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Buchbesprechung: John Green & David Levithan „Will & Will“

Cover John Green & David LevithanLesealter 14+(cbt 2012, 376 Seiten)

John Green, den man spätestens seit „Eine wie Alaska“ kennen sollte, ist für mich einer der begnadetsten Jugendbuchautoren. Und auch David Levithan, der zusammen mit Rachel Cohn schon bemerkenswert gute Bücher geschrieben hat (z. B. „Naomi & Ely“), hat sich bereits einen Namen gemacht. Nun haben sich die beiden Amerikaner zusammengetan und ein gemeinsames Buch veröffentlicht: In „Will & Will“ geht es um zwei Jungen, die den gleichen Namen haben, und jeder von ihnen hat seinen eigenen Packen an Problemen …

Inhalt:

Will Grayson hat nicht allzu viele Freunde – einer davon ist Tiny, ein großer und stattlicher Junge, der schwul ist und das auch allen mitteilt. Tiny ist fast jeden Tag in einen anderen Jungen verliebt und jedes Mal euphorisch, bevor das Leid der Welt ihn wieder umgibt. In der Schule plant Tiny etwas ganz Großes: Er möchte ein Musical aufführen, in dem er sein Leben erzählt. Doch Will zweifelt, ob es je dazu kommen wird.

Während Tiny mehr als extrovertiert ist und alles zur Schau trägt, was ihm im Kopf herumspukt, zählt Will zu den eher schüchternen Jungen. Das gilt gerade auch Mädchen gegenüber. Doch Tiny hat für ihn schon eine Freundin ausgesucht: Jane, ein Mädchen, das viel mit beiden herumhängt. Will hat jedoch Angst vor einer Beziehung, und ihm ist selbst außerdem nicht ganz klar, ob er überhaupt in Jane verliebt ist.

Zur gleichen Zeit geht es einem anderen Jungen mit dem gleichen Namen wie Will nicht gerade gut. Der Vater des anderen Will hat schon vor längerer Zeit die Familie verlassen, und sowohl Will als auch seine Mutter kämpfen mit Depressionen. Der einzige Lichtblick in Wills Leben ist seine Chat-Beziehung mit Isaac. Nur ihm teilt Will mit, wie es ihm geht, welche Sehnsüchte er hat … Ansonsten lebt er völlig zurückgezogen.

Dann vereinbaren Isaac und Will, dass es Zeit wird, sich endlich einmal zu treffen. Sie verabreden sich in einem Café in Chicago – doch als Will zum Treffpunkt kommt, stellt sich heraus, dass das vermeintliche Café ein Pornoladen ist. Ihm kommen erste Zweifel, ob Isaac vielleicht nicht der ist, für den er ihn gehalten hat. Und dann taucht Isaac schließlich gar nicht auf. Stattdessen lernt Will in dem Pornoladen den anderen Will kennen …

Bewertung:

„Will & Will“ (Übersetzung: Bernadette Ott) ist konsequent zweiperspektivisch erzählt – in jedem Kapitel wechselt der Erzähler. Das ist natürlich die einfachste Art, zu zweit ein Buch zu schreiben, und ich bin mir sicher, dass John Green die Geschichte von Will, Tiny und Jane verfasst hat, während David Levithan sich dem anderen Will gewidmet hat. Die beiden Erzählstränge, die kurz vor der Mitte des Buches zusammenlaufen, als die beiden Wills sich treffen, unterscheiden sich dadurch voneinander, dass beim zweiten Will alles kleingeschrieben ist. Das macht es einem von der äußeren Form her einfach, die beiden Perspektiven zu unterscheiden.

Dass beide Autoren schreiben können, war mir klar – das haben sie in ihren früheren Büchern bereits bewiesen. Und auch in „Will & Will“ gelingt es ihnen, eine packende Geschichte zu entwerfen. John Greens Teil über Will, Tiny und Jane knüpft an dem an, was wir von dem amerikanischen Autor kennen: Die Liebesgeschichte zwischen Will und Jane hat einige Ähnlichkeiten mit John Greens früheren Büchern. Will ist schüchtern, traut sich nicht, sich in Jane zu verlieben, und muss davon überzeugt werden. Jane dagegen ist vergleichsweise selbstbewusst. Das ist eine typische Konstellation, wie sie John Green schon mehrmals verwendet hat.

Eine interessante Figur ist zweifelsohne Tiny, der von himmelhochjauchzend bis zutodebetrübt alle Gefühlslagen kennt und auslebt. Tiny ist anstrengend, kann ruppig sein, hat aber alles in allem dennoch ein gutes Herz und kümmert sich um seine Freunde. Als Leser schließt man ihn trotz seiner Sperrigkeit jedenfalls schnell ins Herz.

Die besten Momente in „Will & Will“ – egal, welcher der beiden Autoren schreibt – sind für mich jedoch die Dialoge. Die Figuren des Buches hadern mit dem Leben und versuchen sich in den Gesprächen selbst zu finden und mit dem Leben zurechtzukommen. Die Dialoge haben Witz und Esprit, sie haben eine philosophischen Hintergrund und sind immer wieder überraschend. Das ist einfach gut gemacht.

Als Will und Will dann aufeinandertreffen, ist das außerdem ein besonderer Moment im Buch. Da begegnen sich zwei schüchterne Jungen, die es nicht gewohnt sind, über sich und ihr Leben zu reden, und freunden sich auf ihre Art an – ja, sie vertrauen sich einander an. Leider wird das Buch ab diesem Moment auch etwas vorhersehbarer. Allzu sehr gestört hat mich das jedoch nicht – bis auf das ziemlich rührige Ende, auf das alles hinausläuft. Nichts gegen ein Happy End – aber muss es ein so kitschiger Abgesang auf die Liebe sein?

Fazit:

4 von 5 Punkten. Bisher hatte noch jedes Buch von John Green, den ich – wie gesagt – für einen der begnadetsten Jugendbuchschriftsteller halte, einen Schwachpunkt (mal abgesehen von seiner Kurzgeschichte in „Tage wie diese“). Das gilt auch für „Will & Will“ – die Zusammenarbeit mit David Levithan hat da leider nichts daran geändert. In diesem Fall war es der Schluss des Buches, mit dem ich gehadert habe. Und vorher hatte ich mich schon gefreut, dass es diesmal anders wäre …

Dennoch ist „Will & Will“ ein lesenswertes Buch. Beide Autoren zeigen, dass sie Bücher mit Finten, mit skurrilen, aber dennoch lebensechten Charakteren schreiben können. Es sind die außergewöhnlichen Figuren, die überraschenden und intelligenten Dialoge sowie insgesamt die facettenreiche Geschichte, die einen als Leser immer wieder glücklich machen. Und das ist ja schon einiges …

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(Ulf Cronenberg, 03.05.2012)

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Kommentare (0)

  1. Dani

    Wenn für Sie John Greens Bücher bisher immer einen kleinen Haken hatten (so geht es mir übrigens auch, mit Ausnahme der Kurzgeschichte in „Tage wie diese“), dann dürfen Sie sich auf „The Fault in our Stars“ freuen. Es hat mich durchweg überzeugt. Die deutsche Ausgabe soll im Herbst wieder bei Hanser erscheinen.

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    1. Ulf Cronenberg

      Ich freue mich immer über Bücher von John Green, denn die Schwachstellen werden durch besondere Einfälle immer wettgemacht. Dass im Herbst ein neues Buch von John Green erscheint, habe ich schon mitbekommen – aber danke für den Hinweis, dass es diesmal durchgängig gut sein soll. Ich freu mich jedenfalls darauf und werde es kurz nach Erscheinen lesen.

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