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Buchbesprechung: Jenny Jägerfeld „Best Bro ever!“

Cover: Jenny Jägerfeld „Best Bro ever!“Lesealter 11+(Urachhaus-Verlag 2023, 151 Seiten)

Manchmal gibt es Autor/inn/en, deren Name man schon lange kennt, von deren Bücher man auch viel Positives gehört hat, die man aber trotzdem bislang nicht gelesen hat. So ist es mir bisher mit der schwedischen Autorin Jenny Jägerfeld gegangen: Ich habe es nie geschafft, eines ihrer Bücher auf meinem Lesestapel zu haben. Das hat sich nun geändert, und ob sich die Neuentdeckung für mich gelohnt hat, werdet ihr erfahren, wenn ihr weiterlest …

Inhalt:

Måns reist mit seiner Mutter für längere Zeit nach Malmö in die Großstadt. Dort soll seine Mutter, deren Job es ist, Hörspiele einzusprechen, an einer Produktion mitwirken. Die beiden kommen in einer Wohnung unter, die ein früherer Freund der Mutter ihnen besorgt hat. Was Måns jedoch nicht so prickelnd findet, ist, dass Nora, die Tochter dieses Freundes, tagsüber, während die Mutter arbeitet, auf ihn aufpassen soll. Noch dazu ist Nora etwas seltsam und hat einige Ticks.

Als Måns im Hinterhof des Hauses skatet, trifft er mit seinem Skateboard versehentlich einen Jungen, der Måns daraufhin übel beschimpft. Im Weggehen erfährt Måns, dass der Junge Mikkel heißt. Mikkel ist auch jenseits der ganzen Flüche auffällig: überall tätowiert, was ein Junge in dem Alter ja eigentlich gar nicht sein darf. Diese erste seltsame Begegnung bleibt nicht die einzige, es geht so weiter: Mikkel fordert Måns zu einem Wettkampf beim Skaten heraus.

Doch dieser Wettkampf endet schlimm: Måns hat eine stark blutende Kopfwunde, die Mikkel aber zum Anlass nimmt, ihn zum Blutsbruder zu befördern … – und so entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft. Måns lernt Mikkels Bruder kennen, der allen Bekannten, auch bei Måns, mit Stiften Tätowierungen auf die Haut malt – er will üben. Probleme gibt es jedoch, weil Måns ein Geheimnis vor Mikkel hat – er schafft es einfach nicht, obwohl sich beide beim Blutsbruderschwur Ehrlichkeit versprochen haben, damit rauszurücken.

Bewertung:

Die Originalausgabe von „Best Bro ever!“ (Übersetzung: Susanne Dahmann; schwedischer Originaltitel: “Brorsan är kung“) ist bereits 2016 erschienen, was mich angesichts des darin auftretenden Transgender-Themas doch etwas erstaunt hat. In Jugendbüchern kam meinem Eindruck nach das Thema erst in den letzten drei bis fünf Jahren auf; Jenny Jägerfeld war der Zeit also vielleicht ein bisschen voraus. Aber dafür sind schwedische Jugendromane ja schon seit langer Zeit bekannt …

„Best Bro ever!“ ist eine richtig erfrischend erzählte Geschichte, in die man schnell eintauchen kann. Måns als Ich-Erzähler beseelt die Story mit seiner sympathischen Art und wirkt sehr authentisch. Man nimmt ihm seine Gefühle, seine Sorgen, seine Bedenken und Beweggründe ab – wenn es um seine Mutter geht, um Mikkel oder auch um seinen Vater, der lange nur im Hintergrund eine Rolle spielt.

Ja, das Transgender-Thema. Es dauert ein bisschen, bis dieses Thema ausgepackt wird, bis man erfährt, dass Måns eigentlich als Mädchen geboren wurde, sich aber schon sehr lange als Junge fühlt. Mir hat es gefallen, dass das nicht sofort angesprochen wird, dass man fast die Hälfte des Buchs unbedarft und unwissend liest, sich somit beim Lesen Måns als Junge im Kopf festsetzt und man dann nach dem Coming-out seine Vorstellungen im Kopf anpassen muss (etwas, was ich Leser/inne/n dieser Buchbesprechung nun leider nehme – aber es geht nicht anders).

Das Transgender-Thema wird in dem Buch auch mit all seinen Facetten beschrieben: Måns, der sich unwohl fühlt, wenn er als Mädchen angesehen wird, der sich wünscht, dass ihm keine Brüste wachsen, der bald eine Hormontherapie anfangen möchte, um das zu verhindern. Man lernt aber auch, dass die Eltern es nicht immer leicht mit seinem Ablehnen der ursprünglichen Geschlechtsidentität haben. Måns‘ Mutter steckt das ganz gut weg, während sein Vater große Probleme damit hat. Das Buch gibt da gut wieder, wie das im realen Leben eben auch oft ist.

Das größte Dilemma empfindet Måns allerdings Mikkel gegenüber. Er verpasst mehrere Gelegenheiten, dem besten Bro, vor dem man keine Geheimnisse hat, davon zu erzählen. Und weil Måns das nicht schafft, gibt es brenzlige Situationen: Måns möchte trotz heißem Sommer Mikkels Vorschlag, schwimmen zu gehen, auf keinen Fall folgen; er kommt aber dann irgendwann nicht drum herum. Die Sorge ist da, dass Mikkel sehen könnte, dass Måns einen weiblichen Körper hat. Doch der große Knall (aber hier wird nun wirklich nichts verraten) kommt später in einer anderen Situation.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Mir gefällt, wie Jenny Jägerfeld die Geschichte erzählt, wie das Transgender-Thema dargestellt wird – man hat nie das Gefühl, ein bewusst geschriebenes Problembuch zu lesen, sondern „Best Bro ever!“ ist einfach eine gut und spannend erzählte Geschichte, die die Problematik gut verpackt. Das Buch hat dabei eine beschwingte Leichtigkeit, die der Geschichte gut tut, ohne dass irgendwas bagatellisiert wird. Und die Figuren sind so skurril, dass sie Spaß machen: von Mikkel über seinen Bruder bis hin zu Nora.

„Best Bro ever!“ ist ein schnell gelesenes Buch, das durch die kleinen Kapitelhäppchen auch mal ein schnelles Beiseitelegen erlaubt. Überzeugt hat mich letztendlich auch, dass die Stimme Måns‘ nie gekünstelt, sondern immer passend wirkt. Das Einzige: Ich hatte einen leicht älteren Jungen vor Auge … – aber das mag an meinen Altersvorstellungen liegen. Ansonsten kann man Mädchen wie Jungen, die das Transgender-Thema interessiert, die leichtfüßige Geschichte nur ans Herz legen.

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(Ulf Cronenberg, 10.05.2023)

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