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Buchbesprechung: Allen Zadoff „Boy Nobody“

zadoff_nobodyLesealter 14+(Bloomoon-Verlag 2013, 333 Seiten)

Bloomoon ist ein relativ neues Jugendbuch-Label des arsEdition-Verlags, der den früheren Bloomsbury-Verlag, wenn ich richtig informiert bin, übernommen hat. So erscheinen z. B. die bisherigen Bücher von Daniel Höra (früher Bloomsbury) nun bei Bloomoon.

Allen Zadoff ist ein bisher unbekannter Autor, der mit „Boy Nobody“ einen Thriller für Jugendliche geschrieben hat. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch über das Cover, das vielversprechend aussah. Ob das Buch dieses Versprechen einhalten kann, erfahrt ihr gleich.

Inhalt:

Der 16-jährige Zach arbeitet für das „Programm“, eine Geheimgesellschaft, über die er selbst nicht allzu viel weiß. Erklärtes Ziel des „Programms“ ist es, die USA zu schützen, und als Undercoveragent bekommt er immer wieder Aufträge – meist geht es darum, eine Person zu töten, ohne Spuren zu hinterlassen. In das „Programm“ ist er gekommen, nachdem seine Eltern – sein Vater war Universitätsprofessor – getötet wurden. Um seine Aufträge erfüllen zu können, hat Zach ein umfangreiches Trainingsprogramm absolvieren müssen, wo er unter anderem gelernt hat, seine Gefühle zu kontrollieren und keine kritischen Fragen zu stellen.

Verantwortlich für Zach sind „Mutter“ und „Vater“, wie die leitenden Kontaktpersonen von ihm heißen, und von ihnen bekommt er einen neuen Auftrag in New York. Er soll den Bürgermeister der Stadt eliminieren. Hierzu wird Zach in die Schule der Bürgermeister-Tochter eingeschleust; über Samara, wie das Mädchen heißt, soll er sich Zugang zum Bürgermeister verschaffen.

Doch das ist nicht so einfach. Sam ist ein hübsches und beliebtes Mädchen, das jedoch einen ausgeprägt starken Willen hat, außerdem unnahbar und unzugänglich ist. Dennoch lernt Zach Sam gleich am ersten Schultag kennen und wird am nächsten Tag bereits zu einer Party des Mädchens eingeladen. Das ist Zachs Chance, den Bürgermeister zu treffen – doch da er sich zu Sam hingezogen fühlt, beginnt er erstmals in seiner „Karriere“ als Auftragskiller, an seinem Auftrag zu zweifeln.

Bewertung:

„Boy Nobody“ (Übersetzung: Petra Post und Andrea von Struve) ist – das muss man gleich vorweg sagen – reine Unterhaltungsliteratur. Das Buch versucht das auch gar nicht zu kaschieren, sondern ist von der ersten Seite an auf Spannung angelegt. Es entblättert sich sofort ein ungewöhnliches Szenario. Zach begeht auf den ersten Seiten skrupellos mit einem speziellen Kugelschreiber einen Mord an einem Mann, um die Verwischung der Spuren kümmert sich das „Programm“.

Ein bisschen irritiert ist man nach den ersten Seiten schon: Da wird von einem 16-Jährigen erzählt, der ohne Hemmungen einen Mann tötet und danach nicht einmal Gewissensbisse hat. Ein etwas weit hergeholtes Szenario – um eine solche Einschätzung kommt man nicht herum. Für den Leser, der sich darauf einlässt, ist Zach dennoch eine interessante Figur: ein jugendlicher James Bond mit einer Geheimwaffe, mit einer dubiosen Vergangenheit und mit einem noch dubioserem Leben.

Mit Sam bekommt die Story eine etwas andere Wendung, denn durch die Zuneigung, die Zach für das Mädchen empfindet, kommen ihm erstmals Zweifel an seiner Tätigkeit. Eine erste Chance, den Bürgermeister zu töten, lässt Zach verstreichen, und so recht weiß er selbst nicht, warum er die Gelegenheit nicht beim Schopf gepackt hat.

Zach ist und bleibt eine seltsame Figur, die man als Leser manchmal mag, dann aber auch wieder ablehnt und unmöglich findet. Und mit Sam, die sich Stück für Stück als vielschichtiger entpuppt, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint, geht es dem Leser nicht anders. Irgendwie möchte man natürlich, dass Zach und Sam zusammenkommen, dass Zach seinen Mordauftrag nicht ausführt und durch die Begegnung mit Sam und ihrem Vater geläutert wird. Doch so voraussehbar ist die Geschichte dann gottseidank doch nicht … Im Gegenteil: Am Ende läuft alles eher aus dem Ruder und wird einen Tick zu verrückt.

„Boy Nobody“ ist eine packende Geschichte, die ich in zwei Tagen durchgelesen hatte – der Thriller funktioniert. Und dennoch kann das Buch an vielen Stellen seine etwas triviale Machart nicht verbergen. Am deutlichsten wird es, wenn Zach sich Sam zu nähern versucht und die vermeintlichen Anmacher-Sprüche auspackt. Eine ordentliche Tiefe in der Figurenzeichnung ist da jedenfalls nicht auszumachen.

Fazit:

3 von 5 Punkten. Für „Boy Nobody“ spricht, dass man das Buch nicht aus der Hand legen will, hat man sich auf die Geschichte erst einmal eingelasssen. Der Jugendroman hat seinen Reiz und sorgt für Unterhaltung – und das liegt vor allem an dem ungewöhnlichen Szenario mit dem 16-jährigen Zach als Auftragskiller. Doch letztendlich bleibt vieles zu oberflächlich, so dass man Allen Zadoffs Jugendroman nicht gerade als Meilenstein der Jugendliteratur ansehen kann. Die Figuren bleiben bei genauerem Hinschauen holzschnittartig, die Dialoge sind immer wieder etwas platt – nicht gerade das, was man von einem wirklich empfehlswerten Buch erwartet.

Mich hat „Boy Nobody“ immer wieder an Kinofilme erinnert: mit Zachs ungewöhnlicher Tatwaffe an „James Bond“, was das Auftragskiller-Szenario angeht, an Streifen wie „Collateral“ (der allerdings in einer anderen Liga spielt) – und genau deswegen bin ich überzeugt, dass man mit Allen Zadoffs Jugendroman den ein oder anderen Lesemuffel zum Lesen bringen kann. Für etwas anspruchsvollere Leser ist „Boy Nobody“ aber nicht mehr als eine kurzweilige Kost für Zwischendurch. Das Thriller-Genre hat durchaus qualitätsvolleres zu bieten – auch im Jugendbuch …

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(Ulf Cronenberg, 08.09.2013)

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Kommentare (0)

  1. funne

    Eine wundervolle Rezension, das muss ich sagen. Habe das Buch gerade ausgelesen und du sprichst mir wirklich aus der Seele. Hätte es nicht besser ausdrücken können!
    LG, funne

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  2. Levy

    Also, ich lese sehr gerne und ich finde, dass dies nun ein bisschen übertrieben viel Kritik ist. Ich habe das Buch auch gelesen und hoffe auf eine Fortsetzung. Weil es ja stimmt, dass viele Fragen noch nicht geklärt worden sind. Aber vielleicht will der Autor genau so ein offenes Ende, damit man einen guten Anfang für einen 2.Teil hat!

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