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Kurzrezension: Kevin Brooks & Catherine Forde „I see you Baby …“

Cover: Kevin Brooks & Catherine Forde „I see you Baby …“Lesealter 12+(dtv 2019, 104 Seiten)

Als ich das Buch bestellt hatte und mich auf einen neuen Roman von Kevin Brooks (mit Catherine Forde zusammen) gefreut habe, hatte ich übersehen, dass das ein Kurzroman ist. dtv short heißt die Reihe, in der das Buch mit 100 Seiten erschienen ist – Romane für eine Zugfahrt, für Zwischendurch oder für Wenigleser, die von dicken Bücher abgeschreckt werden … Enttäuscht war ich erst mal schon, doch es gibt ja durchaus Literaturklassiker, die auch nicht mehr Seiten haben … Von daher: Mal ganz unvoreingenommen sehen, was das Autorenduo zu bieten hat.

Keith will zum Rock-Out-Festival, wo seine Lieblingsband Dead Holes auftritt. Eigentlich sollten zwei seiner Freunde mit dabei sein, für die er die Zugfahrkarten nach Manchester besorgt hat, während sie sich um die Konzerttickets kümmern sollten. Doch vor dem Bahnsteig wartet er vergebens auf sie. Als er sie kurz vor der Abfahrt anruft, hört er nur Geschäker – die beiden haben ihn wegen zwei Mädels sitzen lassen. So steigt er allein in den Zug. Doch auch in Manchester läuft weiterhin einiges schief. Der Bus zum Festivalgelände bleibt auf halbem Weg mit einem Motorschaden stehen. Durch einen Zufall kommt Keith doch noch zum Gelände, noch dazu mit einer VIP-Karte, die den Namen seines Gitarrenhelden Kiefer Shelley trägt …

Zur gleichen Zeit hat Sally, die bei einer Freundin ihrer Mutter in einem Imbiss jobt, mal wieder Stress. Nicht zum ersten Mal stolpert sie, und das Essen auf dem Tablett bespritzt ein Mädchen und ihren Rucksack. Das Mädchen ist stinksauer; mit seinen Freundinnen zieht es über Sally her und kickt schließlich den besudelten Rucksack nach Sally, um ihn dann im Imbiss zurückzulassen. Am Ende ist Sally ihren Job los, den Rucksack des Mädchens nimmt sie mit – und als sie ihn öffnet, findet sie neben Klamotten eine VIP-Karte für das Rock-Out-Festival. So macht sie sich auf den Weg nach Manchester – und wird im VIP-Bereich auf Keith treffen.

Ja, kurz und kurzweilig ist die Geschichte von Keith und Sally. Man folgt immer mehrere kurze Kapitel einer der beiden Hauptfiguren, und man kann sich die Arbeitsteilung von Kevin Brooks und Catherine Forde vorstellen: Ersterer hat die Teile, in denen Keith der Erzähler ist, geschrieben, seine Kollegin ist für Sally verantwortlich. Das ist eine sinnvolle Vorgehensweise – seltsamerweise merkt man fast keinen Unterschied zwischen beiden Erzählern in Bezug auf den Schreibstil.

So einige abstrus-witzige Dinge passieren in dem Roman. So begegnet Keith seinem Held Kiefer Shelley, Kuhfladen spielen mehrfach eine Rolle, und was vor allem auch spannend ist: Sowohl Sally als auch Keith geben sich, als die beiden sich im VIP-Bereich begegnen, als jemand anderes aus bzw. werden vom anderen für jemand anderen gehalten. Man wartet als Leser darauf, dass diese wechselseitige Lügengeschichte auffliegt. So kommt es auch, und da ist dann einiges geboten – denn auch die Sicherheitsleute merken, dass da etwas nicht stimmt.

Was an dem Kurzroman jedoch nervt, das sind die vielen Zufälle, die sich darin zutragen – da hätte sich das Autorenduo bei der Konstruktion der Geschichte eindeutig etwas mehr Mühe geben können. Dass ein Mädchen den besudelten Rucksack mit einer VIP-Karte für ein Festival zurücklässt, ist schon sehr unwahrscheinlich. Dass als Keith‘ Bus stehen bleibt, ausgerechnet der Bus mit den Dead Holes vorbeifährt, von dort ein Rucksack aus dem Fenster geworfen wird – wieder mit einer VIP-Karte: Das ist einfach zu viel des Guten. Darunter leidet die Geschichte, denn sie verliert durch diese Zufälle irgendwann ihre Glaubwürdigkeit.

Fazit:

2-einhalb von 5 Punkten. Ich mag Geschichten, in der Rockmusik eine Rolle spielt (Kevin Brooks hat mit „Naked“ da ja durchaus auch schon einen tollen Jugendroman geschrieben); ich finde die Idee mit dem Festival interessant, eine nette Liebesgeschichte ist „I see you Baby …“ auch – aber das war es dann auch schon auf der Habenseite. Dem steht vor allem gegenüber, dass der Kurzroman leider auch in zu kurzer Zeit gestrickt zu sein scheint und deswegen eine eher unglaubwürdige Geschichte herausgekommen ist.

Mit dem Kurzroman können Kevin Brooks und Catherine Forde bei Jugendbuch-Leserinnen und -Lesern sicher keinen Stich machen. Mit etwas mehr Mühe wäre deutlich mehr drin gewesen – man kann das Potenzial der Geschichte erahnen … Mehr aber leider auch nicht.

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(Ulf Cronenberg, 08.08.2019)

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