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Buchbesprechung: Blake Nelson „Rockstar Superstar“

Cover Blake NelsonLesealter 14+(Gulliver-Verlag 2010, 263 Seiten)

„Der neue Roman vom Autor von »Paranoid Park«.“ – so steht es auf der Rückseite von „Rockstar Superstar“. Bloß ist der neue eigentlich ein alter Roman … Während „Paranoid Park“ auf Englisch 2006 erschienen ist, wurde „Rockstar Superstar“ nämlich schon 2004 veröffentlicht.

Aber egal, ich war jedenfalls auf ein weiteres Buch von Blake Nelson („Paranoid Park“ konnte mit seiner Eindrücklichkeit und Spannung schließlich schon fast den Büchern von Kevin Brooks das Wasser reichen) sehr gespannt, zumal mich das Thema Rockmusik auch interessiert. Wer hat nicht selbst schon einmal davon geträumt, Rockstar zu werden? So ging es auch mir, als ich die letzten Jahre in der Schule war und fleißig E-Gitarre übte.

Inhalt:

Pete stammt aus einer Musikerfamilie: Sein Vater, ein erfahrener Gitarrist, hat selbst früher einmal kurz vor dem Sprung zu einer großen Karriere gestanden und hat zu Hause nach wie vor Tonnen von Musiker-Equipment stehen. Petes Mutter war außerdem eine begnadete Folk-Sängerin, deren beginnende Karriere jedoch durch ihren Krebstod beendet wurde. Selbst spielt Pete Bass – und zwar im nicht gerade hochkarätigen Jazz-Orchester der Schule sowie in einer Rockband.

Als Pete von einem Kumpel angesprochen wird, dass dieser und zwei Bekannte einen Bassisten für ihre Band „Tiny Masters of Today“ suchen, reagiert Pete zunächst einmal ablehnend. Seiner Meinung nach spucken die beiden Brüder Billy und Nick, um die es sich handelt, nur große Töne und haben von Musik keine Ahnung. Nur widerwillig geht er zu einer Probe der Band, um sich vorzustellen und sich ein Bild von der Musik zu machen.

Mit seiner Freundin Margaret, die er noch nicht so lange kennt, gerät Pete anschließend in Streit. Denn Margaret findet die Musik von „Tiny Masters of Today“ gut und versteht nicht, dass Pete dort nicht mitspielen will. Als Pete dann kurzfristig bei einem Gig der Band als Bassist einspringt, macht ihm die Sache doch auf einmal Spaß und er merkt, dass Nick und Billy ehrgeizig sind und groß herauskommen wollen. Und das passt sehr gut zu Petes Plänen …

So langsam werden „Tiny Masters of Today“ immer bekannter, zunächst in Portland und Umgebung, wo die Bandmitglieder leben, später jedoch auch darüber hinaus. Dann interessiert sich eine Plattenfirma aus Seattle für die Band …

Bewertung:

Im Gegensatz zu „Paranoid Park“ ist „Superstar Rockstar“ (Übersetzung: Friederike Levin) kein Thriller – nein, es handelt sich um eine aufrichtig und schnörkellos erzählte Geschichte über den Traum eines 17-Jährigen, Rockstar zu werden. Pete ist ein eher schüchterner Junge, der sehr gut Bass spielt, aber ansonsten eigentlich niemandem auffällt bzw. auffallen will. Starallüren sind ihm verhasst, auch wenn er gerne Rockmusiker werden möchte.

Neben dem Thema Rockmusik behandelt Blake Nelsons Buch noch ein zweites größeres Thema: Es geht um die Beziehung zwischen Pete und Margaret. Eine eher sachte Liebesgeschichte ist das, will Pete von Margaret anfangs doch gar nichts wissen. Seit sie in der Schülerzeitung ein selbst verfasstes Gedicht veröffentlicht hat, ist sie nicht gerade beliebt bei Mitschülern und wird als Freak angesehen. Zu Beginn ist es ihm peinlich, mit Margaret gesehen zu werden, doch als er sie näher kennen lernt, verliebt er sich zu seiner eigenen Überraschung in Margaret.

Müsste man „Rockstar Superstar“ mit einem Wort beschreiben, so fiele mir als Erstes das Adjektiv „unaufgeregt“ ein. Blake Nelsons Buch kennt keine besonderen Effekte, es ist grundsolide von vorne nach hinten ohne irgendwelche Perspektivenwechsel erzählt und passt somit zu Pete als Hauptfigur. Letztendlich ist das Buch damit genauso sympathisch wie Pete. Man liest sich gerne durch die Geschichte, hat aber nicht das Gefühl, dass man etwas wirklich Besonderes vor sich hat. Da hatte „Paranoid Park“ nicht nur mehr Spannung, sondern auch mehr Finessen. „Rockstar Superstar“ kommt auf leisen Sohlen daher.

Damit sei nicht gesagt, dass mir „Rockstar Superstar“ nicht gefallen hat – nein, das Buch hat sich gut lesen lassen, man erfährt einiges über den Weg eines Jungen, der als Rockmusiker groß rauskommen will und dabei merkt, dass das kein einfacher Weg ist. Wie Petes zunehmender Erfolg sich z. B. auf die Beziehung zu Margaret auswirkt, ist ein wichtiges Thema in dem Buch, ebenso wie die Frage, ob einem 17-Jährigen der Erfolg nicht zu Kopf steigt.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Es ist nicht zu übersehen, dass „Rockstar Superstar“ weniger geschliffen als Blake Nelsons bisher bekanntestes Buch „Paranoid Park“ ist. Hatte ich mich anfangs von dem oben zitierten Satz auf dem Buchrücken irreführen lassen, so habe ich nach 80 Seiten ins Impressum geschaut und meinen Eindruck, dass das ein früheres Werk des Autors ist, bestätigt gefunden.

„Rockstar Superstar“ ist ein ehrliches Buch, ein Buch, das von einem Traum vieler Jugendlicher handelt, dabei jedoch auch einige Nebenthemen (Beziehung, Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, Tod der Mutter etc.) mehr oder weniger intensiv streift. Die schon erwähnte „Unaufgeregtheit“ hat außerdem irgendwie ihren Reiz, weil das Buch lebensnah und authentisch wirkt.

Alles in allem empfiehlt sich Blake Nelsons Buch vor allem für Jungen (und Mädchen), die einem ähnlichen Traum wie Pete nachhängen. Für alle anderen ist der Jugendroman wohl eher ein Appetithappen für zwischendurch.

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(Ulf Cronenberg, 29.01.2011)

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