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Buchbesprechung: Mikael Engström "Brando"

Lesealter 12+(Hanser-Verlag 2003, 255 Seiten)

Hoch gelobte Bücher habe ich in letzter Zeit viele gelesen – und „Brando“ ist auch so eines. Es stand kurz nach seinem Erscheinen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ sogar bei einem der vier Bücher, die die Literatur-Redaktion empfiehlt, und da sind nicht so oft Jugendbücher drin. Ich war gespannt, ob „Brando“ diese Erwartungen erfüllen konnte… (bei vielen anderen hoch gelobten Büchern war ich leider nicht selten enttäuscht)

Inhalt:

Brando lebt in Schweden (ich nehme mal an in Stockholm, bin mir aber nicht ganz sicher) und hat vor allem zwei gute Freunde: Larsa und Ola. Zu Hause lebt Brando mit seinem Vater (anscheinend hat er keine Mutter mehr), der Kinovorführer ist, weswegen Brando mit seinen Freunden immer kostenlos Zorro-Filme und andere Kinofilme anschauen dürfen. Im Großen und Ganzen ist Brando auf sich alleine gestellt und schlägt sich durch die rauhe Welt der Jugendlichen – ebenso wie Larsa, dessen Vater Alkoholiker ist (weswegen er auch seinen Friseursalon verloren hat) und den sein Vater nach der dritten Flasche Wein mit seiner Friseurschere immer so zurichtet, dass dieser selbst im Sommer mit einer Mütze rumrennt.

Neben den Freunden gibt es in Brandos Stadtteil jedoch auch einige Jungen, die es nicht allzu gut mit Brando und seinen Freunden meinen. Vor allem Perra-Platto mit seiner Clique hat es auf Brando abgesehen, seit Brando (er ist eigentlich als Fußballer eine Null) Perra-Platto als Torwart bei einem Elfmeter eins eingelocht hat.

Das Buch ist voll von Geschichten über den Krieg zwischen Brando und Perra-Platto (der stärker und älter als Brando ist). Die Jugendlichen in „Brando“ schenken sich aber auch gar nichts: ständig wird geprügelt, mal wird einer mit dem Luftgewehr bedroht, wan anders werden Hunde auf die feindliche Clique gehetzt etc. etc. Von all dem erzählt das Buch. Und man erfährt, was Brando mit seinen Freunden alles macht: Wie sie abends am Fenster der hübschen Lora lauern, um einmal ihren großen Busen zu sehen; wie sie am Schrottplatz in einem alten Flugzeug den Atombombenabwurf über Hiroshima nachspielen; wie sie Larsa Vater vom Alkohol wegbringen wollen; usw.

Bewertung:

Na, das ist doch einmal ein Buch, das die Erwartungen erfüllt. Was Brando mit seinen Freunden erlebt, ist einfach spannend zu lesen und vor allem gut geschrieben. Mikael Engström schafft es, keine Langeweile aufkommen zu lassen, und führt den Leser in eine Welt, die wir heute nicht mehr kennen. Das ist keine wohl behütete Welt, in der Mütter und Väter ständig ihren Kindern hinterher laufen, sondern eine Welt, in der sich die Kinder selbst durchbeißen müssen. Hoffentlich gibt es noch mehr von Mikael Engström zu lesen … Übrigens: Mädchen kommen in dem Buch nur am Rande vor. Aber warum auch mal nicht?

Fazit:

5 von 5 Punkten – und die ohne jede Zweifel und ohne Einschränkung. Ein 250-Seiten-Buch ohne Langeweile, vor allem für Jungen (ab 12 Jahren!?), aber auch für Mädchen, die mal was anderes lesen wollen. Dicke Empfehlung! Oscarverdächtig! Das Buch riecht stark nach Verfilmung … – und erinnert mich stark an eines meiner Lieblingsjugendbücher: Peter Pohls „Jan mein Freund“ (übrigens auch ein schwedisches Buch).

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(Ulf Cronenberg, 20.08.2003)

Weitere Meinungen:

Selten so gelacht – und zwar schallend! Das ist für mich das essentielle Statement zu diesem Buch. Doch es garantiert nicht nur amüsante, sondern zugleich auch nachdenkliche Stunden, aber alles zu seiner Zeit und niemals so, dass einem das Lachen im Halse stecken bleiben würde.
Einmalig ist die Sprache, da ist den Kindern vortrefflich von den Lippen abgelesen worden, so jung, locker, flapsig und ordinär. Doch an bestimmten Stellen schafft es Engström, fast schon poetisch zu werden, niemals kitschig, immer genau im richtigen Ton. (Die Übersetzung ist ebenfalls hervorragend!) Die Zustände, Verhältnisse und Ereignisse sind alle genau so bemessen, dass einem das Leben der drei Kumpels nicht nur schrecklich hart und hoffnungslos vorkommt; denn erstens haben sie einander als gute Freunde, und zweitens gibt es auch noch glückliche Fügungen des Schicksals, verdiente Zufälle, die bewirken, dass es für Brando, Larsa und Ola immer wieder Lichtblicke im Leben gibt. Eine ideale Lektüre für alle ab 12, besonders aber für Jungs, für die es ja nicht immer so viele Highlights gibt.

(Iris Henninger)

Lektüretipp für Lehrer!

Ein typischer schwedischer Jugendroman über ein Leben zwischen Freundschaft und Bandenrkieg – einfühlsam und packend. Die Erwachsenen sind wie in vielen schwedischen Büchern oft hilflos, die Jugendlichen müssen sich selbst durchs Leben schlagen – und das ist nicht immer einfach… Ein packender und intensiver Jugendroman über ein Leben zwischen Freundschaft und Bandenkrieg. Eher für Jungen – ab der 7. Klasse.

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