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Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2013: Die Preisträger – ein persönlicher Bericht

djlp_plakat_2013Jedes Jahr wieder auf der Frankfurter Buchmesse: die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises. Auch diesmal wollte ich dabei sein, auch wenn ich nach vier Jahren Kritikerjury inzwischen nicht mehr in Amt und Würden bin. Das machte es zumindest spannender, wusste ich ja nicht, welche Titel ausgewählt worden waren.

Kritik am Deutschen Jugendliteraturpreis gab es schon immer, aber im letzten Jahr war das Krächzen im Gebälk besonders heftig. Im Frühjahr 2013 schloss sich eine Initiative zusammen, die ändern will, dass der Preis gleichwertig für ausländische Autor/inn/en und Illustrator/inn/en wie für deutsche offen ist und sie in einen Topf wirft. (Wer mehr über die Initiative wissen will, kann sich auf deren Webseite informieren.)

Ob die Initiative sich, den Autoren und Illustratoren, damit Gutes tut, wage ich zu bezweifeln. Würden in Bereichen nur noch deutschsprachige Bücher prämiert, könnte man sich fragen, ob diese Grenzziehung nicht impliziert, dass hier keine Konkurrenzfähigkeit besteht. Klar, es gäbe keine Jahre mehr, wo kaum deutschsprachige Preisträger prämiert werden, hätte die Initiative Erfolg. Aber so schlimm steht es um die deutschen Originalausgaben nicht. Während meiner Juryzeit von 2009 bis 2012 (ja, ich habe es ausgerechnet), waren die Preisbücher aller Sparten zusammen (ohne Jugendjury) immerhin zu 66 % deutsche Originalausgaben.

Bei der Preisverleihung mit diesmal über 1300 Gästen im Congress Center der Frankfurter Messe am Freitag, den 11. Oktober 2013 um 17.30 Uhr, ging es dennoch vergleichsweise ruhig zu. An dem Abend spielte die Autoren-/Illustratoren-Kritik nur zweimal eine kurze Rolle: in den Grußworten des Parlamentarischen Staatsekretärs des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, sowie der Vorsitzenden des Arbeitskreises für Jugendliteratur, Dr. Stephanie Jentgens. Während Kues betonte, dass dem Ministerium die Internationalität des Preises wichtig sei, erwähnte Jentgens, dass die Initiator/inn/en im November zu einem Runden Tisch eingeladen würden. Man bemühte sich sichtlich um Deeskalierung. Gerüchte, dass die Initiative vor dem Congress Center mit Flugblätter protestieren wolle, hatten sich auch nicht bewahrheitet.

Ansonsten lief an dem Abend jedoch alles wie gewohnt: eher langatmige Grußworte – wie immer; ein smarter, aber etwas wechselhaft engagierter Moderator Marc Langebeck, der die Preisträger unterschiedlich intensiv interviewte, einen (den Sachbuch-Preisträger) sogar gar nicht – peinlich; apportierende Kinder, die die Preisträger-Umschläge dem Staatssekretär übergaben – irgendwie unwürdig; etc.

Im Vergleich zu den letzten Jahren fühlte ich mich, was die Preisvergabe anging, eher unvorbereitet: Von den sechs nominierten Titeln der Kritikerjury in der Sparte Jugendbuch kannte ich nur fünf. Und was die anderen Sparten angeht (Bilderbuch, Kinderbuch und Sachbuch) war ich völlig ahnungslos. Von den nominierten Titeln der Jugendjury hatte ich immerhin drei gelesen.

Die Bühne war diesmal in Blau und Orange gehalten – passend zum gelungenen Plakat von Rán Flygenring, der Illustratorin von „Frerk, du Zwerg!“ (mit Finn-Ole Heinrich zusammen Preisträgerin 2012 in der Sparte Kinderbuch). Einzelne Bühnenelemente waren noch in Türkis getaucht – stimmungsvoll, auch wenn es auf den Bildern unten etwas greller wirkt, als es eigentlich war.

