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Kurzrezension: Caragh O'Brien „Die Stadt der verschwundenen Kinder“

Cover Caragh O'BrienLesealter 12+(Heyne fliegt-Verlag 2011, 464 Seiten)

Distopien sind zweifelsohne in. Erst die letzte Buchbesprechung vor ein paar Tagen (Daniel Höras „Das Ende der Welt“) hat ein düsteres Zukunftsszenario entworfen, und Caragh O‘Brien hat mit „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ etwas Ähnliches vorgelegt: Beiden Büchern liegt eine nicht näher benannte Umweltkatastrophe zugrunde, die das Leben der Menschen auf den Kopf gestellt hat. Caragh O‘Briens Buch ist dabei jedoch weniger düster als das von Daniel Höra – das schon einmal vorab.

Gaia wächst in einer heruntergekommenen Stadt, die vor den Mauern der Enklave liegt, auf. In der Enklave leben die bessergestellten Menschen, denen es an nichts fehlt. Vor den Toren der Enklave dagegen herrschen deutlich schlechtere Lebensbedingungen: Lebensmittel und Wasser sind rationiert, Vergnügungen gibt es kaum – das Leben ist beschwerlich.

Gaias Mutter ist Hebamme und hat als solche eine ganz besondere Aufgabe: Die ersten drei in einem Monat geborenen Kinder müssen bei der Enklave abgegeben werden, wo die Kinder dann, ohne ihre leiblichen Eltern kennen zu lernen, großgezogen werden. Den Grund hierfür kennt niemand – das Gesetz wird allerdings auch nicht in Frage gestellt.

Gaia, deren Gesicht bei einem Unfall in Kindesjahren entstellt wurde, will wie ihre Mutter ebenfalls Hebamme werden und geht ihr bereits oft zur Hand. Als ihre Mutter zu einer Geburt gerufen wird, diese jedoch nicht da ist, muss Gaia das erste Mal selbst ein Kind zur Welt bringen. Bei der Geburt geht alles gut, allerdings muss Gaia der Mutter das Kind wegnehmen und es der Enklave übergeben.

Groß ist der Schock jedoch, als nach Gaias Rückkehr nicht ihre Eltern, sondern ein Soldat der Enklave auf sie wartet. Sie erfährt, dass ihre Eltern verhaftet wurden, ohne dass ein genauer Grund genannt wird. Gaia vermutet, dass es etwas mit den Kindern zu tun haben, die ihre Mutter geboren hat. Dem Soldaten entzieht sie sich schließlich und beschließt, dass sie ihre Eltern aus dem Gefängnis retten muss – auch wenn das bedeutet, dass sie verbotenerweise in die Enklave gelangen muss.

So viel zum Inhalt des Buches … Manchmal tut es gut, nicht immer nur Problembücher zu lesen. Da kam mir „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ gerade recht. In den dicken Schmöker kann man so richtig abtauchen, und genau das habe ich auch getan. Caragh O‘Briens Buch ist nichts Aufsehenerregendes, eher gute Unterhaltung, die letztendlich eine in der Zukunft angesiedelte Abenteuergeschichte bietet.

Ein wenig hat mich das Buch vom Stil her an die Jugendromane von Sherryl Jordan, von der schon lange kein neues Buch mehr auf Deutsch veröffentlicht wurde, erinnert. Deren Geschichten sind – wie die von Caragh O‘Brien – breit und episch angelegt, haben interessante Hauptfiguren und handeln davon, dass sich ein junger Held bzw. eine junge Heldin bewähren und Hindernisse überwinden muss. Mit Gaia hat „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ eine sympathische Hauptfigur, und im Laufe des Buches kommen weitere interessante Personen hinzu.

Auf den letzten 100 Seiten gab es dann jedoch etwas, was mich an „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ gestört hat. Die Geschehnisse spitzen sich zu, und Gaia muss mit einem kleinen Baby (mehr wird nicht verraten!) aus der Enklave fliehen, um nicht selbst gefangen genommen zu werden. Diese Flucht ist jedoch übertrieben dargestellt: Mit einem Neugeborenen mal so eben durch dunkle Gänge hetzen, Verfolger abwimmeln, sich verkleiden … – das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Hier zeigt Caragh O‘Briens Roman leider etwas überkonstruiert.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Ich will man nicht überkritisch sein: „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist ein gefälliges Buch, das man am liebsten am Stück lesen will, das einen in seine Geschichte hineinzieht. Das Buch ist gut erzählt, ein richtiges Alleinstellungsmerkmal fehlt dem Buch allerdings schon. Ähnliche Bücher gibt es zuhauf.

Unbedingt gelesen haben muss man Caragh O‘Briens Buch, das übrigens fortgesetzt wird und kein richtiges Ende hat, aus diesem Grund nicht. Aber für Leseratten, die immer wieder nach neuem Stoff suchen, ist der Jugendroman genau das Richtige – auch wenn es ein wenig schade ist, dass das Buch am Ende etwas aus dem Ruder läuft und die bis dahin gut erzählte Geschichte durch einige Unglaubwürdigkeiten ein bisschen fadenscheinig wird.

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(Ulf Cronenberg, 20.11.2011)

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Kommentare (0)

  1. Leonie

    Ich suche genau nach so einem dicken Schmöker, von dem man gefesselt wird. Da ich bald in den Urlaub fahre und nicht weiß, was ich lesen soll, kommt mir das Buch genau richtig. Ich bin eine richtige Leseratte und freue mich, wenn ich das Buch lesen darf … 🙂

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