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Buchbesprechung: Tanya Landman „Apache“

Cover Tanya LandmanLesealter 13+(Carlsen-Verlag 2010, 268 Seiten)

Ganze Generationen wuchsen mit Karl May und seinen Winnetou-Büchern auf (dabei war Karl May übrigens nie in der Heimat der Indianer gewesen), doch die Zeiten scheinen vorbei. Bücher über indianische Helden scheinen aus der Mode zu sein, und man liest in Jugendbüchern eher wenig über die Ureinwohner Amerikas. Das Jugendbuch „Apache“ der amerikanischen Autorin Tanya Landmann bringt das Thema jedoch einmal wieder zurück – und allein dafür kann man ihr schon fast dankbar sein.

Inhalt:

Siki lebt bei einem Apachen-Stamm nördlich von Mexiko, ihr Vater war bei einem Raubzug in einen Hinterhalt geraten und ist nicht mehr zurückgekehrt, während ihre Mutter einige Zeit später von Mexikanern getötet wurde. Hilflos muss das Mädchen mit ansehen, wie einige Jahre später ihr kleiner Bruder Tazhi und viele andere Mitglieder ihres Stammes ebenfalls von Mexikanern niedergemetzelt werden – sie selbst und einige andere können fliehen. Siki schwört Rache für den Mörder ihres Bruders, dessen Gesicht sich ihr eingeprägt hat.

Recht ungeschickt stellt sich das Mädchen an, wenn es darum geht, typische Frauentätigkeiten auszuführen, außerdem will Siki seit der Tötung ihres Bruders Kriegerin werden. Das ist bei den Apachen auch für Frauen grundsätzlich möglich, jedoch ein langer und steiniger Weg mit einigen Prüfungen. Die erste besteht darin, dass sie sich eine Woche lang allein in der Wildnis durchschlagen muss.

Doch Siki wandelt ihre Aufgabe leicht ab. Sie versucht unentdeckt dem großen Kämpfer Golahka zu folgen, der zur gleichen Zeit zu einem Bruderstamm aufbricht, um dort im Kampf gegen die Mexikaner Verbündete zu finden. Das Mädchen wird während Golahkas Rückweg jedoch von diesem entdeckt, und er ändert daraufhin ihre Aufgabe ab. Siki, die zu Fuß unterwegs ist, soll den Lagerplatz der Apachen mit einem Pferd vor ihm erreichen. Ihr ist klar, dass das nur möglich ist, wenn sie durch eine List Golahka das Pferd wegnehmen kann. Das gelingt ihr schließlich, und die erste Prüfung ist bestanden.

Während ihrer Ausbildung zur Kämpferin merkt Siki, dass sie ab und zu Erscheinungen hat und in die Vergangenheit oder Zukunft sehen kann. Außerdem wird ihr klar, dass es um ihren Vater ein Geheimnis geben muss, denn Keste, der ebenfalls die Ausbildung zum Kämpfer absolviert, lässt immer wieder spöttische Bemerkungen über ihren Vater fallen, die sie jedoch nicht zu deuten vermag. Außer dass sie sich für den Tod ihres Bruders rächen will, versucht Siki auch herauszufinden, was mit ihrem Vater passiert ist …

Bewertung:

Angesichts von Problem- und Fantasybüchern, die den Markt überschwemmen, angesichts der wenigen Abenteuerbücher in den letzten Jahren war es direkt wohltuend, ein Buch über Indianer zu lesen. „Nur“ ein Abenteuerbuch ist „Apache“ sicherlich nicht, damit täte man dem Jugendroman unrecht – das Buch erzählt nebenbei auch davon, wie ein Indianer-Volk von Mexikanern und Weißen schikaniert und nach und nach aus seinem bisherigen Lebensraum verdrängt wird.

MIt Siki hat „Apache“ (Übersetzung: Birgit Schmitz) eine sympathische Hauptfigur, die nicht in übliche weibliche Rollenklischees passt, sondern ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen versucht. Tanya Landman gelingt die Gratwanderung, einerseits historisch möglichst wirklichkeitsgetreu, andererseits für Jugendliche packend und verständlich zu schreiben. Wo die Sympathien der Autorin liegen, ist indes klar: Das Buch ist aus der Sicht Sikis geschrieben und macht deutlich, dass die Indianer von Mexikanern und Weißen aus ihrem Land vertrieben wurden. Siki und ihre Stammesgenossen schildern immer wieder, dass sie die Verhaltensweisen der Weißen und Mexikaner nicht verstehen, wenn diese manchmal freundlich auftreten und mit den Indianern Handel treiben, dann aber wieder unnachgiebig und rücksichtslos gegen sie vorgehen.

Für Erwachsene ist dieser geschichtliche Hintergrund sicher nichts Neues, für manche Jugendliche dürfte in „Apache“ doch das ein oder andere Wissenswerte enthalten sein. Tanya Landman beschönigt dabei nichts und erliegt nicht der Gefahr, eine sozialromantische Vorstellung von den Indianern zu zeichnen, wie sie Karl May zugrunde liegt, sondern stellt auch dar, dass es bei den Indianern Zwist und für uns nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen gibt.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Wer hätte gedacht, dass ein Buch über Indianer, wie sie in meiner eigenen Jugendzeit gang und gäbe waren, heute fast eine Kuriosität darstellt. „Apache“ ist kein innovatives Buch, aber ein grundsolide erzählter Abenteuerroman mit einer fiktiven Geschichte, die auf einem wahren geschichtlichen Hintergrund basiert. Das Buch hält den Leser durch die gekonnt erzählte Geschichte und durch seine Hauptfiguren in Atem und verzichtet auf sonstige Sperenzchen, was durchaus wohltuend ist. Tanya Landmans Roman ist fast ein gegen den Strich gebürstetes Buch, das weder auf den großen Publikumsgeschmack ausgerichtet noch trivial daherkommt.

Natürlich entdeckt man in „Apache“ beim genauen Hinsehen ab und zu kleinere Schwächen – z. B. die ein oder andere Übertragung unserer heutigen Denkweise auf die Indianerwelt oder dass man die Auflösung des Rätsels um Sikis Vater zumindest in Teilbereichen schon etwas zu früh ahnt. Doch das verzeiht man dem packenden Buch letztendlich bereitwillig, weil man als Leser in eine spannende Geschichte hineingezogen wird.

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(Ulf Cronenberg, 18.10.2010)

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Kommentare (0)

  1. Halter

    Ich suche für meinen 15-jährigen Sohn Bücher mit einem geschichtlichem Hintergrund. Danke schon mal im Voraus …

    Antworten
    1. Ulf Cronenberg

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