädchen, die sich verlieben, die manchmal nicht wissen, was in ihnen vorgeht, die es nicht einfach in ihrer Familie haben etc. Das Besondere an Holly-Jane Rahlens‘ Buch ist jedoch, dass es den Leser in die jüdische Welt entführt, wo Mädchen nicht Konfirmation oder Firmung haben, sondern die so genannte Bat-Mizwa (Vorsicht, da lauert ganz versteckt ein bisschen Allgemeinbildung!)
Zu Beginn liest sich „Prinz William…“ (ich muss ja nicht den ganzen Titel wiederholen) kurzweilig und schnell, denn Holly-Jane Rahlens schreibt witzig und spritzig aus der Sicht von Nelly. Doch dann verliert das Buch leider etwas an Fahrt – und ich dachte schon, jetzt wird aus dem Jugendroman ein typischer Mädchenroman nach dem Rezept „Mädchen verliebt sich in Prinzen“. Doch, Gott sei Dank, verlässt Holly-Jane Rahlens bald wieder diesen Pfad. Als Max mit seiner Mutter in die Geschichte eintritt, wird „Prinz William…“ wieder ein richtig gutes Buch, das ich nicht mehr aus der Hand gelegt habe, bis es zu Ende gelesen war.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man es am Ende eines Buches bedauert, dass die Geschichte nicht weitergeht, weil einem die darin vorkommenden Personen vertraut geworden sind. „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“ ist so ein Buch, wenn man von dem oben erwähnten „Hänger“ auf den Seiten 50 bis 100 absieht. Holly-Jane Rahlens Roman (insofern passt das Buchcover schon) ist sicherlich eher ein Buch für Mädchen, aber ein anspruchsvolles, in dem sehr geschickt viele interessante Themen miteinander verknüpft sind (und zwar, ohne dass es aufgesetzt wirkt): Judentum, Verliebtsein, brüchige Familienverhältnisse, etc.
Bleibt als Resümee: Weibliche Leseratten ab 13/14 Jahren können beherzt zugreifen!

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(Ulf Cronenberg, 16.01.2004)

Lektüretipp für Lehrer!

Ein Jugendbuch über Themen wie Außenseiter, Judentum und Freundschaft/Liebe – eher für Mädchen als für Jungen, wobei auch Letztere im zweiten Teil eine Identifikationsfigur angeboten bekommen. Die Geschichte ist feinfühlig erzählt, die o.g. Themen werden nicht mit der Brechstange dargeboten. Interessant für Fächer übergreifenden Unterricht mit Religion (Judentum) und Geschichte (NS-Zeit).

Kommentare (0)

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  3. Toni

    Ich fand dieses Buch am Anfang sehr witzig, ich finde nur die Stelle mit dem Tod von Risa (Nellys Schwester) passt da nicht so rein! Aber ansonsten: Cool!!!

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  4. Jess

    Langweilig geschrieben, das Buch ist 1000 Mal besser, als es von dir beschrieben wurde. Note deiner Beprechung: 3.

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