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Buchbesprechung: Luca Bloom “Schlachtfeld”

Cover BloomLesealter 14+(Ueberreuter-Verlag 2010, 122 Seiten)

Ein hübsches Cover mit einem provokativem Titel … Es liegt nahe, dass es in „Schlachtfeld“ um die Schule geht – und zwar nicht um ihre schönen und angenehmen Seiten. Luca Blooms zweites Jugendbuch bei Ueberreuter (nach „Ich, Elias„) handelt von den Schikanen des Schulalltags: unter Schülern, aber auch zwischen Schülern und Lehrern. Das ist kein neues Thema – dazu gibt es bereits klassisch zu nennende Bücher wie Hermann Hesses „Unterm Rad“. Aber interessant ist es doch zu sehen, wie ein noch eher junger Autor das Thema Schule behandelt.

Inhalt:

Johannes ist ein stiller Schüler, den fast niemand beachtet – doch damit kommt er ganz gut durch die Schule, in der Mobbing und Gewalt unter Mitschülern an der Tagesordnung sind. Immer unsichtbar zu bleiben, das hat Johannes perfektioniert, und er ist deswegen von Schikanen durch seine Mitschüler meist verschont geblieben.

Am schlimmsten von allen ist Mick, der eigentlich David Mickler heißt. Er lässt keine Gelegenheit aus, jüngere und schwächere Schüler zu triezen und geht dabei nicht gerade zimperlich vor. Schläge und Raufereien sind keine Seltenheit.

Auch unter den Lehrern gibt es einige, die keine Chance verstreichen lassen, Schüler bloßzustellen und zu drangsalieren. Insbesondere der Latein- und Geschichte-Lehrer Zinn ist dafür bekannt. Auf Mick hat es Zinn schon länger ganz besonders abgesehen, und als Mick die Klasse wiederholt und Zinn auch im neuen Schuljahr in Geschichte hat, kommt es zum Kleinkrieg zwischen den beiden.

Mick ist nicht bereit, sich die abfälligen Bemerkungen Zinns gefallen zu lassen, und schlägt entsprechend zurück. Sind es anfangs nur Wortgefechte, die die beiden sich liefern, so gerät der Konflikt nach und nach außer Kontrolle. Als Mick dabei erwischt wird, wie er auf Zinns Haustür das Wort „Kinderficker“ sprayt, wird die Situation immer brenzliger für den Jungen. Doch Mick gibt nicht auf – auch wenn er den Schulausschluss provoziert … Und Johannes wird indirekt auch noch in all das mit reingezogen.

Bewertung:

Die Idee für „Schlachtfeld“ ist Luca Bloom, wie er in einem kurzen Nachwort schreibt, nach dem Lesen eines Artikels mit der Überschrift „Gymnasiast verprügelt seinen Lehrer“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gekommen. Ziemlich schonungslos wird in dem Buch beschrieben, wie es an einem Gymnasium zugeht, in dem sich weder die Schüler untereinander noch die Lehrer den Schülern etwas schenken. Man mag das kritisieren, weil die Gewalt an einer Schule alles in allem vielleicht doch übertrieben dargestellt wird – aber ein Buch darf Dinge ja auch auf die Spitze treiben, um etwas zu verdeutlichen. Und Mobbing zwischen Schülern, aber auch zwischen Schülern und Lehrern (und zwar gegenseitig) ist nun wirklich nicht nur ein Einzelfall.

Luca Bloom schreibt die Geschichte aus der Sicht von Johannes nieder und verwendet dabei einen jugendlichen Ton. Das geht jedoch meiner Meinung nach leider etwas zu Lasten der literarischen Qualität … Man mag das authentisch nennen, aber mir sind es dann beim Lesen doch ein paar Füllwörter wie „einfach“ zu viel gewesen, die in dem Text zu finden sind. Und auch sonst sind mir ein paar sprachliche Nachlässigkeiten aufgefallen, die mich gestört haben – z. B.:

Wer cool sein wollte, kam eisern in Chucks, auch dann, wenn draußen bereits die Null-Grad-Grenze angeknackst wurde.“ (S. 54)

Die Null-Grad-Grenze anknacksen? Da hätte das Lektorat vielleicht dann doch eingreifen sollen …

Ansonsten entfaltet die Geschichte durchaus ihre Spannung. Der Krieg zwischen Zinn und Mick schraubt sich beständig nach oben und wird gut in seinen Eskalationsstufen dargestellt. Und letztendlich sind auch die Psychogramme von Zinn und Mick durchaus plausibel.

