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Buchbesprechung: Eoin Colfer „WARP – Der Quantenzauberer“

colfer_warp_1Lesealter 12+(Loewe-Verlag 2014, 347 Seiten)

„Artemis Fowl“ hat das Zeitliche gesegnet – nach acht Bänden (der letzte trug den Titel „Das magische Tor“) war das aber vielleicht auch besser so, bevor sich die Serie gänzlich totläuft. Dass Eoin Colfer weiterhin Kinder- und Jugendbücher schreiben wird, davon war auszugehen, und mit „WARP“ schickt er eine neue Reihe, deren erster Band nun erschienen ist, ins Rennen. Um was es diesmal geht? Um Zeitreisen … Kein neues Thema, aber eines, bei dem ich gespannt war, wie Eoin Colfer es meistern würde.

Inhalt:

Chevie ist eine ambitionierte jugendliche FBI-Agentin, die mit ihren 17 Jahren dieser Tätigkeit eigentlich gar nicht nachgehen darf. Da sie in den USA in einen Vorfall verwickelt war, bei dem ihr zu Unrecht vorgeworfen wurde, auf einen Jugendlichen geschossen zu haben, musste sie außer Landes gebracht werden. Und so bewacht sie in London ein Haus, ohne so recht zu wissen, was sie da beschützen soll. Niemand hat sie eingeweiht, und dementsprechend langweilig ist es auch …

Doch von einem Moment auf den anderen passiert etwas: Der Boden wackelt und öffnet sich, ein Riesenchaos entsteht in dem Haus, und zwei seltsame Gestalten, die aus einer anderen Zeit stammen, erscheinen in einer seltsamen Kapsel im Keller. Die eine Person ist tot – wie sich später herausstellt, ist es der Vater von Chevies Vorgesetztem Felix Smart –, die andere Person, einen 14-jährigen Jungen, kann Chevie schließlich überwältigen. Felix Smart gesteht Chevie kurz darauf, dass sie eine Zeitmaschine bewacht haben. Mit einem Aufräumkommando des FBI verschwindet Felix Smart anschließend in der Zeitmaschinenkapsel, um in der Vergangenheit keine Spuren zu hinterlassen, doch dabei geht alles schief.

Am Ende ist Felix Smart tot, mit seinem Leichnam kommt ein weiterer Mensch aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart zurück: Albert Garrick, Zauberer und Auftragsmörder, Ziehvater und Lehrer von Riley. Durch die Zeitreise hat er ungewöhnliche Fähigkeiten bekommen – sein Wissen ist quasi mit dem von Felix Smart verschmolzen –, und so findet er sich sogleich in der Gegenwart zurecht.

Riley ist sich sicher, dass Garrick hinter ihm her ist, und versucht Chevie davon zu überzeugen, dass sie sich vor Garrick in Acht nehmen müssen. Chevie glaubt Riley und versucht mit diesem in ein FBI-Versteck zu flüchten, wo sie sich sicher fühlt. Doch weit gefehlt: Garrick kann ihnen folgen und bedroht die beiden. Nach einer längeren Verfolgungsjagd bleibt Chevie und Riley nur noch ein Ausweg, um Garrick zu entkommen: Sie müssen mit der Zeitreisekapsel ins Ende des 19. Jahrhunderts reisen. Die Flucht gelingt ihnen gerade noch – doch auch diesmal kann Garrick ihnen folgen.

Bewertung:

Ich mochte die Kinder- und Jugendbücher von Eoin Colfer schon immer – auch wenn sie letztendlich nur spannende und vergnügliche, zugleich immer aber auch intelligente Unterhaltung bieten. Colfers Bücher haben humorvoll überzeichnete Figuren mit Tics und Hybris-Anfällen, sie sind witzig geschrieben, und Spannung sowie Abenteuer kommen nie zu kurz. Genau das bietet auch der erste Band von „WARP“: eine temporeiche Geschichte, der man gerne durch die über die knapp 350 Seiten folgt.

Klar, die Idee mit der Zeitreise ist nicht neu – allerdings hat die Umsetzung bei Eoin Colfer ihren besonderen Charme: Verbrecher gelangen in die Gegenwart, setzen dort die Jagd auf andere fort, die Gejagten müssen durch das Zeitsprung-Wurmloch in die Vergangenheit fliehen, wohin ihnen gefolgt wird … Diese Hetzjagd über die Zeitgrenzen hinweg ist angenehm verspielt und wird grandios dargeboten.

Auch was die Figuren angeht, setzt Eoin Colfer bei Bewährtem an: Chevie ist eine vorlaute, aber sympathische Hauptperson, die Artemis Fowl nicht unähnlich ist. Mit Riley gesellt sich zu ihr ein vom Leben geprüfter Junge, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und nicht wie sein Lehrmeister Auftragsmörder werden will. Und Garrick ist mit seinen Zaubertricks sowie seinen übersinnlichen Fähigkeiten der passende Gegenspieler, ein Bösewicht, mit allen Wassern gewaschen.

Was die Artemis-Fowl-Reihe angeht, so gab es Bände, bei denen Eoin Colfer es mit Finten und den Kämpfen am Schluss etwas übertrieben hat. Manchmal konnte man der Geschichte dann kaum noch folgen. Bei „WARP – Der Quantenzauberer“ ist Eoin Colfer dieser Gefahr nicht erlegen. Mit der Geschichte kann man durchwegs Schritt halten, und was das Buch auszeichnet, ist die durchgehende Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Eoin Colfers erster Band der neuen „WARP“-Reihe bietet genau das, was man von dem Autor gewohnt ist. Die Geschichte um die jugendliche FBI-Agentin Chevie und den Zauberlehrling Riley aus dem Ende des 19. Jahrhundert ist spannend, sie hat Tempo, Witz und interessante Figuren. Sie bedient Freunde von Dektektivgeschichten ebenso wie Leser, die Science-Fiction und Action mögen. „WARP“ ist damit so etwas wie die Fortsetzung der Artemis-Fowl-Bücher mit neuen Figuren.

Eine anspruchsvolle Lektüre, die zum Nachdenken anregt, ist „WARP – Der Quantenzauberer“ sicher nicht – aber eine flüssig niedergeschriebene Abenteuergeschichte, mit der man den ein oder anderen Lesemuffel für einige Zeit an ein Buch fesseln kann. Und gerade Lesemuffeln sei Eoin Colfers neuestes Buch empfohlen: Jungen ab 12 Jahren, die nur in einem Buch hängenbleiben, wenn darin etwas Technisches vorkommt, wenn es ab und zu kracht und scheppert, wenn man außerdem humorvoll unterhalten wird.

Es kommt übrigens nicht oft vor, dass die Altersangabe eines Verlags höher liegt als die von mir: Auf der Webseite des Loewe-Verlags steht „ab 14 Jahren“ – doch dem möchte ich widersprechen. „WARP – Der Quantenzauberer“ ist meiner Meinung nach vor allem etwas für 12- und 13-jährige Leser.

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(Ulf Cronenberg, 21.03.2014)

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