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Kurzrezension: Beate Dölling & Didier Laget “Auf dem Dach”

Cover Dölling und LagetLesealter 13+(Sauerländer-Verlag 2010, 100 Seiten)

Ein Buch mit politischem Hintergrund ist „Auf dem Dach“ vom Autorenduo Beate Dölling und Didier Laget. Das Buch handelt u. a. davon, dass zwei Geschwister aus der Ukraine von einem Menschenhändlerring unter falschen Versprechungen nach Deutschland gebracht werden – ein heikles und brisantes Thema, das nach wie vor große Aktualität hat. (Vermarktet wird das Buch im Sauerländer-Verlag übrigens unter dem Label „Thriller“.)

Reggae-Musik und Oberbayern – das passt nun wirklich gar nicht zusammen. Kein Wunder also, dass der Reggae-Fan Alex davon träumt, das kleine Dorf, in dem er mit seinen Eltern lebt, zu verlassen und dem ländlichen Gebiet den Rücken zuzukehren. Eines Tages beschließt Alex ganz spontan abzuhauen, ohne seinen Eltern etwas davon zu erzählen. Doch an der Raststätte, wo er mitgenommen zu werden hofft, hat er kein Glück. Als er mitbekommt, dass ein Lastwagenfahrer nach Berlin fährt, schleicht er sich kurzerhand, ohne zu fragen, in den LKW-Hänger. Alex‘ Hund Riddim, den er immer um sich hat, ist mit von der Partie.

Doch schon kurz, nachdem der LKW losgefahren ist, verhält Riddim sich seltsam und knurrt. Und da merkt Alex, dass er nicht alleine in dem Lastwagen ist: Ein Mädchen und ein Junge, die beide nur gebrochen deutsch sprechen, halten sich hinter den Transportgütern versteckt. Nach anfänglichem Misstrauen der beiden ihm gegenüber, erfährt Alex, dass Danylo und Alyona durch einen Menschenhändlerring nach Deutschland vermittelt wurden. Als kurz vor Berlin die Polizei den Lastwagen durchsucht, hilft Alex den beiden, ohne groß nachzudenken, indem er sich den Polizisten stellt und somit die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Zum Glückt deckt ihn der Lastwagenfahrer und meint, dass er Alex erlaubt hätte, mitzufahren.

Kurz darauf bemerkt Alex, dass ihm das Geschwisterpaar seine wertvolle Leica-Kamera aus dem Rucksack gestohlen hat, und so sucht er in Berlin nach ihnen. Doch das hat Folgen: Alex wird in kriminelle Machenschaften hineingezogen, die ihn am Ende mehr als überfordern …

Ein dünnes Bändchen, das man schnell gelesen hat, ist „Auf dem Dach“ mit seinen 100 Seiten. Eher ein Thriller-Häppchen als ein langer Jugendroman. Auf den Menschenhandel will das Buch aufmerksam machen und fügt am Ende in einem Nachwort ein paar Informationen zu dem politischen Thema an. Geschickt wurde die politische Botschaft von dem Autorenteam in einem Jugendthriller verpackt – auch wenn das Prädikat Thriller vielleicht etwas hoch gegriffen ist.

Alex ist ein sympathischer Junge, der sein Herz auf dem richtigen Fleck hat und in eine Geschichte hineingezogen wird, die sein bisher eher ruhiges Leben auf den Kopf stellt. Danylo und Alyona sind, wie er in Berlin mitbekommt, hintergangen worden, und Alyona soll als Kinder-Prostituierte arbeiten. Für Alex, der vom ersten Moment an in das ukrainische Mädchen verliebt ist, heißt das, dass er etwas dagegen tun muss. Und das wird am Ende gefährlich für ihn.

„Auf dem Dach“ ist ein sympathisches Buch, dem es jedoch ein bisschen an Tiefgang fehlt. Das Buch ist sprachlich solide geschrieben, die Geschichte geschickt aufgebaut, der politische Hintergrund weiß zu gefallen – aber insgesamt kratzt der Jugendroman ein bisschen zu sehr an der Oberfläche. Alyona und Danylo bleiben eher blasse Randfiguren – als Leser hätte man gerne mehr über ihr Leben in der Ukraine erfahren. Das hätte auch der politischen Intention des Buches gut getan.

Kleinere inhaltliche Ungenauigkeiten sind außerdem zu finden. Dass man den nicht vollen Film einer analogen Kamera z. B. zurückspulen und dann bei Tageslicht der Kamera entnehmen kann, scheint weder den Autoren noch dem Lektorat bekannt zu sein …

Fazit:

3 von 5 Punkten. Aus der Geschichte hätte man mehr machen können. Sie ist gut angelegt, bleibt aber insgesamt zu fragmentarisch – und zwar auf mehreren Ebenen. Man hätte gerne mehr über Danylo und Alyona sowie die Ukraine gelesen – doch außer dem kurzen Gespräch zwischen Alex und den beiden im LKW erfährt man in dem Buch so gut wie gar nichts über deren Leben und die Gründe für die Flucht nach Deutschland. Der politische Hintergrund wird somit letztendlich nur gestreift. Da hilft auch das kurze Nachwort nicht wirklich.

Alles in allem ist „Auf dem Dach“ ein sympathischer Appetithappen, aber nicht mehr und nicht weniger. Schade – denn das Thema hätte mehr verdient …

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(Ulf Cronenberg, 13.06.2010)

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