Die 122 Seiten von „Schlachtfeld“ sind schnell gelesen, denn als Leser will man natürlich wissen, wie die Geschichte ausgeht. Dass das Buch kein Happy End hat, sondern mehr als tragisch endet, ist letztendlich folgerichtig und konsequent.

Fazit:

3-einhalb von 5 Punkten. „Schlachtfeld“ ist keine politisch korrekte Darstellung des Zustands unseres Schulwesens, aber das Buch legt den Finger auf eine durchaus vorhandene Wunde. Mobbing unter Schülern ist auch an deutschen Schulen leider an der Tagesordnung; Lehrer, die Schüler drangsalieren und umgekehrt, gibt es nachweislich. Und trotzdem sind die Schulen unterm Strich besser, als sie hier dargestellt werden.

Letztendlich ist es trotzdem gut, dass es solche Bücher gibt, weil sie Diskussionen anregen und den Leser nachdenklich stimmen. Zugutehalten muss man „Schlachtfeld“ außerdem, dass das Buch eine Spannungskurve hat, die den Leser bei der Stange hält. Sprachlich dichter und präziser hätte das Buch jedoch durchaus sein können. „Ich, Elias“, Luca Blooms erstes Buch, hat mir da etwas besser gefallen.

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(Ulf Cronenberg, 11.02.2010)

Kommentare (0)

  1. Eva Litschko

    Ich selber bin die 15-jährige Schülerin eines Gymnasiums und der Anfang des Buches erinnerte mich ein wenig an die kleinen, aber doch friedlich ablaufenden Auseinandersetzungen zwischen mir oder anderen Schülern und den Lehrern. Bei uns besitzt es noch eine Stufe von Spaß und durch eine anschließende Entschuldigung beider Seiten ohne Eingreifen anderer Personen wird ein abwechslungsreicher Schulalltag geboten. Es sind eher Streitgespräche, und nicht selten kommen dabei kesse Sprüche von Schülern und Lehrern. Diese sind jedoch oftmals sehr witzig!
    Das Buch „Schlachtfeld“ von Luca Bloom erzählt hier aber eine Geschichte von so einem ähnlichen anfänglichen „Wortgefecht“, welches aber zusehends ausartet. Dadurch, dass ein Schüler beschreibt, wie er es miterlebt hat, kann man sich auch gut in diese Geschichte hineinversetzen und deshalb wirkt die verwendete Jugendsprache wie ein grammatisches Mittel, um diese Welt besser um den Leser herum aufzubauen.
    Ich persönlich fand dieses Buch sehr spannend und habe auch manchmal heimlich im Unterricht weitergelesen.
    Fakt ist:
    Das Buch fesselt einen. Man kommt nichtmehr vom Lesen los und viele kleine Indizien, welche mit in die Geschichte eingebaut werden, lassen den Leser am Ende grübeln, wer denn das wahre Opfer war.
    Auf jeden Fall ein Jugendbuch, bei dem sicherlich jeder irgendwo eine Parallele zu seiner Schule erstellen kann.

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  2. Marvin

    Ich liebe diese Buch und kann es jedem nur empfehlen … 🙂

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  3. luca bloom

    Es freut mich sehr, dass euch das Buch gefallen hat. Und dass es so fesselnd ist, dass es sogar heimlich im Unterricht gelesen werden muss, ist natürlich ein großes Kompliment!!! Dankeschön!

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  4. Lukas

    Das Buch ist genial *-*, und das Beste: Ich habe mich in das Buch so verliebt, dass ich es in 2 Stunden durchgelesen hatte und dann meine Nacherzählung schreiben konnte. Das Buch kann ich auch nur jedem empfehlen!

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  5. Andreas

    Ich mag das Buch „Ich, Elias“. Aber das Ende ist ein bisschen heftig !!!!

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  6. Fran Loncar

    Ich mag das Buch, aber ich habe nicht verstanden, wer am Ende des Buches gestorben ist. Ein Junge mit einen grünen Pulli, wer kann das sein?

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    1. Ulf Cronenberg

      Ich weiß es nicht mehr, aber die Antwort findest du bestimmt, wenn du genau liest.

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  7. Gymnasium Neusiedl 4D

    Hallo Luca, wir sind 14 Jahre alt und haben das Buch „Schlachtfeld“ gelesen. Es war sehr spannend, aber der Schluss hat uns sehr beschäftigt. Wir wüssten gerne, wer am Ende ermordet worden ist?

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  8. Jacqueline

    Mein Sohn wählte das Buch, um darüber einen Vortrag zu halten. Er fand es sehr spannend (er ist sonst kein fleißiger Leser), blieb am Schluss aber etwas ratlos zurück.

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