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Buchbesprechung: Sabaa Tahir „An Ember in the Ashes“

Cover: Sabaa Tahir „An Ember in the Ashes“Lesealter 15+(cbt 2025, 563 Seiten)

Zugegeben, ich bin etwas spät dran mit Sabaa Tahirs „An Ember in the Ashes“: Der hier besprochene Band 1 der 4-bändigen Fantasy-Reihe ist bereits im April 2025 erschienen, inzwischen liegen auch Band 2 und 3 auf Deutsch vor. Der Abschlussband folgt in einem knappen Monat, was aber ja vielleicht ein guter Anlass ist, den Anfangsband der Fantasy-Reihe zu besprechen, die vom New-York-Times-Magazin in die Liste der besten 100 Jugendbücher aller Zeiten aufgenommen wurde. Angesichts tausender Jugendbücher, die jährlich erscheinen, hat sich das Times Magazine mit seiner Einschätzung ganz schön weit herausgelehnt. Zurecht?

Inhalt:

Laia wächst, weil ihre Eltern vom Imperium getötet wurden, bei den Großeltern auf. Und es kommt noch schlimmer: Eines Nachts wird sie Zeugin, wie das Haus der Großeltern von Soldaten des Imperiums gestürmt wird. Die Großeltern werden getötet, ihr Bruder Darin wird gefangengenommen, vorher ermöglicht er Laia allerdings noch die Flucht. Sie weiß, dass sie schnell handeln muss, um ihren Bruder vor dem Tod zu retten, und das Einzige, was sie tun kann, ist, Kontakt zu den Widerstandskämpfern aufzunehmen. Sie hofft, dass ihr dort geholfen wird, Darin aus dem Gefängnis zu befreien.

Das Imperium bildet jedes Jahr eine größere Zahl von Elitekämpfern aus – die Ausbildung ist extrem anstrengend, viele überstehen sie nicht. Die Kämpfer werden Masken genannt, weil sie ihre Gesichter hinter Silbermasken verbergen. Im ganzen Imperium sind die Masken gefürchtet und wegen ihrer Skrupellosigkeit berüchtigt. Elias ist einer der Maskenkämpfer und steht kurz vor dem Ausbildungsende. Von seiner Mutter, der einflussreichen Kommandantin, als Säugling verstoßen wuchs er bei einem Nomadenstamm auf, bevor er zur Maskenausbildung nach Blackcliff geholt wurde. Elias schlägt sich in der Ausbildung zwar bestens, dennoch plant er nach Beendigung seine Flucht. Er will nicht weiter im Auftrag des Imperators morden und töten.

Bei Laia läuft es nicht gut. Der Widerstand hilft ihr nur wider Willen, sie bekommt die Mission, als Sklavin die Kommandantin zu bespitzeln – eine höchst gefährliche Aufgabe, denn die Kommandantin ist bei den kleinsten Verfehlungen ihrer Bediensteten für ihre Gewalttätigkeit und Skrupellosigkeit bekannt. Doch für Laia ist es wohl die einzige Chance, die Befreiung ihres Bruders zu erwirken. In Blackcliff begegnet sie irgendwann Elias, zu dem sie sich seltsamerweise hingezogen fühlt, obwohl er als Maske eigentlich verachtenswert sein sollte und als Kämpfer für das Imperium zu ihren Feinden zählt.

Bewertung:

So ganz gefeit vor den Versprechungen und Verlockungen von Werbeaussagen bin ich nicht – das sei zugegeben. Ich bin kein großer Fan von Fantasyromanen; ab und zu schnuppere ich aber auch mal in das Genre rein, und wenn ein Buch mich packt, bleibe ich dabei. Auf Sabaa Tahirs „An Ember in the Ashes“ (Übersetzung: Barbara Imgrund; identischer amerikanischer Originaltitel) bin ich aus zwei Gründen neugierig geworden: Mir gefällt das stimmungsvoll und schön gestaltete Cover; und mich hat eben doch die Aussage, dass das Time Magazine die Reihe zu einem der besten 100 Jugendbücher aller Zeiten gekürt hat, gelockt.

In die Welt des Romans reinzukommen, dauert ein wenig. Das Buch beginnt im ersten Kapitel mit der Tötung von Laias Großeltern und der Gefangennahme ihres Bruders; nach und nach erfährt man dann erst mehr über die Romanwelt: Laia stammt aus dem Volk der Kundigen, das vor 500 Jahren von den Martialen des Imperiums besiegt wurde. Seitdem sind die Kundigen unterworfen. Der Widerstand der Kundigen, dem auch Laias Eltern angehörten, hat bisher nicht viel bewirken können. Das Imperium führt ein schlimmes Regiment und geht hart gegen jegliche Kritik oder gegen jeden Widerstand vor. Die Masken sind dabei die gnadenlosesten und entschlossensten Kämpfer, die die Macht des Imperiums sichern. Überrascht war ich übrigens später im Buch, als irgendwann auch Geisterwesen wie zum Beispiel Dschinns auftauchen, die allerdings in Band 1 keine tragende Rolle spielen.

Das Buchszenario ist also durchaus komplex, und das alles darzustellen, benötigt einige Kapitel. Erzählt wird der Roman konsequent im Wechsel aus der Sicht von Laia und Elias in der Ich-Form. Was die beiden Erzählstränge der Hauptfiguren angeht, so dauert es etwas, bis sie zusammengeführt werden, sie gehen auch später immer wieder mal auseinander, um wieder zusammenzufinden. Geschickt gemacht ist das zweifelsohne.

