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Buchbesprechung: Christian Waluszek “Allgames”

Cover WaluszekLesealter 13+(Thienemann-Verlag 2010, 467 Seiten)

Fast 15 Jahre ist es her, dass ich ein Buch von Christian Waluszek gelesen habe: „Das Geheimnis des Puppenspielers“. Den Jugendroman fand ich damals ziemlich gut – ob es mir heute noch immer so gehen würde, kann ich jedoch nicht beurteilen. Es wäre überhaupt mal interessant, Jugendbücher, die mir früher gefallen habe, noch einmal zu lesen und zu gucken, ob sie noch immer den gleichen Reiz hätten …

Christian Waluszeks neuestes Jugendbuch „Allgames“ hat viel mit Computern zu tun, ist außerdem ein Science-Fiction-Roman. Ein Buch, das man deswegen Jungen empfehlen kann?

Inhalt:

Adrian geht auf ein Internat – seine Eltern sind bei einer Sturmkatastrophe ums Leben gekommen, und seitdem kümmert sich eine Stiftung um den Waisen. Die Stiftung zahlt auch das Schulgeld für das Internat. Sonderlich viel Mühe gibt sich Adrian in der Schule nicht – er verbringt seine Zeit lieber in Computerspiel-Universen oder beim Programmieren. Doch bei der Firma Allgames, die die Computerspiele herausbringt, hat Adrian große Schulden gemacht – um sie zu bezahlen, hat er sich Geld bei seinen Freunden geliehen.

Als Adrians Schulden immer größer werden, passiert etwas Unerwartetes: Der Junge wird zum Direktor der Schule gerufen und er befürchtet, dass er wegen der Schulden und einiger sonstiger Vergehen (er hat sich mehrfach in den Schulcomputer gehackt) von der Schule geworfen wird. Doch es kommt ganz anders: Adrian bekommt einen Preis für einen angesehenen internationalen Computerprogramm-Wettbewerb verliehen, bei dem er auf Drängen des Informatiklehrers eher nebenbei mitgemacht hat. Der Hit bei dem Ganzen ist, dass ihm ein Preisgeld zugesprochen wird, mit dem er seine Schulden bezahlen kann.

Doch der Preis hat noch ganz andere Folgen: Bei der Preisverleihung wird Adrian von einer Tochterfirma von Allgames angeworben, und kurz darauf befindet er sich in China wieder, wo er als Programmierer bei den Computerspielen mitwirken darf, die er selbst so toll findet. Sein Leben ist auf einmal auf den Kopf gestellt – bis Adrian beim Versuch, eine neue Monitorbrille zu testen, erblindet. Doch seine Karriere ist damit noch nicht beendet …

Bewertung:

Durch die ersten Seiten von „Allgames“ muss man sich zunächst ein bisschen durchhangeln. Sie handeln vor allem davon, wie Adrian ein kompliziertes Computeradventure spielt, und die ganzen Fachbegriffe, die hier auf den Leser einprasseln, sind nicht immer einfach zu verstehen … Leicht wird einem der Einstieg in Christian Waluszeks Buch also nicht gemacht, selbst wenn man sich mit Computern und Computerspielen auskennt.

Doch das währt nicht lange. Mit dem Gewinn des Programmierpreises ändert sich auch der Inhalt des Buches – es geht darum, wie Adrian ein völlig anderes Leben beginnt, und hier kann man deutlich leichter folgen. Im Untertitel wird „Allgames“ Thriller genannt – genauso gut könnte man den Jugendroman jedoch auch als Science-Fiction-Roman bezeichnen, der in der fernen Zukunft (die erst auf den letzten Seiten genau datiert wird) spielt. Die Welt in dem Buch ist nicht die von heute: Das Klima spielt verrückt, mit technischen Errungenschaften und komplizierten Computersystemen haben es die Menschen jedoch geschafft, dennoch zu überleben.

Glücklicherweise ist Christian Waluszek nicht der Versuchung erlegen, rührselige Anklagen, weil die Menschen das Klima ruiniert haben, zu formulieren. Nur einmal im ganzen Buch werden die Klimaveränderungen etwas platt von einer Figur beschrieben. Ansonsten ist die Klimakatastrophe nur geschichtlicher Hintergrund für das Buch – und das ist auch gut so, wäre das Buch ansonsten zu pädagogisch angelegt gewesen.

Das Hauptthema des Buches ist die durchaus faszinierende Computerwelt – erst im letzten Drittel kommt man allerdings so richtig auf seine Kosten, wenn man das Buch als „Thriller“ in die Hand genommen hat. Adrian kommt Machenschaften auf die Spur, die hinter all dem, was sein neues Leben ausmacht, stehen. Ein klein wenig voraussehbar ist die Auflösung irgendwann vielleicht schon. Spannend ist das alles trotzdem.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Christian Waluszek erfindet mit „Allgames“ den Jugendthriller nicht neu – aber gerade Jungen (ab 13 Jahren) dürfte das Buch wegen der Science-Fiction- und den Computerspielelemente gefallen. Für diese Zielgruppe ist das Buch sicher ein Highlight, das viel Interessantes zu bieten hat.

Als erwachsener Leser macht man im Gegensatz dazu vielleicht doch den ein oder anderen Abstrich. Bewundernswert ist zumindest die Sachkenntnis im Bereich Computer, die der Autor an den Tag legt – aber sowohl sprachlich als auch in Bezug auf die Anlage der Story ist „Allgames“ eher gute Durchschnittskost. Ein bisschen mehr Tiefe in der Figurendarstellung z. B. hätte dem Roman durchaus gut getan – und dadurch wären auch 13-Jährige wohl nicht abgeschreckt worden.

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(Ulf Cronenberg, 09.05.2010)

Kommentare (0)

  1. Björn Streun

    Naja, das Buch ist so eigentlich gut, aber der Autor, über den findet man nichts. Immer nur dieses Buch …
    MfG oLi

    Antworten

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