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Buchbesprechung: S. A. Bodeen “Überleben”

Cover BodeenLesealter 12+(Oetinger-Verlag 2010, 284 Seiten)

Seltsam, in diesem Jahr gibt es einige Bücher, in denen Katastrophen-Szenarios im Vordergrund stehen. Gab es da nicht eine Theorie, die meinte, dass die Länge von Röcken etwas über die Wirtschaftsentwicklung aussagt? (Dass das ein Mythos ist, steht in diesem Interview.) Und so könnten sich auch Bücher mit Untergangsthemen häufen, wenn es einer Gesellschaft nicht so gut geht … Wie auch immer: Im Jugendthriller „Überleben“ der amerikanischen Autorin S. A. Bodeen geht es jedenfalls um einen Atomkrieg.

Inhalt:

Gerade noch haben Eli, seine beiden Schwestern Lexie und Terese sowie seine Eltern es in den Atombunker geschafft, als die USA Ziel eines Atomkriegs wurden. Schwer zu leiden hat Eli unter anderem darunter, dass sein Zwillingsbruder Eddy und seine geliebte Großmutter nicht mehr rechtzeitig am Bunker angekommen sind und den Angriff wohl nicht überlebt haben.

Elis Vater Rex Yanakakis hat es vor dem Atomkrieg mit seiner Computerfirma zum Milliardär gebracht, und so dürfte seine Familie zu den wenigen Menschen gehören, die den Atomkrieg überlebt haben, weil Elis Vater mit seinem Geld vorgesorgt hat. Einen riesigen Bunker mit allem, was man für 15 Jahre Überleben benötigt, hat er heimlich und gut versteckt bauen lassen, und seit 6 Jahren ist Eli mit seiner Familie inzwischen dort.

Doch nicht alles läuft so reibungslos wie geplant: Die mitgebrachten Tiere, die die Familie mit Milch und Fleisch versorgen sollten, sind einer Seuche heimgefallen, das gelagerte Mehl ist schlecht geworden … Weiteres Unvorgesehenes droht zu passieren. Doch das Schlimmste ist, dass sich Elis Vater seit einiger Zeit immer seltsamer verhält. In der Familie hatte er schon immer das Sagen und stets alles unter Kontrolle – doch Eli ahnt, dass er ihm und dem Rest der Familie etwas verschweigt.

Eines Tages bekommt Eli mit, dass es in dem Bunker ein Drahtlosnetzwerk gibt, das ins Internet führt … Doch schon kurz darauf ist es wieder verschwunden – sein Vater hat anscheinend bemerkt, dass Eli das Netzwerk entdeckt hatte. Aber warum will sein Vater nicht, dass Eli davon weiß? Eli ist misstrauisch und versucht herauszufinden, was da vorgeht. Und auch sonst spitzt sich die Situation in der Familie immer mehr zu …

Bewertung:

„Überleben“ ist ein spannendes Buch, vielleicht nicht über alle Seiten hinweg, aber unterm Strich auf jeden Fall. Das Szenario der Flucht in den Bunker wird nur ansatzweise in Rückblenden beschrieben – die Handlung setzt ein, nachdem Eli und seine Familie es bereits sechs Jahre im Bunker ausgehalten haben. Seite für Seite kommt man erst dahinter, was alles passiert ist, immer nur scheibchenweise – geschickt ist das gemacht! – erfährt man von den den abstrusen und detailversessenen Planungen des Vaters, um das Überleben der Familie zu sichern.

In der ersten Hälfte hat mich S. A. Bodeens Buch noch nicht so wirklich gepackt. Klar, die Grundidee mit dem Leben im Bunker hat ihren Reiz, aber allzu viel passiert hier trotzdem noch nicht. Doch ab der Mitte des Buches geht es dann richtig los, weil einige Überraschungen auf den Leser warten. Es ist schwierig, darüber zu schreiben, ohne etwas zu verraten und damit die spannende Handlung vorwegzunehmen – von daher halte ich mich an dieser Stelle besser bedeckt.

Die Spannung des Buches resultiert aus den vielen unerwarteten Wendungen, die das Buch nimmt – aber auch anderes ist durchaus interessant angelegt. Letztendlich ist „Überleben“ zugleich auch so etwas wie ein Familiendrama, weil die Jahre, eingesperrt im Bunker in der Familiendynamik ihre Spuren hinterlassen.

Die Stärke des Jugendromans ist ganz klar dessen Handlung, die einen irgendwann nicht mehr loslässt. Die Sprache (Übersetzung: Christian Dreller) kann da leider nicht mithalten. Da ist nichts wirklich Besonderes zu vermerken, und irgendwie bleibt auch die Szenerie im Bunker über weite Strecken etwas blass. Da ist der Leser gefordert, der sich den Bunker in seinem Kopf selbst vorstellen muss – denn allzu genaue Beschreibung liefert die Autorin nicht.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Ein anspruchsvolles Jugendbuch ist „Überleben“ sicher nicht – eher gute Unterhaltung, die der packenden Story wegen gelesen werden will. Und die hat es in sich, zumindest ab der Mitte des Buches. Alles andere ist Durchschnittskost: die Sprache, die Art der Beschreibungen oder die psychologische Anlage der Figuren.

Sei’s drum. Es macht trotzdem Spaß, dieses Buch zu lesen – da gibt es keinen Zweifel. Das Familiendrama im Bunker hält einige Überraschungen für den Leser bereit, hat ein Ende, das man zu Beginn nicht vorausahnt, und ist alles in allem mit dem in einen Thriller gepackten Atomkrieg-Szenario mal etwas anderes. Jugendliche mögen solche Kost – da bin ich mir sicher –, und Erwachsene, die ihre kritischen Augen ein wenig zudrücken, finden an diesem Buch sicher auch Gefallen.

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(Ulf Cronenberg, 22.04.2010)

Kommentare (0)

  1. Beatrix Petrikowski

    Ich habe gerade von dieser Autorin „Nichts als überleben“ gelesen, wobei selbst für mich das Buch interessante Neuigkeiten bereit hielt.

    Antworten

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