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Kurzrezension: Elisabeth Rank “Und im Zweifel für dich selbst”

Cover RankLesealter 16+(Suhrkamp-Verlag 2010, 200 Seiten)

„Open Hearts“ hieß ein Dogma-Film, der 2002 in die Kinos kam. Der Film erzählt davon, wie das Leben einer jungen Frau dadurch auf den Kopf gestellt wird, dass ihr Verlobter von einem Auto angefahren wird und danach querschnittsgelähmt ist.

Was mich an dem Film damals so schockiert hatte, war, dass darin von einem Moment auf den anderen etwas völlig Unerwartetes geschieht: Man wird filmisch nicht vorgewarnt, dass in der nächsten Sekunde ein Unfall passiert. Elisabeth Ranks Roman (bei Suhrkamp in der Reihe „suhrkamp nova“ erschienen) erzählt von etwas Ähnlichem …

Lenes Freund Tim kommt – sie sind noch für den nächsten Tag verabredet – völlig Unerwartet bei einem Unfall ums Leben. Für Lene stürzt ihre bisherige Welt ein, und in ihrer Fassungslosigkeit bricht sie mit ihrer Freundin Tonia auf, um im Auto an die Ostsee zu fahren. Niemand weiß, wo die beiden sind – Handyanrufe drücken sie weg.

Es ist eine seltsame Reise ins Unbekannte, die die beiden Freundinnen da antreten, zumal sie selbst nicht wissen, warum sie unterwegs sind. Immer wieder überfluten Lene die Erinnerungen an Tim, doch auch für Tonia verändert sich während der Tage unterwegs einiges. Nicht nur Lenes Leben ist aus den Fugen geraten: Auch Tonia geht ihr Leben durch, insbesondere ihre Beziehung zu Friedrich.

Der Suhrkamp-Verlag versucht mit seiner Reihe „suhrkamp nova“, anspruchsvolle Romane, die insbesondere auch für junge Erwachsene gedacht sind, an den Leser zu bringen – ein typisches Jugendbuch ist „Und im Zweifel für dich selbst“ dementsprechend nicht. Das liegt schon allein darin begründet, dass Tonia und Lene im Studentenalter und damit in einer anderen Lebenswelt als Jugendliche zu Hause sind. Und dennoch kann man Elisabeth Ranks durchaus auch Jugendlichen ab 16 Jahren an die Hand geben … (Manchmal sollte man ja auch etwas herausgefordert werden.)

Sehr eindrücklich und einfühlsam erzählt der Roman, wie der Tod einer vertrauten Person das eigene Leben auf den Kopf stellt, wie auf einmal alles im Leben zur Revision steht. Nichts ist mehr so, wie es war … Sprachlich dicht berichtet die Erzählerin Tonia von der Zeit nach Tims Unfall, in Rückblenden aber auch immer wieder von den Erinnerungen an vergangene Zeiten. Ein leises Buch ist „Und im Zweifel für dich selbst“, ein Roman, der nicht allzu viel äußere Handlung hat, sondern stattdessen Gefühle und Erinnerungen, Gedanken und Beobachtungen darstellt.

Ein einfaches Buch ist Elisabeth Ranks Roman somit nicht – man braucht Zeit und Geduld, um sich durch das Buch zu lesen. Und dennoch mögen sich Jugendliche, die sich darauf einlassen, darin wiederfinden. Denn die Trauer der Personen wird tief und gefühlvoll dargestellt.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. „Und im Zweifel für dich selbst“ ist ein Buch, das sicherlich eher etwas für Mädchen als für Jungen ist – allein schon deshalb, weil die beiden Hauptfiguren junge Frauen sind. Das Etikett „Roadstory“, das man auf dem Buchrücken findet, greift meiner Meinung nach etwas zu weit. Tonia und Lene sind zwar mit dem Auto unterwegs, aber es passiert zu wenig an äußerer Handlung, als dass das Prädikat wirklich treffend wäre.

Elisabeth Ranks Roman ist eher eine Reise in das Innere: Psychologisch und sprachlich dicht erzählt das Buch davon, wie eine junge Frau den Tod ihres Freundes zu verarbeiten versucht. Dementsprechend durchzieht den Roman ein wehmütiger Ton. Man braucht Zeit und Muße, um das Buch zu lesen. Manchmal tritt der Roman vielleicht etwas auf der Stelle – aber ansonsten ist die Lektüre in jedem Fall lohnend.

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(Ulf Cronenberg, 03.05.2010)

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