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Buchbesprechung: R. T. Acron „Ocean City – Im Versteck des Rebellen“

Cover: R. T. Acron „Ocean City - Im Versteck des Rebellen“Lesealter 11+(dtv 2018, 253 Seiten)

Na, das hat ja nicht lange gedauert, bis Band 2 von „Ocean City“ herauskam – ich mag es jedenfalls nicht, wenn man auf einen Fortsetzungsband lange warten muss, und von März bis Juli ist definitiv eine kurze Zeit. Der Debütband des Autorenduos Frank Maria Reifenberg und Christian Tielmann mit dem Untertitel „Jede Sekunde zählt“ war jedenfalls ein kurzweiliges Buch, das ein paar Schwächen hatte, aber genau das bietet, was manchen Lesemuffel zum Lesen bringt. Band 2 sollte genau da weitermachen …

Inhalt:

Jackson und Crockie sind auf der Flucht aus Ocean City – ihr Ziel ist der Kontinent, an den die schwimmende Stadt auch bald zum Versorgungsaustausch anlegen wird. Auf dem Kontinent wollen sie den Rebellen Matt Fuller finden. Mit auf dem Fischkutter, mit dem sie aus der streng bewachten Zone um Ocean City kommen wollen, sind unter anderem Scout und Lou, die ebenfalls Matt Fuller suchen. Doch die Flucht endet schlimm, weil ein Piratenboot aufkreuzt und sie beschießt. Nur Crockie und Jackson sowie Lou und Bucks, den sie erst kurz zuvor halb ertrunken aus dem Meer gefischt hatten, schaffen es auf den Kontinent.

Dabei, sich auf dem Kontinent zurechtzufinden, hilft ihnen Bucks, der als Flüchtling von Kontinent aus über den Meeresweg nach Ocean City gelangen wollte. Die Hilfe Bucks ist dringend nötig. Denn sich auf dem Kontinent zu bewegen ist hochgefährlich. Zwei Großbanden bekriegen sich dort, überall läuft man Gefahr überfallen oder beschossen zu werden. Auch wenn Jackson nicht so recht weiß, ob sie Bucks vertrauen können: Sie haben keine andere Wahl. Unerwarteterweise stößt irgendwann Scout wieder zu ihnen, sie hatte sich doch retten können.

Allerdings scheint niemand, dem sie begegnen, Matt Fuller zu kennen, was Jackson und Crockie verwirrt und ratlos zurücklässt. Denn in Ocean City ist Matt Fuller als der große Rebell bekannt, der prominenteste Widersacher der schwimmenden Stadt, der sich auf den Kontinent abgesetzt hat. Doch es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als weiterzusuchen. Das wird jedoch zunehmend brenzlig, unter anderem auch, weil Lydia Tremont, die Generalsekretärin von Ocean City, den Geheimermittler Ambrose di Gallo auf James und Crockie ansetzt. Das bekommen auch einer der Bandenchefs auf dem Kontinent mit und lässt ebenfalls nach ihnen suchen.

Bewertung:

Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus: „Ocean City – Im Versteck des Rebellen“ bietet genau das, was man von dem zweiten Band der Reihe erwartet. Was Jackson und Crockie erleben ist wiederum ein spannendes Abenteuer, bei dem nicht lange gefackelt wird. Ab den ersten Seiten ist für Spannung gesorgt, wenn die beiden Jungen mit ihren Gefährten auf einem Fischkutter aus der schwimmenden Stadt fliehen und nicht wissen, ob sie aus der streng überwachten Sperrzone Ocean Citys entkommen werden. Bei der Flucht werden dann auch drei Figuren geopfert, die man schon aus Band 1 kennt. Zimperlich ist das Autorenduo da nicht.

Dass da zwei Autoren gemeinsam am Werk sind, merkt man übrigens nicht. Ich habe keine Brüche im Schreibstil bemerkt – anscheinend können sich Frank Maria Reifenberg und Christian Tielmann sehr gut die Bälle zuspielen. Und im Vergleich zu Band 1 sind manche der kleinen Schwächen geblieben, andere verschwunden.

Einen übertriebenen Showdown, den es in Band 1 noch gab, findet man in „Im Versteck der Rebellen“ zum Beispiel nicht. Gut so. Mir geht es immer gegen den Strich, wenn sich zu viele Zufälle aneinanderreihen und Figuren eigentlich völlig ausweglose Situationen unbeschadet überstehen. Da ist Band 2 zum Glück dezenter. Übertrieben hat das Autorenduo es dagegen manchmal mit den schnellen Szenenwechseln. Da ist man eben noch mit Jackson und Crockie auf dem Kontinent, bevor man für eine Seite mal schnell zu Lydia Tremont nach Ocean City springt, um dann beim suchenden Ermittler Ambrose di Gallo zu landen. Es ist zwar einerseits geschickt, wie die Handlungsstränge ineinandergreifen, ab und zu aber doch zu viel des Guten.

Natürlich bedient sich Band 2 der üblichen Tricks, mit denen man Spannung erzeugt. Das gilt für die Figuren, die mal nicht sind, was sie zu sein scheinen – Bösewichte dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und ganz geschickt wird auch die Handlung am Ende von Kapiteln immer wieder hängen gelassen, so dass man erst im nächsten oder übernächsten Kapitel erfährt, wie der Handlungsstrang weitergeht. Ein großer Cliffhanger befindet sich ganz am Ende des Buchs. Da hilft leider nicht weiterlesen, sondern nur das Warten auf Band 3. Hoffentlich folgt der dann ähnlich bald …

Über Langeweile kann man in dem Buch jedenfalls nicht klagen. Die Handlung schlägt viele Haken, bietet immer wieder Überraschendes, und an brisanten Situationen, die Jackson, Crockie & Co. zu überstehen haben, fehlt es nicht. Da kann man über kleine Nachlässigkeiten hier und da hinwegsehen, wenn Jackson zum Beispiel am Ende des Buchs einfach mal jemand im Feindesgebiet besucht, wo es vorher ein extrem beschwerlicher und gefährlicher Weg war, dorthin zu gelangen. Klar, das muss man nicht im Detail schildern, aber ein Satz darüber, dass es lange gedauert hat, dorthin zu kommen, wäre ja möglich gewesen.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Ich mag Bücher, die sich quasi von selbst lesen, weil man einfach nicht aufhören will … Da muss man dann auch nicht meckern, dass manches vielleicht nicht immer ganz ausgereift ist. „Ocean City – Im Versteck des Rebellen“ ist so ein Buch, das ich an einem Tag verschlungen habe, und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Dass das gelungen ist, liegt daran, dass Frank Maria Reifenberg und Christian Tielmann ihr Metier verstehen. Sie wissen abwechslungsreich mit verschiedenen Handlungssträngen geschickt eine spannende Handlung aufzubauen, und sie schreiben eloquent, hier und da auch immer mit ein wenig Witz und Ironie.

Wie schon bei Band 1 hätte ich gerne noch mehr über die technischen und gesellschaftlichen Hintergründe sowohl in Ocean City als auch auf dem Kontinent erfahren. Aber das ist für mich wohl interessanter als für die als Zielgruppe gedachten Leserinnen und Leser. 11- oder 12-Jährige, die auch zu den Weniglesern zählen dürfen und Spannung suchen, werden mit „Ocean City – Im Versteck des Rebellen“ jedenfalls gut bedient. Für sie ist das Buch ja auch geschrieben, und ihnen kann man den actionreichen Roman ohne Wenn und Aber empfehlen.

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(Ulf Cronenberg, 21.07.2018)

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