Doch nun zu den Preisbüchern der einzelnen Sparten. Der Deutsche Jugendliteraturpreis 2013 wurde von der Kritikerjury folgenden Titeln zugesprochen:

  • Bilderbuch: Jon Klassen (Text, Illustration): „Wo ist mein Hut“ (NordSüd-Verlag), Übersetzung: Thomas Bodmer
  • Kinderbuch: Frank Cottrell Boyce (Text), Carl Hunter (Fotografie) und Clare Heney (Fotografie): „Der unvergessene Mantel“ (Carlsen-Verlag), Übersetzung: Salah Naoura
  • Sachbuch: Reinhard Kleist (Text, Illustration): „Der Boxer. Die wahre Geschichte des Hertzko Haft” (Carlsen-Verlag)
  • Jugendbuch: Tamta Melaschwili: „Abzählen“ (Unionsverlag), Übersetzung: Natia Mikeladse-Bachsoliani

Damit war ausgerechnet das einzige Jugendbuch, das ich nicht gelesen habe, als Preisträger ausgewählt worden. Versprochen: Ich werde bald eine Buchbesprechung davon nachliefern. (Update, 04.11.2013: Inzwischen ist die Rezension von „Abzählen“ online.)

Was Frank Cottrell Boyce angeht, so finde ich grundsätzlich, dass er schon länger einen Preis verdient hat, auch wenn ich „Der unvergessene Mantel“ nicht kenne, dafür aber einige andere Bücher des englischen Autors gelesen habe (darunter das hervorragende „Meisterwerk“).

Und die Jugendjury? Es passierte, was zu erwarten war. Den Preis bekam John Green für „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Schade, ich hätte John Green gerne auf der Bühne gesehen, aber er hat sich mit einer witzigen Videobotschaft (hier auf YouTube zu sehen) für den Preis bedankt und sein Fernbleiben damit begründet, dass er eine kleine Tochter namens Alice hat.

Zu guter Letzt wurde, wie alle drei Jahre, ein Autor für sein Lebenswerk ausgezeichnet: Andreas Steinhöfel. Alle waren sich einig, dass Steinhöfel das trotz seines geringen Alters im Vergleich zu den bisher Ausgezeichneten verdient habe. In seiner kurzweiligen, aber durchaus ernsten Dankesrede, warb er vor allem dafür, dass die kurzlebiger gewordene Verlagswelt Autoren Zeit für ihre Entwicklung zugestehen solle – auch über längere Durststrecken hinweg. Fast eine Verlagssschelte war das.

Auch wenn hier kleine Kritikpunkte durchschimmern: Im Großen und Ganzen war die Preisverleihung gelungen, auch wenn einmal mehr – das wurde oft genug kritisiert – nicht einmal die Mitglieder der Kritikerjury Erwähnung fanden. Unverständlich. Das positve Resümee ist auch Folge davon, wie die neue Vorsitzende der Kritikerjury, Dr. Gina Weinkauff, auf die Fragen von Moderator Marc Langebeck nach den Gründen für die ausgewählten Preisträger antwortete. Weinkauffs Auftreten war sympathisch unprätentiös und uneitel, inhaltlich prägnant und kenntnisreich.

Und hier noch ein paar Fotos von der Preisverleihung:

(Ulf Cronenberg, 12.10.2011)

P. S.: Wer Genaueres über die Nominierungen und die Jurybegründungen zur Auswahl der Preisträger erfahren will, kann sich hier auf der Webseite des Arbeitskreises für Jugendliteratur umsehen.

Kommentare (0)

  1. Alexandra Ernst

    Hallo Herr Cronenberg,
    ergänzend anzumerken hätte ich noch, dass ich mich Jahr für Jahr frage, warum nach der Nennung der Nominierten einer Kategorie niemand applaudiert. Vermutlich, weil der Moderator schon die Hand nach dem Umschlag ausstreckt und deshalb überhaupt keine Atempause bleibt. So entgeht den Nominierten der hochverdiente Applaus, der damit lediglich den Preisträgern vorbehalten ist.
    Die Jugendjury würdigt die nominierten Bücher immerhin mit einem kleinen Schauspiel – für mich jedes Jahr das Highlight der Preisverleihung.
    Schöne Grüße! – AE

    Antworten
  2. Pingback: Jugendbuchtipps.de» Blogarchiv » Buchbesprechung: Tamta Melaschwili „Abzählen“

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