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Kurzrezension: Martín Blasco „Ist das Leben eine Abfolge einzelner Punkte?“

Cover Martin BlascoLesealter 14+(Carlsen-Verlag 2010, 94 Seiten)

Je kürzer das Buch, desto länger der Titel? Für Martín Blascos Jugendroman könnte das gelten. Denn vollständig heißt der Jugendroman: „Ist das Leben eine Abfolge einzelner Punkte? Oder gibt es eine geheimnisvolle gerade Linie, die meinen Vater mit der Musik, dem Kung-Fu, dem Zug der guten Laune, dem Regen, der sich ankündigt, und allen anderen Dingen im Universum verbindet?“ Neugierig macht dieser poetische Titel schon … – und das Cover ist zudem ansprechend gestaltet.

Martín Blasco ist übrigens Argentinier – für einen Jugendbuchautor, der ein Buch in Deutschland herausbringt, ist das wohl eher eine Seltenheit.

Damiáns Vater ist gestorben, und die Familie tut sich schwer, damit umzugehen. Das gilt auch für Damián, der sich viele Sorgen macht – unter anderem darüber, ob die Familie das finanziell durchstehen wird. Und so beschließt der Junge, der Musik bisher über alles geliebt hat und eine große CD-Sammlung hat, diese zu verkaufen. Das fällt ihm leichter als gedacht, weil seine intensive Beziehung zu Musik nach dem Tod des Vaters sowieso ins Wanken geraten ist. Er will damit nichts mehr zu tun haben.

Doch was macht er mit dem Geld für den Verkauf seiner CD-Sammlung, zu der auch einige Raritäten gehört haben? Damián beschließt, Lebensmittel zu kaufen, um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen, sollte der Familie das Geld ausgehen. Und so stapeln sich in seinem bisherigen CD-Schrank auf einmal Hunderte von Packungen Reis und Nudeln sowie sonstige Konserven.

Auch sonst ist die Familie außer Tritt. Damiáns junger Bruder fängt an, in und außerhalb der Schule aggressiv zu werden und andere zusammenzuschlagen. Bei seiner Mutter zeigen sich Anzeichen von Verfolgungswahn. Das ist alles etwas viel für den Jungen …

Der Tod des Vaters, und wie die Familie damit umgeht, ist das Hauptthema dieses schmalen Bändchens. Es geht darum, wie ein Jugendlicher die Situation zu bewältigen versucht, und was man Martín Blascos Buch zugutehalten muss, ist, dass es ein ehrliches, eher stilles Buch ist. Es zeigt, wie seltsam und unterschiedlich Menschen mit einer solchen Trauersituation umgehen. Damián selbst ist ein ganz durchschnittlicher Junge, der sein Leben umgekrempelt sieht und das Beste daraus zu machen versucht.

Die Schwäche des kurzen Romans ist es vielleicht, dass es fast etwas harmlos daherkommt. Eigentlich passiert nichts Besonderes – „Ist das Leben eine Abfolge einzelner Punkte?“ ist ein eher stiller Entwicklungsroman, der glaubwürdig seine Geschichte erzählt. Am Ende, das sei vorweggenommen, kommt alles wieder einigermaßen ins Lot, Damián hat eine Entwicklung durchgemacht. Das ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Fazit:

3-einhalb von 5 Punkten. Martín Blascos Roman ist ein Mutmach-Buch für Jugendliche in ähnlicher Situation – aber sehr viel mehr nicht. Sprachlich solide – das gilt auch für die Übersetzung von Katharina Diestelmeier – lernt man einen argentinischen Autor kennen. Aber das Gefühl, dass man etwas verpassen würde, wenn man dieses Buch nicht gelesen hätte, stellt sich nicht so richtig ein.

„Ist das Leben eine Abfolge einzelner Punkte?” muss man zugutehalten, dass es ein ehrliches Buch mit einer sympathischen Hauptfigur ist. Mehr lässt sich darüber aber auch schon fast nicht sagen … Der interessante Buchtitel (der wohl dem Carlsen-Verlag zuzuschreiben ist, denn im Original heißt der Roman nur „En la línea recta“) verspricht ein wenig mehr, als er hält.

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(Ulf Cronenberg, 23.08.2010)

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