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Kurzrezension: Bernard Beckett „Stechzeit“

Cover Bernard BeckettLesealter 14+(Script5-Verlag 2010, 157 Seiten)

Vor einem Jahr habe ich das erste, auf Deutsch erschienene Buch des neuseeländischen Autors Bernard Beckett mit dem Titel „Das neue Buch Genesis“ besprochen: einen anspruchsvollen, philosophisch angehauchten Science-Fiction-Roman, der es in sich hatte. Genau ein Jahr später hat Script5 nachgelegt und ein zweites Buch des Autors herausgebracht, das ein ganz anderes Thema hat. „Stechzeit“ sieht mit seinem Biene-Blümchen-Cover fast wie ein Kinderbuch aus – aber das ist es ganz bestimmt nicht. Es geht vielmehr um die Irrungen und Wirrungen der erwachenden Liebe in der Pubertät.

Malcolm ist wissenschaftlich interessiert und hat beim letztjährigen regionalen Wissenschaftswettbewerb nur den zweiten Preis errungen, was für ihn eine herbe Enttäuschung war. Für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, Platz eins zu belegen, doch die Themensuche ist nicht so ganz einfach. Als er von einem Lehrer den Auftrag bekommt, mit dessen Videokamera vertretungsweise ein Rugbyspiel der Schulmannschaft aufzunehmen, kommt ihm die passende Idee: Auf der Videokamera des Lehrers entdeckt er Pornofilmchen, denen er sich nicht entziehen kann – vom Rugbyspiel bekommt er nicht allzu viel mit. Aber immerhin weiß Malcolm danach, dass er mit einem Film über das Thema Sex in den Wettbewerb gehen will.

Doch neutral als Wissenschaftler an das Thema heranzugehen, ist alles andere als einfach. Malcolm interviewt mehrere Mitschüler, begibt sich hierfür auf eine Party und verliebt sich selbst dabei in Charlotte. Entsetzt stellt er dann fest, dass er selbst keine Erfahrung mit dem Thema Sex hat, was er als ungünstigen Hintergrund für seine Arbeit ansieht. Und so beschließt er, selbst initiativ zu werden und mit einem Mädchen Sex zu haben. Doch Charlotte, so scheint es ihm, interessiert sich nicht für ihn.

Überhaupt ist alles kompliziert, denn alle Schulfreunde scheinen in jemanden verliebt zu sein, der oder die seine bzw. ihre Liebe nicht erwidert: Kevin ist in Brian verschossen, dieser allerdings in Juliet. Juliet wiederum hält Brian für einen Angeber, Charlotte ist an Malcolm interessiert, was dieser aber nicht wahrhaben will …

Bernard Becketts neuer Jugendroman erinnert an ein anderes Buch: Melvin Burgess‘ „Doing it“. Von der Grundanlage entsprechen sich die beiden Bücher in vielem, entscheiden sich jedoch in der weiteren Umsetzung. Burgess‘ Roman ist wesentlich vielschichtiger und schwerer, auch gewagter, würde ich sagen. Bernard Beckett erzählt dagegen letztendlich vor allem eine humorvolle Geschichte.

Was man dem Autor in jedem Fall zugutehalten muss, ist, dass er sehr spielerisch mit dem Thema umgeht. Man kann mit den Figuren lachen, und am Ende lösen sich die Wirrungen größtenteils auf. Dass Beckett einen Sinn für Pointen hat, dass er es schafft, einem solchen Thema Humor mitzugeben, ist die Stärke des Buchs. Das schwere Thema der erwachenden Sexualität wird stets mit einem Augenzwinkern behandelt.

Melvin Burgess‘ „Doing it“ ist jedoch das Buch, das psychologisch tiefer und getreuer über Beziehungsdinge in Jugendjahren erzählt, weil darin ausführlicher auch vom Scheitern des Verliebtseins die Rede ist. „Stechzeit“ (Übersetzung: Christine Gallus) ist ein gefälliges und witziges Buch, man amüsiert sich beim Lesen, unterm Strich ist es mir jedoch – gerade am Ende – ein wenig zu harmlos. Was hätte aus dem Buch werden können, wenn es die gleiche philosophische Tiefe wie „Das neue Buch Genesis“ aufweisen würde …

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Stechzeit“ ist ein sympathisches Buch, das leicht mit einem schweren Thema umgeht, dabei aber vielleicht ein bisschen zu sehr auf Publikumsgeschmack getrimmt wurde. Nichtsdestotrotz: Das Buch liest sich schnell, man liest es gerne, aber man vergisst es im Vergleich zu Melvin Burgess‘ Roman leider auch wieder gleich nach dem Aus-der-Hand-legen.

Gelungen finde ich die Aufmachung des Buches. Das Biene-Blümchen-Motiv ist nicht nur auf dem Titelblatt, sondern auch auf jeder Seite zu finden. Blättert man schnell durch das Buch, ergibt das ein kleines Daumenkino. Das Motiv hat etwas Unschuldiges und ironisch Verspieltes und passt von daher hervorragend zu „Stechzeit“.

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(Ulf Cronenberg, 15.11.2010)

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