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Buchbesprechung: David Nel·lo “9 Monate XXL”

Cover Nel•loLesealter 15+(Bloomsbury-Verlag 2010, 171 Seiten)

Jugendbücher, in denen es um das Thema ungewollte Schwangerschaft in Jugendjahren geht, sind eher rar gesät. Zwei davon habe ich in den letzten Jahren gelesen: Christine Fehérs „Vincent, 17, Vater“ und Nick Hornbys „Slam”. Restlos begeistert haben mich beide Bücher nicht – dem zweitgenannten würde ich jedoch klar den Vorzug geben. Mit „9 Monate XXL“ ist es jetzt ein weiteres Buch, das von dem spanischen Autoren David Nel·lo stammt, zu dem Thema erschienen. (Was übrigens der Punkt in dem Nachnamen des Autors bedeutet, weiß ich auch nicht …)

Inhalt:

In sehr jungen Jahren hat Elis Mutter ihre Tochter bekommen, und wenn die beiden zusammen gesehen werden, werden sie oft für die große bzw. kleine Schwester der anderen gehalten. Über ihren Vater verrät Elis Mutter ihrer Tochter nichts – Eli kennt ihn nicht und weiß auch nicht, wer es ist.

Mit Beziehungen hat Eli, die in die Oberstufe kommt, bisher keine großen Erfahrungen gesammelt. Als sie in einem Museumsshop jobbt, spricht sie dort ein etwas älterer Junge an, der ein Geschenk für seine kunstinteressierte Mutter sucht. Die beiden interessieren sich füreinander und verabreden sich.

Es dauert nicht lange, da sind die beiden ein Paar, und als Guillermos Eltern an einem Wochenende unterwegs sind, schlafen die beiden das erste Mal miteinander – ohne jedoch zu verhüten. Allerdings ist Eli klar, dass an dem Tag nichts passieren kann. Doch einige Zeit später wiederholt sich alles bei Eli zuhause, und auch diesmal passt niemand der beiden auf oder verwendet ein Verhütungsmittel. Schon bald merkt Eli, dass es etwas nicht stimmt.

Ein positiv ausfallender Schwangerschaftstest verschafft ihr Gewissheit. Eli verabredet sich mit Guillermo und hält ihm das Ergebnis des Tests unter die Nase, doch Guillermo reagiert alles andere als souverän … Letztendlich muss Eli die Entscheidung alleine treffen, ob sie das Kind behalten will.

Bewertung:

David Nel·los Buch wird man wohl am besten gerecht, wenn man es als Roman für junge Erwachsene bezeichnet – 13- oder 14-Jährige dürften damit nicht wirklich glücklich werden, weil es eher um innere als um äußere Handlung geht, und die behandelt er die Gefühlswelt älterer Jugendlicher. Genau wird aus der Sicht von Eli beschrieben, was in ihr vorgeht, wie sie sich fühlt – zunächst mit Guillermo, dann mit der Schwangerschaft – und was das Mädchen durchmacht.

„9 Monate XXL“ dürfte meiner Meinung nach vor allem für ältere Jugendliche und Erwachsene von Interesse sein, die in einer ähnlichen Situation wie Eli stehen oder standen. Außerdem dürfte der Roman trotz des männlichen Autors eher etwas für Mädchen sein. Das liegt zum einen darin begründet, dass die Hauptfigur ein Mädchen ist, zum anderen darin, dass die Befindlichkeiten Elis im Zentrum des Buchs stehen. Guillermo bleibt eher eine Randfigur.

Von ein paar wenigen Stellen abgesehen („Ich war harpuniert, wie Moby Dick, musste aber weiterschwimmen.“ – Seite 82) würde ich „9 Monate XXL“ als solide geschriebenen Adoleszenzroman ansehen, dessen Stärken vor allem darin liegen, dass die Gefühlswelt, aber auch die Reaktionen von Elis Umwelt auf die ungewollte Schwangerschaft plausibel beschrieben werden. Im Großen und Ganzen wird nichts beschönigt, das Hin und Her in Elis Kopf wird einfühlsam und sehr besonnen dargestellt. Letztendlich werden jugendliche Leser damit nicht überfordert, sondern behutsam an die Hand genommen, um die für Eli schwierige Zeit mitzuerleben.

