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Buchbesprechung: Elise Broach “Die Tote aus dem Nichts”

Cover BroachLesealter 14+(dtv 2010, 301 Seiten)

Thriller und Krimis sind „in“ – das gilt auch für den Bereich der Jugendbücher. Wenn man die Prospekte der Jugendbuchverlage durchsieht (gerade sind die für den Herbst wieder eingetrudelt), dann bemerkt man, dass viele Verlage eigene Thriller/Krimi-Reihen im Programm haben. Das gilt auch für den Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv), der sowohl eine Thriller- als auch eine Crime-Reihe führt.

Beide Genres bieten oft, leider aber nicht immer kurzweilige Unterhaltung und Spannung – die guten Bücher darunter jedoch noch mehr als das. Wo hier „Die Tote aus dem Nichts“ von der Amerikanerin Elise Broach einzuordnen ist, wisst ihr, wenn ihr die Buchbesprechung gelesen habt.

Inhalt:

Jamie und seine jüngere Schwester Luce sind auf dem Weg zu ihrem Vater, der nach der Trennung ihrer Eltern in Phoenix, Arizona, wohnt. Zu Luce‘ Leidwesen ist Jamies Freund Kit mit von der Partie – das Mädchen ist schon kurz nach der Abfahrt ziemlich genervt, weil die beiden ständig nur über Mädchen reden, außerdem an jeder Raststätte die weiblichen Bedienungen anmachen.

Auf der langen Autofahrt kommen die Drei auch durch New Mexico und geraten hier in einen Wolkenbruch, so dass Jamie auf der Straße kaum noch etwas erkennen kann. Plötzlich tut es einen Schlag – ihnen muss irgendetwas vor das Auto gelaufen sein. Jamie behauptet, dass es ein Kojote war – aber Luce ist sich da nicht sicher. Sie besteht darauf, dass sie wenden und nachsehen, was passiert ist. Jamie und Kit sind dagegen, fügen sich schließlich jedoch Luce‘ Wunsch.

Sichtlich geschockt sind die Drei, als sie bemerken, dass auf der Straße ein totes Mädchen liegt. Woher kommt das Mädchen bei diesem Wetter? Und kann sich Jamie so getäuscht haben? Jamie, Kit und Luce versuchen bei einem Haus, das sie kurz vorher gesehen hatten, Hilfe zu holen. Beth, wie die alleinstehende Bewohnerin, die knapp 40 Jahre alt ist, heißt, ruft die Polizei. Der Sheriff nimmt, nachdem er eingetroffen ist, Jamie mit auf die Wache, weil der begründete Verdacht besteht, dass er als Fahrer des Wagens für den Tod des Mädchens verantwortlich ist. Kit und Luce können derweil bei Beth bleiben. Der Urlaub bei Jamies und Luce‘ Vater scheint vorerst jedenfalls geplatzt …

Bewertung:

Manchmal stößt man unerwartet auf Bücher, die deutlich besser sind, als man es erwartet hat. „Die Tote aus dem Nichts“ (Übersetzung: Katharina Orgaß und Gerald Jung) gehört zweifelsohne dazu. Es ist nicht nur die Kriminalhandlung, die mir gefallen hat, sondern auch das gekonnte „Außenherum“.

Dass der Krimi-Plot eher dürftig ist, kann man wirklich nicht sagen. Die Krimi-Handlung ist durchaus passend, spannend und durchdacht. Und dass Luce, das 15-jährige Mädchen, einfach nicht die Finger davon lassen kann, in dem Fall selbst zu recherchieren, weil die Polizei nicht vorwärts kommt, hat ebenfalls seinen Reiz. Luce ist eine sympathische junge Ermittlerin. Doch es sind vor allem Momente, die über die Kriminalgeschichte hinausgehen, die mich an dem Buch besonders fasziniert haben.

Zwischen Kit und Luce (das ist nicht alles … – aber ich will ja nicht alles vorwegnehmen) entwickelt sich – von beiden, aber auch vom Leser eher unerwartet – ein Verliebtsein. Es gehört zu den Höhepunkten des Buches, wie die teilweise zwiespältigen Gefühle von Luce dargestellt werden. Hier zeigt sich, dass Elise Broach es versteht, sich in ihre jugendlichen Protagonisten hineinzuversetzen. Dass Luce Kit anfangs nervig findet, später trotzdem seine Nähe sucht, dann aber auch wieder von bestimmten Verhaltensweisen Kits abgestoßen ist, wird nicht nur anschaulich, sondern auch psychologisch treffsicher dargestellt.

Der Kriminalgeschichte wird damit eine zweite Ebene an die Seite gestellt, die das Buch zusätzlich lesenswert macht. „Die Tote aus dem Nichts“ ist mehr als nur ein Krimi für Jugendliche, es ist zugleich auch ein Entwicklungsroman. Die anfangs schüchterne und noch etwas gehemmte Luce entwickelt sich durch die Geschehnisse im Buch zu einem gereiftem Mädchen, das Neues über sich erfährt.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Elise Broachs Jugendkrimi ist auf jeden Fall der beste Titel aus der dtv-Reihe „Crime“, den ich in diesem Jahr gelesen habe. Gute Kriminalromane beschränken sich eben nicht nur auf einen spannenden und plausiblen Plot, sondern haben auch noch andere Handlungsebenen – und genau das ist Elise Broach hervorragend geglückt: das Buch so zu erweitern, dass man es auf mehreren Ebenen lesen kann.

Mich hat – das ist bereits ausreichend begründet – „Die Tote aus dem Nichts“ jedenfalls mehr als überzeugt. Elise Broachs Buch ist lesenswert, kurzweilig und macht letztendlich alles richtig. Eine dicke Leseempfehlung hat das Buch somit ganz klar verdient!

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(Ulf Cronenberg, 16.06.2010)

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