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Buchbesprechung: Marcus Hammerschmitt "Der Fürst der Skorpione"

Cover HammerschmittLesealter 13+(Sauerländer-Verlag 2007, 184 Seiten)

Dass ich ein großer Fan von guten Science-fiction-Romanen bin, dürfte schon einigen Lesern von Jugendbuchtipps.de aufgefallen sein. Doch mit Jugendbüchern über die Zukunft ist das immer so eine Sache – wirklich gelungene Bücher sind eher Mangelware.
Marcus Hammerschmitts SF-Roman „Der Fürst der Skorpione“ wurde schon vorab von einem anderen Autor geadelt: Andreas Eschbach meint, wie auf dem Buchrücken zu lesen ist, dass Hammerschmitts Buch „sicher dereinst als Kultbuch gelten wird“. Eine hohe Messlatte für ein Buch, die einerseits neugierig macht, andererseits aber auch die Gefahr birgt, dass der Leser am Ende etwas enttäuscht zurückbleibt…

Inhalt:

Das Jahr 2040: Die Menschen werden durch eingesetzte Implantate kontrolliert und in ihren Fähigkeiten verbessert. Auch ist es möglich Tote wiederzuerwecken. Ein Verfahren, das auch bei Björn, einem Soldaten der EuroForce (EF), der bei einem Kampfeinsatz abgeschossen wurde, eingesetzt wurde. Doch wiedererweckte Tote sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher, alles geht verlangsamt vor sich – selbst das Sprechen. Die Wiedererweckten genießen nicht gerade einen guten Ruf, sie werden allgemein als „Zombies“ bezeichnet.
Seiner früheren Tätigkeit kann Björn nach dem Tod nicht mehr nachgehen – und so soll er fortan ein Mädchen, das eine Erziehungsperson benötigt, betreuen: Tabea. Doch Tabea ist davon alles andere als begeistert – sie will nichts mit einem Zombie zu tun haben. Und dennoch gewöhnen sich die beiden nach einiger Zeit aneinander.
Dann bekommt Tabea durch Zufall mit, wie wiedererweckte Menschen behandelt werden – sie werden, wenn sie nicht mehr benötigt werden, wie Müll entsorgt. Tabea macht sich auf einmal große Sorgen um Björn, sie sieht, dass er wohl nicht mehr lange benötigt und bald auch getötet werden wird – und gemeinsam beschließen die beiden, bevor es zu spät ist, zu fliehen. Auf einem großen Waren-Transporter gelingt es ihnen gerade noch, illegal aus Deutschland in Richtung Südeuropa zu fliehen – ihr Ziel ist Nordafrika. Eine ziemlich ereignisreiche Flucht, die mehrmals fast schiefgeht.
In Nordafrika schließen Tabea und Björn sich schließlich – nicht ganz freiwillig – einer Gruppen von muslimischen Rebellen an, die gegen die EuroForce kämpft. Und mit Björn passiert etwas Unerwartetes – durch einen Elektroschock erhält er seine frühere Leistungsfähigkeit zurück. Doch während Björn sich bei den Rebellen gut zurechtfindet, will Tabea nur eines: schnell wieder abhauen…

Bewertung:

Die ersten 40 Seiten von „Der Fürst der Skorpione“ war ich zunächst recht enttäuscht von dem Buch. Vieles, was passiert, ist zunächst recht verwirrend – erst langsam kommt man in die Geschichte hinein. Und das Aufeinandertreffen von Björn und Tabea ist zwar – wie man im weiteren Verlauf sieht – wichtig für die Geschichte, jedoch nicht gerade packend geschrieben.
Als Björn und Tabea die Flucht antreten, wandelt sich das Buch grundlegend und wird zu einem fesselnden wie beängstigenden Zukunftsroman, der ein spannendes Abenteuer erzählt. Tabea und ihre „Vaterfigur“ (der offizielle Titel für Björns Aufgabe als Erziehungsperson von Tabea) müssen sich mit vielen Widrigkeiten herumschlagen, werden von zahlreichen Feinden an der Flucht zu hindern versucht, und die beiden müssen einiges durchstehen.
Die Atmosphäre in dem Buch ist dabei stimmig – immer deutlicher bekommt man als Leser mit, wie die Welt im Jahr 2040 aussieht: welche Macht die Regierungen haben, wie die Menschen gegängelt und bevormundet werden, welchen Unterdrückungen sie ausgesetzt sind – und dass man, um seine Ziele zu erreichen nicht zimperlich sein darf. Gewalt ist an der Tagesordnung. Das ist alles düster und im Großen und Ganzen hoffnungslos beschrieben – aber genau das macht dieses Buch auch aus. Dass am Ende des Buches nicht ein richtiges Happy End steht und nicht alles gut ausgeht, ist folgerichtig und steht für die Qualität des Buches.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Wäre nicht der etwas träge Einstieg, könnte man „Der Herr der Skorpione“ allen Science-fiction-Fans uneingeschränkt empfehlen. Doch so muss man vor dem Buchanfang einfach ein bisschen warnen, zugleich aber auch sagen, dass Leser, die hier durchhalten, mit einem spannenden SF-Roman für Jugendliche belohnt werden. Der Titel „Kultbuch“ (wie Andreas Eschbach meint) ist jedoch ein wenig übertrieben.
Meiner Meinung nach hätte das Buch durchaus noch etwas länger sein dürfen – ich hätte gerne mehr über die gesellschaftlichen und politischen Umstände erfahren, die hier eher am Rande skizziert werden. Aber das hat nichts mit der Qualität des Buches zu tun, das mir alles in allem trotzdem gut gefallen hat. Die Geschichte ist spannend, geheimnisvoll und in sich stimmig – und so hab ich das Buch letztendlich auch in drei Etappen (obwohl außenrum wenig Zeit war) durchgelesen. (ab 13 Jahren)

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(Ulf Cronenberg, 13.07.2007)

Kommentare (0)

  1. Chris

    Die gedrucke Ausgabe dieses Buches ist leider vergriffen. Aber es gibt jetzt eine preiswerte eBook Ausgabe unter http://www.beam-ebooks.de/ebook/10363

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