Zugleich kann man genau das aber auch als kleine Schwäche des Buches ansehen: dass der Roman vielleicht etwas zu brav daherkommt. 15- oder 16-Jährigen Mädchen mag das nicht so gehen, aber für mich als erwachsenen Leser hätte das Auf und Ab der Gefühle durchaus noch etwas drängender beschrieben werden können.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Vergleichen mit den beiden oben genannten Büchern über ungewollte Schwangerschaft im Jugendalter schlägt sich David Nel·los „9 Monate XXL“ nicht schlecht, aber das ultimative Buch über das Thema, das noch immer gesucht wird, ist es auch nicht. Elis Gefühle und inneres Erleben (aber eben nur das des Mädchens, nicht jedoch das von Guillermo) werden einfühlsam beschrieben – aber David Nel·lo hätte dem Buch ein wenig mehr Drive geben können, indem er die Geschichte z. B. mehrperspektivisch angelegt hätte.

Nichtsdestotrotz: Wer sich als Jugendliche/r damit auseinandersetzen will, wie es in jungen Jahren ist, schwanger zu sein und ein Kind zu bekommen, sollte sich „9 Monate XXL“ anschauen. Man sollte sich jedoch darauf einstellen, dass weniger die äußere als die psychologische innere Handlung im Zentrum des Romans steht.

By the way (danke für den Hinweis, Britta!): Das Jugendbuch, in dem ein Mädchen sich für eine Abtreibung entscheidet, fehlt noch immer – mir ist zumindest aus den letzten Jahren keines bekannt.

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(Ulf Cronenberg, 19.04.2010)

Kommentare (0)

  1. Katja Straub

    Hallo und guten Abend,
    dann muss ich doch mal kurz meines Amtes walten – auch nach feierabend 😉
    Doch, bei Sauerländer gibt es ein Jugendbuch, in dem sich das Mädchen für eine Abtreibung entscheidet. „11. Woche“ von Christine Fehér (von der auch das erwähnte „Vincent, 17, Vater“ ist). Das Buch ist schon 3 oder 4 Jahre alt, aber anscheinend noch immer ohne Konkurrenz … 🙂

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    1. Ulf Cronenberg

      Hallo Frau Straub,
      das ist mir dann durch die Lappen gegangen … Danke für den Hinweis.
      Viele Grüße, Ulf Cronenberg

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  2. Maria Meinel

    Ein spätes Hallo!
    „l·l“ ist ein katalanisches „ll“ (wie in Mallorca, Sevilla etc.) mit einem (die Aussprache regelnden) „punt volat“. Im Katalanischen trennt man die beiden „l“ durch einen Punkt, wenn nicht „(l)j“ gesprochen werden soll, sondern „l“. Siehe auch http://de.wikibooks.org/wiki/Katalanisch:_L%27alfabet.
    Beste Grüße, Maria

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    1. Ulf Cronenberg

      Gut, dass es jemanden gibt, der sich damit auskennt. Danke!

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  3. Mimi

    Hallo, ich habe vor Jahren mal ein Buch zum selben Thema gelesen, in dem das junge Pärchen das Baby bekommt. Es war jedoch das einzige Buch, das ich kenne, in dem die Geschichte noch weitergeht. Trotz aller guten Vorsätze, schaffen es die zwei nämlich nicht, die Situation zu meistern und vernachlässigen das Kind. Am Ende geben sie es dann in eine Pflegefamilie ab, halten aber noch Kontakt. Das war besser und auch realistischer als alle anderen Bücher, die ich bisher zu dem Thema kenne. Leider weiß ich nicht mehr wie es hieß! Kennt jemand es vielleicht auch?

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