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Die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2014 – ein persönlicher Bericht

djlp_2014Alle Jahre wieder – nicht zur Weihnachtszeit, sondern während der Wochen, wenn einem bewusst wird, dass der Sommer vorbei ist – geht es zur Buchmesse nach Frankfurt, wo am Freitag dann die Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises bekannt gegeben werden. Seit acht Jahren bin ich nun jedes Mal dabei gewesen, seit acht Jahren bin ich gespannt, wer die Preisträger sind, seit acht Jahren warte ich darauf, dass das etwas spröde Format der Veranstaltung verändert wird. Aber getan hat sie da bisher nichts groß …

Dass in diesem Jahr das erste Mal nicht mehr Marc Langebeck als Moderator auf der Bühne stehen sollte, sondern, wie angekündigt wurde, Vivian Perkovic, ließ ein wenig hoffen, dass am Veranstaltungsformat Korrekturen vorgenommen werden könnten. Doch weit gefehlt. Der Ablauf und die einbezogenen Personen waren ansonsten die gleichen: vier Grußworte, Wer-liest-gewinnt-Kinder als Briefumschlagüberbringer, Bekanntgabe zweier Preisträger (Bilder- und Kinderbuch), eine kulturelle Darbietung (diesmal finnischer Tango auf dem Akkordeon), zwei weitere Preisträger (Jugend- und Sachbuch), Interview mit der Vorsitzenden der Kritikerjury (Prof. Dr. Gina Weinkauff), Aufführung der Jugendjury mit Bekanntgabe ihres Preisträgers und schließlich der Preis für das Lebenswerk (in diesem Jahr wieder im Bereich Übersetzung). Alles wie gehabt.

Und Vivian Perkovic als Moderatorin? Ich war erst mal froh, dass die Moderation gewechselt hatte, weil Marc Langebeck in den letzten Jahren zwar äußerlich immer sehr galant, aber inhaltlich oft fragwürdig aufgetreten war … Manches machte Vivian Perkovic charmant, gut vorbereitet schien sie auch, insgesamt trat sie aber etwas ruppiger als Marc Langebeck auf. Manchmal war sie erfrischend und stellte gute Fragen (z. B. der Ministerin, wem von ihren Ministerkollegen sie das ausgezeichnete Flüchtlingsbuch schenken würde); manchmal zeigte sie sich aber etwas wenig kommunikativ und wenig behutsam, wenn sie z. B. die Preisträger nach einer kurzen Frage etwas vorschnell aufs Sofa schickte.

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Abb. (von links nach rechts): Moderatorin Vivian Perkovic, Familienministerin Manuela Schwesig und Wer-liest-gewinnt-Kind Lea || Foto: © Ulf Cronenberg

Dass diesmal kein Staatsekretär geschickt worden war, sondern die neue Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig selbst auf der Bühne stand, war wohltuend. In ihrem Grußwort trat sie etwas steif auf und betonte ihre Worte im Bemühen, deutlich zu sprechen, fast wie eine computergenerierte Stimme, sie bekräftigte aber glaubwürdig, dass der Kinder- und Jugendliteratur mehr Wertschätzung gebühre. Und im Laufe der Veranstaltung wurde sie zunehmend lockerer.

Manuela Schwesig durfte auch jeweils bekanntgeben, wer in den vier Sparten die von der Kritikerjury ausgewählten Preisträger sind. 2014 heißen sie:

  • Bilderbuch: „Akim rennt“ von Claude K. Dubois, Übersetzung: Tobias Scheffel (Moritz-Verlag)
  • Kinderbuch: „Königin des Sprungturms“ von Martina Wildner (Beltz & Gelberg-Verlag)
  • Sachbuch: „Gerda Gelse. Allgemeine Weisheiten über Stechmücken“ von Heidi Trpak, Illustration: Laura Momo Aufderhaar (Wiener Dom-Verlag)
  • Jugendbuch: „Wie ein unsichtbares Band“ von Inés Garland, Übersetzung: Ilse Layer (Fischer KJB)

Dass sich beim Jugendbuch Inés Garlands „Wie ein unsichtbares Band“ durchgesetzt hat, hat mich etwas überrascht. Allerdings kannte ich nur vier der sechs nominierten Titel und von daher konnte ich nicht wirklich gut einschätzen, wer in der Jugendbuchsparte das Rennen machen würde. Ein starkes Buch ist „Wie ein unsichtbares Band“ in jedem Fall, auch wenn ich fand, dass es in der Mitte mal kleinere Längen hat.

Auch die Jugendjury stellte ihr Preisträgerbuch vor – es ist:

  • „Wunder“ von Raquel J. Palacio, Übersetzung: André Mumot (Hanser-Verlag)

Der Sonderpreis für das Gesamtwerk ging schließlich an die deutsche Übersetzerin Angelika Kutsch, die leider bei der Preisverleihung nicht dabei sein konnte. Das sympathisch-persönliche Grußwort von Angelika Kutsch, die nicht nur die „Petterson & Findus”-Bücher, sondern u. a. die Jugendbücher von Mats Wahl aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt hat, verlas die Verlegerin Monika Osberghaus, die mit der Autorin befreundet ist.

Alles gut? Na ja … Unter Strich war der von mir gewünschte „Relaunch“ der Preisverleihungszeremonie ausgeblieben. Schade. Man hätte der neuen Moderatorin durchaus auch ein neues Veranstaltungsformat mit auf den Weg geben können. Aber vielleicht wünschen sich das gar nicht so viele Leute und ist nur eine Einzelmeinung von mir …

Am besten hat mir übrigens neben der Grußbotschaft von Angelika Kutsch das Statement von Gina Weinkauff, der Vorsitzenden der Kritikerjury, die leider nicht für zwei weitere Jahre zur Verfügung steht, gefallen. Sehr uneitel und pointiert hat sie von Vivian Perkovic interviewt darüber gesprochen, aus welchen Gründen man sich für die ausgewählten Bücher entschieden hat. Wer mehr darüber wissen will, kann hier ein Positionspapier von Gina Weinkauff mit dem provokativen Titel „Kein Kriterienkatalog“ nachlesen, in dem erläutert wird, was die Kritikerjury alles in den Blick nimmt. Und die offiziellen Jurybegründungen für die Preisbücher kann man hier studieren.

Abschließend noch einige Bilder von der Preisverleihung. Künstlerisch und sehr stilvoll waren in diesem Jahr übrigens die auf dem Bühnenhintergrund verwendeten Farbakzente.

(Ulf Cronenberg, 11.10.2014)

Kommentare (3)

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