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Buchbesprechung: Joyce Carol Oates "Unter Verdacht"

Cover OatesLesealter 12+(Hanser-Verlag 2003, 285 Seiten)
Dass Schriftsteller, die sonst eher Erwachsenen-Bücher schreiben, mal auf die Kinder- oder Jugendbuchseite springen, kommt immer wieder vor. Für Joyce Carol Oates ist es der erste Ausflug in den Bereich des Jugendbuchs. Ob das was werden kann?

Inhalt:

„Unter Verdacht“ ist die Geschichte zweier Jugendlicher: Matt(hew) Donaghy und Ursula Riggs. Matt wird gleich am Anfang des Buches in einer spektakulären Aktion von Bundespolizisten (also dem FBI) in der Schule festgenommen, weil er angeblich die Schule in die Luft sprengen wollte. Es folgen längere Verhöre, in denen es Matt nicht gelingt, die Polizisten und die Schulleitung von seiner Unschuld zu überzeugen. Dass Matt überhaupt der Tat verdächtigt wurde, hat folgenden Grund: Er hatte in der Schul-Cafeteria zu seinen Freunden gesagt, dass er die Schule in die Luft jagen werde, wenn sein Theaterstück nicht aufgeführt würde. Aber das war nur ein Scherz…
Nach der Verhaftung lassen Matt jedoch alle Schulkameraden und Lehrer stehen, alle wenden sich von ihm ab. Die Einzige, die zu Matt hält, ist Ursula Riggs – selbst eine Außenseiterin. Ursula nennt sich selbst „Ugly Girl“ und leidet einerseits darunter, dass sie anders ist als die anderen, fühlt sich andererseits aber auch stark und unabhängig. Wie die Geschichte weitergeht, wird hier nicht verraten: ob Matt verhaftet bleibt oder wieder freikommt, was sonst noch passiert…

Bewertung:

Joyce Carol Oates‘ Buch ist nicht nur ein Buch über Mobbing, sondern zugleich auch eine Liebesgeschichte, denn Matt und Ursula freunden sich nach und nach an. Man mag das bedauern, dass das Buch nicht nur das eine oder das andere ist, das vielleicht aber auch gut finden. Mir wäre es lieber gewesen, wenn das Buch beim Thema Mobbing oder Gewalt an Schulen geblieben wäre – aber gut, das mag anderen anders gehen… „Unter Verdacht“ liest sich gut und flüssig, ohne aufdringlich zu sein oder aufgesetzt zu wirken. Das Buch könnte jedoch spannender sein – vor allem in der zweiten Hälfte. Es fehlt einfach ein bisschen „Biss“.

Fazit:

3 von 5 Punkten. Man hätte mehr aus dem Thema machen können… Ein Buch für Vielschmöker ab 12 Jahren, die aus eigener Erfahrung wissen, wie es ist, Außenseiter zu sein, oder die Liebesgeschichten mögen (in diesem Falle eher eine zaghafte und ungewöhnlich leise Liebesgeschichte).

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(Ulf Cronenberg, 20.08.2003)

Weitere Meinungen:

Ich finde, dass die Thematik „Attentat eines Schülers auf Schule und Mitschüler“ hier lediglich aktueller Aufhänger ist, das Buch im Schulumfeld ansiedelt und an das „Columbine-Highschool-Massaker“ und den Amoklauf in Erfurt anknüpfen lässt – doch im Grunde ist dieser Auslöser austauschbar. Das weitere Geschehen/die Problematik löst sich inhaltlich völlig davon.
In der Person Matts spürt man hautnah die Scham, die Beklemmung, ja Panik, und die ausweglose Situation eines unschuldig Verdächtigten. Auch erfährt man die lähmende Angst der Mitmenschen – Angst vor der eigenen Zivilcourage, Angst davor, in die Maschinerie des Rufmords hineinzugeraten.
In Ursula und Matt sind mit viel psychologischem Gespür zwei interessante Persönlichkeiten dargestellt, die ihre Angst vor Nähe und Aufmerksamkeit überwinden und ein neues Lebensgefühl gewinnen. Das Ganze geschieht durch die gestalterischen und sprachlichen Mittel mit einem außergewöhnlich hohen Identifikationsfaktor, denn wer hat sich in seinem Leben nicht schon einmal ungerecht behandelt gefühlt?

(Iris Henninger)

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