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Buchbesprechung: Peter Abrahams “… verliefen sich im Wald”

Cover AbrahamsLesealter 11+(Bloomsbury-Verlag 2009, 283 Seiten)

Es hat etwas Beruhigendes, dass es Bücherserien gibt, wo man Figuren begegnet, die man schon kennt. Mit „… verliefen sich im Wald“ ist nun nach „Was geschah in Echo Falls?“ und „Hinter dem Vorhang“ der dritte Krimi von Peter Abrahams, in dem die 13-jährige Ingrid ermittelt, erschienen. Auch diesmal spielt das Buch in Echo Falls, und wie immer kann Ingrid, die Sherlock Holmes als Vorbild hat, es nicht sein lassen, Nachforschungen anzustellen. Denn ein Mord ist passiert, der diesmal noch dazu etwas mit ihrer Familie zu tun hat …

Den dritten Band der Serie kann man übrigens auch lesen, ohne dass man die Vorgängerbände kennt – aber mehr hat man davon sicher, wenn man mit den Buchpersonen in Band 1 und 2 bereits Bekanntschaft gemacht hat.

Inhalt:

Ingrid lebt mit ihren Eltern sowie ihrem Bruder Ty in Echo Falls, einem Städtchen 180 km von New York entfernt. Zur Familie gehört auch der schrullige Großvater, von Ingrid meist „Grampy“ genannt, der alleine auf einer Farm wohnt und sich von niemandem etwas gefallen lässt. So ist es nicht verwunderlich, dass er einen Mann namens Mr. Thatcher, der von der Umweltbehörde kommt, nach einem kurzen, aber heftigen Wortwechsel von dannen schickt. Vor seinem Abgang droht Mr. Thatcher Ingrids Großvater damit, dass dessen Auftreten noch ein Nachspiel hätte.

Als Ingrid im Winterschnee mit ihrem Freund Joey auf Schneestiefeln unterwegs ist und sie einem alten Indianerpfad folgen, führt dieser sie auch über das Gelände von Grampys Farm. Und dort entdecken die beiden eine Leiche. Ingrid kennt den Toten: Es ist Mr. Thatcher, mit dem ihr Großvater vor kurzem den Streit hatte. Die Polizei stellt fest, dass der Mann erschossen wurde – die weiteren Untersuchung ergeben, dass er mit einem alten Scharfschützengewehr von hinten getötet wurde.

Wegen des Streits mit Mr. Thatcher, aber auch, weil Ingrids Großvater angeblich aus dem Zweiten Weltkrieg noch ein solches Gewehr besitzen müsste, wird Grampy verdächtigt und schließlich sogar festgenommen. Ingrid kann nicht glauben, dass ihr Großvater zu einer so feigen Tat fähig wäre. Doch Grampy hat kein Alibi und schweigt seltsamerweise darüber, was er zur vermuteten Tatzeit gemacht hat. Ingrid versteht nicht, warum ihr Großvater nicht handelt und sich seinem Schicksal zu fügen scheint. Sie stellt Nachforschungen an, wo ihr Großvater zur Tatzeit gewesen war, und findet Seltsames heraus …

Bewertung:

Band 3 der Echo-Falls-Krimis kommt wie schon die Vorgängerbände etwas langsam in Gang. Doch stört das nicht (das dürfte zumindest für Leser gelten, die Band 1 und 2 schon gelesen haben), weil man die Personen kennt und neugierig ist, wie es in ihrem Leben weitergeht. Herrlich ist es z. B. wieder, Grampy und seine schrullige Art mitzubekommen, mit der er allem Behördenkram begegnet. Ingrids Großvater ist einfach ein Original: nach außen hin abweisend – aber man ahnt, dass er tief im Inneren trotzdem ein Mensch mit dem Herz auf dem richtigen Fleck ist.

Peter Abrahams Jugendkrimis sind typisch amerikanische Kost: Das gilt für die Interessen der Figuren (z. B. Baseball), aber auch für die Art und Weise, wie die Personen miteinander umgehen. Doch das hat durchaus auch seinen Reiz für deutsche Leser … Alles in allem kommen die Bücher von Peter Abrahams eher unauffällig daher, sind aber solide geschrieben. Bedenkenlos kann man die Echo-Falls-Bücher jedenfalls 11-Jährigen in die Hand drücken. Dass diesmal nicht nur der Mordfall eine Rolle spielt, sondern darüber hinaus auch in Ingrids Familie einiges passiert, tut dem Buch gut. Die Handlung wird aufgelockert und bleibt nicht eindimensional.

Dass der Einstieg in „… verliefen sich im Wald“ eher bedächtig ist, habe ich schon erwähnt. Ab Seite 100 hatte mich das Buch dann jedoch gefangen genommen – von hier ab bis zum Ende ist die Geschichte spannend. Ingrid deckt so einiges Ungereimte auf, als sie herauszufinden versucht, warum ihr Großvater sein Alibi nicht preisgeben will.

Wenn ihr euch übrigens fragt, aus welchem Grund das Buch den seltsamen Titel trägt: Ingrid macht bei einer Schauspielgruppe mit, und die führt eine Version von „Hänsel und Gretel“ auf. Das Thema des Verlaufens im Wald hat jedoch an mehreren Stellen auch etwas mit dem Krimiplot zu tun. Aber mehr sei nicht verraten.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Peter Abrahams zeigt auch mit Band 3 der Echo-Falls-Krimis, dass er sein Handwerk versteht – ja, ich würde sogar sagen, dass das neue Buch etwas runder und stimmiger als die beiden Vorgängerbände ist. Als einzigen Kritikpunkt an dem Buch könnte man nennen, dass es etwas sehr beschaulich beginnt – aber nicht einmal das ist wirklich störend.

Ansonsten bietet „… verliefen sich im Wald“ gute Unterhaltung und einiges an Spannung. Das Buch ist nicht hoch knisternd, aber genau richtig für Krimi-Leser ab 11 Jahren. Der 13-jährigen Ingrid, die gerne so logisch schlussfolgern können möchte wie ihr Vorbild Sherlock Holmes, folgt man beim Lesen gerne auf Schritt und Tritt.

Ich bin schon gespannt, ob ein weiterer Band folgen wird – wenn ja: Ich werde ihn wieder lesen …

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(Ulf Cronenberg, 20.12.2009)

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