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Buchbesprechung: Ingvar Ambjønrsen “Die Gangster von Steinsund”

Cover AmbjornsenLesealter 12+(Sauerländer-Verlag 2007, 128 Seiten)

Bisher sagte mir der Name Ingvar Ambjørnsen nichts. Doch als ich für diese Buchbesprechung ein bisschen nachgeforscht habe, wurde mir klar, dass ich mit dem norwegischen Autor, der seit 1985 in Hamburg lebt, doch schon etwas zu tun hatte: Er hat das Buch zu dem Film „Elling“ geschrieben, den ich vor ein paar Jahren im Kino gesehen habe.
Ansonsten hat Ingvar Ambjørnsen noch einige Erwachsenen- und Jugendbücher verfasst – darunter auch Krimis für Kinder und Jugendliche. So weit ich das überblicke, ist „Die Gangster von Steinsund“, das den Untertitel „Ein Fall für Fillip Moberg“ trägt, jedoch das erste Buch einer neuen Reihe.

Inhalt:

Fillip ist ein 15-jähriger Junge, der nicht gerade eine unbeschwerte Kindheit hatte und in schwierigen Familienverhältnissen aufwächst. Er lebt nicht mehr bei seinen Eltern, mit denen er nicht zurecht kommt, sondern wohnt bei seinem Onkel Ernst in Oslo. Doch auch dieser ist nicht gerade ein normaler Mensch. Er arbeitet als Journalist für das Neue Kriminaljournal, hat infolgedessen einige Kontakte zur Unterwelt und ist immer dort unterwegs, wo sich Verbrechen abspielen.
Fillip ist gerade in einer ausweglosen Situation. Mit einem geklauten Auto flieht er – in seinem Alter natürlich ohne Führerschein – aus Oslo, als er auf eine Polizeisperre trifft. Er wendet das Auto, doch die Polizei verfolgt ihn. Da trifft er auf einen kleinen Seitenweg – seine letzte Rettung -, in den er einbiegt. Das Polizeiauto fährt an ihm vorbei – aber Fillip fürchtet, dass sie ihn auch hier bald verfolgen werden. Und so kommt es auch – doch zu allem Überfluss baut Fillip mit dem gestohlenen Toyota auf dem holperigen Weg auch noch einen Unfall. Das Auto kommt auf dem Kopf zu stehen, Fillip flüchtet so schnell es geht in einen Wald und irrt im Dunkeln umher. Ihm ist kalt und er sucht nach einem verlassenen Haus, wo er unterschlüpfen kann. Immerhin ist es ihm gelungen, die Polizei abzuschütteln.
Nach einiger Zeit trifft er wenigstens auf ein allein stehendes bewohntes Haus an der Meeresküste und flüchtet in dessen Schuppen, um dort vor der winterlichen Kälte Schutz zu finden. Hundemüde, wie er ist, schläft er gegen seinen Willen ein und erwacht erst am frühen Morgen, als zwei Männer sich vor dem Schuppen unterhalten. Es ist die Rede von sechs Leichen – Fillip bekommt Angst, er vermutet, dass die beiden Männer etwas mit dem Banküberfall in Steinsund vom Vortag zu tun haben, wegem dem auch die Straßensperre der Polizei aufgestellt war.
Zu seinem Glück fahren die Männer davon und Fillip beschließt, sich mit einem Ruderboot, das er im Schuppen findet, auf eine Schäreninsel zurückzuziehen und dort ein verlassenes Haus zu suchen, in dem er wohnen kann. Doch auch dort holt ihn bald die Geschichte um den Banküberfall ein, in die er – zusammen mit seinem Onkel Ernst – hineingezogen wird.

Bewertung:

Würde man für dieses Buch eine Fieberkurve zeichen, wobei 41° C die maximale Spannung wäre, so liegen weite Teile des Jugendkrimis über 40°. Nur ein kleiner Abschnitt – von Seite 20 bis 40 – käme auf eine geringere Temperatur. „Die Gangster von Steinsund“ beginnt fulminant mit der Autoflucht von Fillip vor der Polizei – da geht es gleich ordentlich zur Sache. Der witzige Schreibstil – alles wird aus der Sicht von Fillip geschildert -, der locker und gekonnt erzählt, macht das Lesen zu einem Genuss. Doch dann nach 20 Seiten hat sich dieser Schreibstil erst mal ein bisschen totgelaufen, und es ging mir so, dass ich das Buch kurz etwas nervig und zu gewollt witzig fand. Doch dieser kleine Hänger war bald überwunden und dann bleibt das Buch eigentlich bis zum Ende eine spannende Kriminalgeschichte.
Ingvar Ambjørnsen – das merkt man – trifft sehr gut mit seinem Erzählstil das, was Jugendliche interessant finden. Die Geschichte wirkt frisch und das Buch hält den Leser immer auf Trab. In diese Atmosphäre fügen sich nahtlos die Figuren ein – allen voran Fillip, der schon selbst einige krumme Dinger gedreht hat, hier aber auf einmal – allerdings mit recht ungewöhnlichen Mitteln – zusammen mit seinem Onkel Ernst in die Detektivrolle schlüpft.
Ein klein wenig schade fand ich es jedoch, dass das Buch so plötzlich endet. Die Kriminalgeschichte hat zwar eine Lösung gefunden, aber ich hätte gerne noch erfahren, wie es mit den Personen am Schluss weitergeht. Hier bleibt einiges offen…

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Wäre da nicht der kleine Durchhänger kurz nach dem Beginn des Buches, gäbe es an „Die Gangster von Steinsund“ kaum etwas zu mäkeln. Ingvar Ambjørnsen bietet mit seinem Jugendkrimi eine packende Geschichte, die zum einen von den ungewöhnlichen Figuren, zum anderen von dem nie langweilig werdenden Plot lebt. Hinzu kommt der geistreiche Schreibstil, der einen beim Lesen immer wieder Schmunzeln lässt. „Die Gangster von Steinsund“ ist ein einfallsreicher Krimi für jugendliche Leseratten ab 12/13 Jahren – und man darf hoffen, dass man Fillip Moberg in einem weiteren Buch wieder begegnen wird.

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(Ulf Cronenberg, 20.07.2007)

Kommentare (0)

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  2. Detektei Pool

    Ja, es ist nicht schlecht, schon irgendwie ein typischer Ambjörnsen Krimi, aber es hat mich nicht vom Hocker gehauen…

    Antworten

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