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Kurzrezension: Linn T. Sunne „Das Leben spielt sich anderswo ab“

sunne_lebenLesealter 13+(Gerstenberg-Verlag 2013, 110 Seiten)

Nachdem ich vor einer Woche einen sehr langen Jugendorman begonnen hatte, den ich jedoch nach knapp 100 Seiten wieder zur Seite gelegt habe, habe ich mich gefreut, mal wieder ein schmales Bändchen in den Händen zu halten. Linn T. Sunne ist Norwegerin, hat schon viele Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, „Das Leben spielt sich anderswo ab“ ist jedoch das erste Buch, das ins Deutsche übertragen wurde.

Ella geht das vorletzte Jahr in ihre Schule und leidet darunter, dass ihr Leben in einem kleinen Städtchen eher eintönig und langweilig ist. Einzig Simon, in den sie verliebt ist, scheint ein Lichtblick zu sein – bisher war sie jedoch zu schüchtern, um ihm wirklich näherzukommen. Doch es sieht so aus, als würden die beiden sich gut verstehen, bis es zu einer Party kommt, auf der Simon mit einer anderen tanzt und Ella zu viel trinkt.

Die nächsten Wochen sieht man, dass Ella mit Steinar in dessen aufgemöbelten BMW durch die Gegend kurvt. Steinar wird von den Jugendlichen des Ortes nur „Psycho“ genannt, es gibt Gerüchte (ohne dass jemand Genaueres weiß), dass er früher einmal ausgerastet ist. Dass Ella mit jemandem wie Steinar ihre Zeit verbringt, versteht niemand. Er ist nicht nur zu alt für sie, sondern außerdem ein komischer Kauz und nicht unbedingt attraktiv. Was genau passiert ist, weiß niemand – außer Ella …

Linn T. Sunnes Buch (Übersetzung: Nina Hoyer) ist ein konsequent aus der Ich-Perspektive Ellas erzähltes Bändchen, das recht unaufgeregt daherkommt. Der norwegischen Autorin gelingt es sehr authentisch, die Sicht eines Mädchens einzufangen, das in eine Notlage gerät und keinen Ausweg kennt. Weil Steinar etwas gegen sie in der Hand hat (mehr sei aber nicht verraten), lässt Ella sich darauf ein, mit ihm im Auto durch die Gegend zu fahren, anstatt mit ihren Freundinnen durch die Gegend zu ziehen und sich Simon zu nähern.

Letztendlich ist „Das Leben spielt sich anderswo ab“ also eine Mobbing-Geschichte, die erzählt, wie ein Mädchen zwangsweise bei etwas mitspielen muss. Man bekommt keinen großen Roman präsentiert, sondern eben ein schmales Bändchen, das in seiner Spröde den typischen Charme skandinavischer Jugendliteratur hat. Vielleicht unterschätzt man wegen dieser Eindimensionalität dieses Buch ein wenig – aber Linn T. Sunne macht hier eigentlich alles richtig. Man fühlt sich als Leser Ella durchaus nahe und muss anerkennen, dass Linn T. Sunne nah an ihrer Hauptfigur ist.

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Das Leben spielt sich anderswo ab“ ist ganz klar ein Buch, das eher Mädchen zusagen dürfte. Eine spannende und ausgeklügelte Handlung, wie sie die meisten Jungen bevorzugen dürften, bietet das Buch nicht, aber es erzählt gekonnt davon, wie ein Mädchen Opfer von Mobbing wird. Und daraus ensteht doch so etwas wie eine subtile Spannung, die aber immer dezent gezeichnet bleibt.

Konsequent bleibt Linn T. Sunnes Roman in der Ich-Perspektive, und was das Verhalten der anderen Personen in dem Buch angeht, steht man auch als Leser brav hinter der Figur Ellas. Es werden keine großen Psychogramme der anderen Figuren gezeichnet – es bleibt die Aufgabe des Lesers, aufgrund von Anspielungen Figuren wie Steinar zu deuten. Aber warum auch nicht? Wie heißt es in den Webinformationen von Gerstenberg zu dem Buch: „Mit wenigen Worten entfaltet Linn T. Sunne eine stille Geschichte von ungeheurer Wucht.“ Das ist vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt, trifft es aber ansonsten ganz gut.

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(Ulf Cronenberg, 18.04.2013)

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