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Buchbesprechung: Sara Kadefors "Sandor slash Ida"

Cover KadeforsLesealter 14+(Carlsen-Verlag 2004, 315 Seiten – Taschenbuch-Titel: „Einen Klick entfernt von dir“, Carlsen-Verlag 2008)

Ein schwedisches Jugendbuch einer neuen Autorin – wenn man an Mats Wahl, Mikael Engström, Hakan Nesser oder früher Peter Pohl denkt, dann bürgt das Herkunftsland allein schon fast für Qualität.
Noch dazu ein Jugendbuch, das – man erkennt es schon am Titel – das Thema Computer aufgreift. Zwei Jugendliche lernen sich in dem Roman durchs Chatten kennen – und das hat Folgen. Das klingt doch interessant…

Inhalt:

Das Buch kennt zwei Hauptpersonen: Sandor und Ida. Während Sandor in Göteborg lebt, eher unscheinbar und schüchtern ist, lebt Ida in Stockholm und zieht mit ihren Freudinnen durch die Gegend. Aber immer schön der Reihe nach…
Sandor, dessen Mutter und Vater aus Bulgarien nach Schweden ausgewandert sind, hat vor allem ein Hobby: das (Ballett-)Tanzen – und darin ist er richtig gut. Seine Mutter, früher selbst Balletttänzerin spornt ihn dabei immer besonders an, doch ist er davon eher genervt. Richtige Freunde hat Sandor eigentlich nicht – im Gegenteil: von anderen Jungen aus der Klasse wird er immer wieder drangsaliert. Wegen des Tanzens wird er u.a. auch als Schwuchtel beschimpft.
Als Sandor eines Tages gefrustet in einem Chat-Raum landet, schreibt er dort, wie beschissen es ihm geht und wie hohl er die Welt findet. Doch niemand antwortet, alle scheinen nur oberflächlichen Mist schreiben zu wollen. Allerdings hat Ida seine Sätze gelesen und auch lange überlegt, ob sie antworten soll, es jedoch sein gelassen. Doch am nächsten Tag knüpfen die beiden beim Chatten dann doch Kontakt. Auch Ida ist von ihrem Leben genervt und hat bei Sandor das Gefühl, dass es ihm ähnlich geht, weswegen beide schließlich ihre E-Mail-Adressen austauschen. Schon bald gehen täglich mehrere E-Mails zwischen den beiden hin und her – doch ganz so einfach gestaltet sich all das nicht. Denn Ida erfindet in den Mails zum Teil ein ganz anderes Leben für sich – sie tut so, als würde sie auf dem Land wohnen und viel reiten, während sie die vielen Probleme, die sie mit ihrer depressiven, allein erziehenden Mutter hat, außen vor lässt. Auch Sandor nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Vor allem spielt er Ida vor, dass er schon lange eine feste Freundin habe – ausgerechnet er, der noch nicht einmal ein Mädchen geküsst hat. Lediglich in Bezug auf ihren Weltschmerz sind Sandor und Ida ehrlich zueinander… Doch irgendwann schöpfen beide Verdacht, dass der anderen jeweils nicht die Wahrheit sagt – eine erste Belastungsprobe für die ungewöhnliche Freundschaft. Und weitere folgen, v.a. als Ida und Sandor sich treffen wollen…

Bewertung:

„Sandor slash Ida“ ist ein ungewöhnliches Buch. Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzukommen, was vor allem daran lag, dass die Geschichte aus ständig wechselnder Perspektive erzählt wird – nämlich immer abwechselnd aus der Sicht von Sandor und Ida – und das fast im „Seitentakt“. Doch je weiter ich mit dem Buch fortgeschritten war, desto mehr hat der ständige Erzählerwechsel seinen Reiz entwickelt – irgendwann nimmt man ihn gar nicht mehr richtig war und versteht dann auch, dass das Buch genau von diesem Perspektivenwechsel lebt.
Was das Buch aus meiner Sicht so empfehlenswert macht, ist seine Thematik. Es gibt nicht viele Bücher, in denen das Jugendlich-Sein so treffend und schonungslos beschrieben wird. Das Gefühl, von Erwachsenen nicht verstanden zu werden. Die Probleme einer Beziehung. Die Schwierigkeit, seinem Gegenüber die Wahrheit zu sagen. Die Hilflosigkeit, etwas in seinem Leben zu ändern. Und so weiter und so fort… Wie offen, treffsicher und schonungslos Sara Kadefors all das beschreibt, ist bewundernswert – Sandor und Ida werden mit ihren Stimmungen und Gefühlen genau ausgelotet. Am Ende des Buches, das fast etwas plötzlich kommt, hätte ich gerne noch mehr über die beiden erfahren. Was will man mehr?

Fazit:

5 von 5 Punkten. Was hat Sara Kadefors da für ein Buch geschrieben! Besser, einfühlsamer und intensiver kann man den das Jugendlichsein in der heutigen Zeit nicht beschreiben… Der eher ruhige Anfang des Buches entwickelt sich allmählich zu einer Art Krimi ohne Mord, zu einem Beziehungskrimi, in dessen Verlauf Sandor und Ida immer wieder verzweifeln auf dem Weg zu sich selbst und zueinander. Faszinierend finde ich insbesondere, dass durch die Anlage des Buches mit dem Perspektivenwechsel sowohl Jungen wie Mädchen gleichermaßen von dem Buch profitieren. Ein wirklich empfehlenswertes Buch für Jugendliche ab 14 Jahren! Wenn das Buchjahr 2005 so weitergeht…

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(Ulf Cronenberg, 17.01.2005)

Lektüretipp für Lehrer!

Ein herausragendes Jugendbuch, weil in ihm viele Probleme, die Jugendlichsein heutzutage mit sich bringt, genau und treffsicher beschrieben werden. Zwei Jugendliche, die es beide nicht einfach haben, lernen sich beim Chatten kennen, werden jedoch schließlich mit der Realität des anderen konfrontiert. Als Schullektüre ab der 9. Klasse besonders geeignet, weil das Buch für Jungen wie Mädchen gleichermaßen interessant sein dürfte. Ein Roman, in dem sich sicher viele Jugendliche wiederfinden. Als Schullektüre zu empfehlen!

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