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Kurzrezension: Eoin Colfer „Artemis Fowl – Das magische Tor“

colfer_artemis_8Lesealter 10+(List-Verlag 2013, 331 Seiten)

Über viele Jahre hinweg haben mich die Artemis-Fowl-Bücher begleitet, und zwar von Anfang an. Band 1 ist 2001 erschienen, und ich habe ihn damals auch gelesen. 12 Jahre später schickt Eoin Colfer seinen hochbegabten, hybrisch veranlagten Helden mit Band 8 in den Ruhestand. Das ist irgendwie schade – aber irgendwann sollten Reihen eben auch ihr Ende finden, will man nicht zu den „Drei ???“ werden.

Natürlich sind auch diesmal wieder alle Figuren, die man in den letzten Bänden lieb gewonnen hat, mit von der Partie: Der Zentaur Foaly, die Elfe Holly, Zwerg Mulch, Leibwächter Butler und Artemis Fowl selbst haben sich Großes vorgenommen, nämlich die Welt einmal mehr zu retten. Und die Gegnerin, die zum finalen Schlag ausholen will, heißt erneut Opal Koboi. Eigentlich lebt sie in Gefangenschaft, doch mit einem perfiden Trick kann sich die Wichtelin befreien und plant die Übernahme der Weltherrschaft sowie die Vernichtung der gesamten Menschheit.

Opal Koboi will hierfür das magische Tor, von den Elfen vor langer Zeit für den Notfall eingerichtet, öffnen. Würde ihr das gelingen, würden alle Menschen vernichtet, und Opal Koboi will sich dann zur Herrscherin über das Erdenvolk aufschwingen. Schritt 1 sieht vor, dass sie die alten Berseker aufweckt – und das gelingt ihr auch. Im zweiten Schritt muss sie dann den Schlüssel zum magischen Tor öffnen, und es sieht so aus, als stünde sie kurz davor, obwohl Artemis & Co. das natürlich zu verhindern versuchen.

Garniert ist auch Band 8 mit den bewährten Zutaten: Eoin Colfers irischer Humor ist allerorten zu spüren, da werden immer wieder bestimmte Erfindungen und Errungenschaften der Menschen aufs Korn genommen. Spannung muss natürlich ebenso sein, und schließlich dürfen Artemis Fowls geniale Pläne nicht fehlen.

Was den Plot angeht, ist „Das magische Tor“ (Übersetzung wie immer: Claudia Feldmann) nach den letzten Bänden, die da durchaus Schwächen hatten, wieder eines der besseren Bücher. Am Anfang ist manches etwas verwirrend: Wer durchschaut wirklich, wie es Opal Koboi gelingt, sich zu befreien? Dahinter steht eine mehr als wüste und unglaubwürdige Theorie. Aber auch das gehört zu den Artemis-Fowl-Büchern: seltsame Scheinerklärungen, die einem plausibel machen sollen, was einfach nicht plausibel sein kann.

So weit so gut. Doch zugleich gibt es auch ein paar Schwächen in dem Buch, wenn man sich ein wenig genauer damit beschäftigt: Butler bleibt diesmal eine Randfigur – schade –, Butlers Schwester und Artemis‘ Brüder (in deren Körper die Berseker eingezogen sind), werden am Ende zum Großteil links liegen gelassen, anstatt dass auch ihr Schicksal ein wenig ausgeleuchtet wird.

Doch seien wir ehrlich: Die Artemis-Fowl-Bücher liest man nicht, um den Plot nach Schwächen abzusuchen, sondern um ein wenig unterhalten zu werden – und das tut Band 8 ebenso wie alle Bände davor.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Ich hätte mir zum Ende natürlich noch ein 5-Punkte-Buch als krönenden Abschluss der Oktalogie gewünscht. Aber der Ungereimtheiten waren es mir dann doch ein paar zu viele … „Das magische Tor“ ist ein spannendes Buch, ein typischer Artemis Fowl, bei dem man bekommt, was man erwartet. Aber eben auch nicht mehr.

Und warum endet die Reihe nun? Stirbt Artemis Fowl am Ende? Wird er geläutert und zieht sich aus allen Geschäften zurück? Wird das Erdvolk ausgelöscht? Um das zu erfahren, müsst ihr Band 8 schon selbst lesen … Hier sei das nicht verraten.

Das Verdienst der Artemis-Fowl-Bände ist es jedenfalls – das muss man zum Abschluss einfach noch mal sagen –, dass man die Bücher wirklich auch 10-jährigen Lesemuffeln aus der Jungen-Riege zu lesen geben kann, ohne dass sie gelangweilt werden. Was Eoin Colfer jetzt wohl macht? Jedenfalls schreibt er inzwischen auch Erwachsenen-Romane. Ob es weitere Kinder- und Jugendbücher geben wird, werden wir sehen …

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(Ulf Cronenberg, 09.05.2013)

P. S.: Die Buchbesprechungen zu vier weiteren Artemis-Fowl-Büchern findet ihr hier.

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