Was mich dagegen doch auf den ersten 200 Seiten ziemlich häufig irritiert hat, war, wie Sabaa Tahir die Gedanken ihrer Hauptfiguren ins Buch hineinbringt. Die Gedanken werden kursiv in den Text eingestreut, was durchaus üblich ist. Aber ich war ein wenig entsetzt über die Banalität vieler dieser Gedankengänge, die oft kindlich rüberkommen und sich nicht so richtig in die sonst komplex erzählte Geschichte einfügen. Fast in Dauerschleife denkt Laia über mehrere Kapitel hinweg zum Beispiel „Rette Darin. Such die Widerstandskämpfer. Rette Darin. Such die Widerstandskämpfer.“ (Seite 51) Solche Redundanzen sind etwas nervig, sie verlieren sich später dann aber glücklicherweise … Das Lektorat hätte hier aber durchaus mehr Qualität einfordern können und solche Banalitäten herausnehmen sollen.

Dem Buch zugutehalten muss man aber auch einige Stärken. Mich hat der Roman nach gut 200 Seiten jedenfalls ziemlich gepackt hat, und ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Dass ich immer wieder versucht habe, Zeit fürs Weiterlesen rauszuschlagen, ist für mich nicht selbstverständlich. Die Spannung hält das Buch auch dadurch, dass die Story auf den ersten Blick vorhersehbar wirkt, sie es aber nicht ist. Die Geschichte schlägt viele Haken, nimmt unerwartete Wendungen. Gut so. Und es geht vieles ganz und gar nicht gut für die Hauptfiguren aus. Weder Laia noch Elias werden vor schlimmen Entwicklungen oder vor Brutalität geschont. Für Zartbesaitete ist das aber mitunter nichts.

Ein bisschen durchsichtiger ist, wie romantische Themen in das Buch gebracht werden. Da liegen sicher recht bewusst getroffene Zielgruppenmotive dahinter. Laia wie auch Elias (und das ist dann vielleicht doch zu viel des Guten) sind beide zwischen zwei anderen Personen hin- und hergerissen. Elias fühlt sich zu Helena, seiner langjährigen Kampfpartnerin, wie zu Laia hingezogen. Und Laia geht es genauso mit Elias und einem der Widerstandskämpfer. Hätte das nicht für eine der beiden Hauptfiguren gereicht?

Was ich am letzten besprochenen Buch (Nils Westerboers „Lyneham“) kritisiert hatte, dass in meinem Kopf kein inneres Bild der erzählten Welt entstanden ist, war bei „An Ember in the Ashes“ kein Problem. Sabaa Tahir beschreibt gekonnt Personen wie auch die Umgebung, in der die Geschichte spielt. Die vorangestellten Landkarten (leider im Buch nur in Schwarzweiß, online kann man sie hier und hier auch farbig ansehen) erleichtern das.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Erst beim Recherchieren nach dem Lesen habe ich mitbekommen, dass „An Ember in the Ashes“ bereits 2015 in einem anderen Verlag unter dem Namen „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ veröffentlicht wurde. Ich hatte mich schon gewundert, warum ein so hoch gelobtes Buch, das 2015 in den USA erschienen ist, so spät ins Deutsche übersetzt wurde. Sabaa Tahirs „An Ember in the Ashes“ erzählt jedenfalls eine extrem spannende Fantasygeschichte, in der es allerdings auch sehr brutal zugeht. Dass ein ziemlich behütetes Mädchen, das bisher vor allem dem Großvater beim Heilen zur Hand ging, in eine gnadenlos gewalttätige Welt hineingezogen wird und ums Überleben kämpft, ist kein ganz neues Thema. Aber Sabaa Tahir hat mit Laia und der zweiten Hauptfigur Elias, der anders als Laia zum Kämpfer ausgebildet wird, aber Gewalt eigentlich verabscheut, eine interessante Figurenkonstellation geschaffen.

Manches im Buch (vor allem in Bezug auf das Romantische) ist mir trotzdem zu sehr auf den Publikumsgeschmack hin geschrieben; das wertet den ersten Band der 4-bändigen Reihen etwas ab. Dass die Figuren und ihre Beziehungen außerdem anfangs etwas holzschnittartig angelegt sind, hat mich auch gestört, nimmt aber im Verlauf des Buchs ab. Insgesamt weiß Sabaa Tahir aber ohne Zweifel gut zu unterhalten und bietet Fantasy-Leser/inne/n genau das, was sie gerne haben.

Wer etwas Spannendes zum Abtauchen sucht, dabei nicht zimperlich ist, wenn es um Gewaltbeschreibungen geht, der wird „An Ember in the Ashes“ sicher einiges abgewinnen können. Und mit drei weiteren Bänden ist man dann schon bei einem Lektüreumfang, der an große Fantasy-Werke wie „Der Herr der Ringe“ erinnert. Und nun – nach Beendigung der Buchbesprechung – weiß ich, ehrlich gesagt, nicht, was ich machen soll: Will ich auch Band 2 lesen? Angesichts begrenzter Lesezeit kein einfache Entscheidung … Denn einerseits habe ich die Spannung im Buch geliebt, andererseits aber doch mit einigem gehadert.

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(Ulf Cronenberg, 22.01.2026) ></p>
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