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Buchbesprechung: Ursula Dubosarsky „Nicht jetzt, niemals“

Cover Ursula DubosarskyLesealter 14+(Ueberreuter-Verlag 2012, 140 Seiten)

Letzten Monat, Juli 2012, hat das Buch der Australierin Ursula Dubosarsky den Luchs von Radio Bremen und der Wochenzeitung „Die Zeit“ bekommen. Das Buch war vorher völlig an mir vorbeigegangen, doch angesichts des Kinder- und Jugendbuchpreises wollte ich mir ein Bild davon machen. Laut Verlag gehört die Autorin zu den renommiertesten Kinder- und Jugendbuchschriftstellern Australiens – im deutschsprachigen Raum ist sie jedoch bisher gänzlich unbekannt.

Inhalt:

Eine Mädchenschule in Australien. Elf junge Mädchen gehen in eine Klasse und werden von einer oft etwas eigentümlich auftretenden Lehrerin unterrichtet: Miss Renshaw. Doch die Mädchen verehren ihre Lehrerin, auch wenn diese oft unkonventionellen Unterricht hält und nicht mit allen ihren Schülerinnen gleich verständnisvoll umgeht.

Seit Kurzem geht Miss Renshaw mit den Schülerinnen immer wieder in einen nahegelegenen Park. Dort besuchen sie einen Gärtner namens Morgan, der zugleich auch Dichter ist. Miss Renshaw ist von Morgan sichtlich begeistert. Doch auch die Mädchen hängen an seinen Lippen, wenn er Geschichten zum Besten gibt. Zu Hause sollen sie von den Ausflügen zu Morgan jedoch nichts erzählen.

Eines Tages möchte Morgan der Klasse etwas ganz Besonderes präsentieren. Gemeinsam laufen sie zu den Klippen der Meeresküste und steigen dort hinab, um in eine Höhle zu gehen. In der Höhle zeigt Morgan ihnen alte Zeichnungen der Aborigines. Doch die Mädchen bekommen Angst in der Höhle und gehen alleine wieder heraus, während Morgan und Miss Renshaw zurückbleiben.

Nach einiger Zeit werden die Schülerinnen unruhig, denn weder Morgan noch Miss Renshaw kommen aus der Höhle zurück. Die Panik wird umso größer, je länger das Warten dauert, und die Mädchen wissen nicht, was sie tun sollen. Nach längerem Warten beschließen sie, in die Schule zurückzukehren, weil sie vermuten, dass Miss Renshaw über einen anderen Höhlenausgang bereits dorthin zurückgelangt sein könnte. Doch in der Schule finden sie ihre Lehrerin ebenfalls nicht vor; und auch die nächsten Tage bleibt Miss Renshaw verschwunden …

Bewertung:

Um ehrlich zu sein, fand ich Ursula Dubosarskys „Nicht jetzt, niemals“ (Übersetzung: Silvia Schröer) ein seltsames Buch – und das galt vor allem für die ersten gut 50 Seiten. Klar, das Milieu und die damalige Zeit – das Buch spielt bis auf das letzte Kapitel im Jahr 1967 – sind gut eingefangen. Ursula Dubosarsky beschreibt im Nachwort, dass sie viel ihrer eigenen Schulzeit entlehnt hat. Doch einen allzu großen Leseanreiz hat der Roman anfangs nicht auf mich ausgeübt. Die Geschichte wird recht still und leise erzählt, es passiert bezüglich der Handlung eher wenig. Der einzige Leseanreiz war, dass die Autorin sprachlich anspruchsvoll und sehr literarisch schreibt.

Das ändert sich letztendlich erst, als Morgan und Miss Renshaw (und da sind wir dann schon fast auf Seite 80) in der Höhle zurückbleiben und nicht mehr auftauchen. Ab diesem Moment wollte ich dann eben doch wissen, wie die Geschichte ausgeht: Kehrt Miss Renshaw zurück oder ist sie Opfer eines Unglücks, gar eines Verbrechens geworden?

Ursula Dubosarsky gelingt es hier recht gut, psychologisch die Stimmung und Ängste unter den Mädchen darzustellen. Die Schülerinnen, denen von ihrer Lehrerin eingeschärft wurde, dass sie nichts über die Besuche bei Morgan erzählen sollten, befolgen auch über deren Verschwinden hinaus das Gebot. Lange Zeit halten sie dicht und geben Schulleitung und Polizei nichts über den Besuch in der Höhle preis.

Ja, und wie geht die Geschichte aus? Das soll hier natürlich nicht verraten werden … Aber auch das Ende ist eher seltsam. Es hat mich einerseits etwas unbefriedigt zurückgelassen, hatte andererseits in seiner Ungewöhnlichkeit aber auch seinen Reiz. Bevor man das Ende erreicht, werden jedoch noch ein paar Nebenstränge abgeschritten – insbesondere über Icara, die Freundin von Cubby, aus deren Sicht das Buch größtenteils personal erzählt wird, und über Icaras tragische Familiengeschichte erfährt man einiges. Auch hier wartet Geheimnisvolles, viel Unausgesprochenes auf den Leser.

Fazit:

3 von 5 Punkten. „Nicht jetzt, niemals“ war nicht mein Buch. Mir passiert auf der Handlungsebene zu wenig – das Buch ist recht bedächtig erzählt. Leise Literatur, könnte man das nennen. Die zweifelsohne literarische Sprachgewandtheit von Ursula Dubosarskys Roman allein hat nicht ausgereicht, um mich wirklich in den Bann zu schlagen.

Das Problem an dem Buch ist meiner Meinung nach außerdem, dass die Zielgruppe eher erwachsene Leser als Jugendliche sein dürften. Die Mädchen der Klasse dürften 10 bis 11 Jahre alt sein. Lesern des gleichen Alters kann man „Nicht jetzt, niemals“ sicher nicht in die Hand geben – dafür ist das Buch zu anspruchsvoll. Nur wenige ältere Jugendliche dürften sich für diese Art der Geschichte jedoch interessieren. Alles in allem ist Ursula Dubosarskys Buch eben eher ein Kinderheitsbuch für Erwachsene als ein Kinder- und Jugendbuch – und selbst als Erwachsener muss man diese sanfte Erzählweise mögen …

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(Ulf Cronenberg, 19.08.2012)

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