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Kurzrezension: Ilkka Remes “Heiße Ware über dem Eismeer”

Cover RemesLesealter 12+(dtv 2009, 297 Seiten)

Den Begriff „Pageturner“ kann ich inzwischen – ehrlich gesagt – nicht mehr hören. Das ist so ein Wort, über das man beim ersten Lesen staunt, das einem bei der zehnten Begegnung aber irgendwann etwas auf den Geist geht.

Warum ich das schreibe? Weil man das Prädikat „Pageturner“ besonders häufig liest, wenn man sich über die Jugendkrimis von Ilkka Remes informiert. „Heiße Ware über dem Eismeer“ ist der dritte Band des finnischen Thrillerautoren Ilkka Remes, in dem der 14-jährige Aaro Nortamo auf Verbrecherjagd geht.

Irgendwie scheint Aaro zwielichtige Geschichten anzuziehen – vielleicht liegt es daran, dass der Junge selbst nicht immer nur ganz koscheren Dinge nachgeht. Während Aaro den Sommer bei seiner Oma verbringt, schlägt er dort die Zeit vor allem mit seinem einzigen Freund Niko tot. Und Niko ist immer in Geldnot. So dauert es nicht lange, bis die beiden etwas aushecken, um an Geld zu kommen. Ein Kettenbrief liefert ihnen schon bald Briefe mit 5-Euro-Scheinen in Massen. Doch Aaro hat zugleich ein schlechtes Gewissen.

Als Aaro eine Erpresser-Mail in seinem Postfach findet, in der jemand angibt, Niko und Aaros verbotene Kettenbriefaktion zu kennen, und 2.000 Euro fordert, ist das der Beginn von etwas Größerem, in das Aaro und Niko hineingezogen werden. Denn dem Erpresser begegnen sie schon bald wieder: Niko ist Nebendarsteller bei einem internationalen Film – doch Aaro bemerkt, als er bei den Dreharbeiten zuschaut, nach kurzer Zeit, dass eigentlich gar kein Film gedreht wird. Das alles ist nur ein Vorwand, um im Hafen unauffällig Fässer mit illegalem Inhalt am Zoll vorbei zu schmuggeln.

Aaro kann es nicht sein lassen, der Sache nachzugehen. Unter einem Vorwand meldet er sich für einige Tage bei seiner Oma ab, nimmt mit Niko die Verfolgung des Schmugglerteams auf und gerät dadurch – wie zu befürchten war – in die ein oder andere brenzlige Situation. Denn hier sind Profis am Werk, die auch vor Mord nicht zurückschrecken …

„Heiße Ware über dem Eismeer“ ist ein typischer Ilkka-Remes-Roman. Es gibt kaum Stellen, wo nicht innerhalb von zwei Seiten die Erzählperspektive gewechselt wird. Da ist man als Leser Aaro und Niko auf den Fersen, um zwei Seiten weiter der Schmugglerbande zu folgen. Zu Beginn des Buches werden dabei die Fäden ausgelegt, die im Laufe des Romans zusammengeführt werden. Gekonnt ist das gemacht, und langweilig wird einem allein schon aus diesem Grund beim Lesen nicht.

Ansonsten bietet Ilkka Remes‘ neuer Roman alles, was ein Thriller für Jugendliche benötigt: eine packende Story, von der man wissen will, wie sie ausgeht, und mit Aaro eine Identifikationsfigur, deren Neugierde grenzenlos ist. Dass in dem Roman die ein oder andere kleinere Ungereimtheit zu entdecken ist (Aaro versteckt sich z. B. in einem Fischfang – und nach einigen Seiten findet sein Fischgeruch keine Erwähnung mehr), fällt kaum auf.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Mit „Schwarze Kobra“ und „Operation Ocean Emerald“ hatte Ilkka Remes seinen jugendlichen Privatschnüffler Aaro eingeführt – und wer die anderen beiden Bücher gelesen hat, wird sich bei „Heiße Ware über dem Eismeer“ sofort zu Hause fühlen. Letztendlich sind alle drei Jugendkrimis des finnischen Autors nach dem gleichen Muster gestrickt, auch wenn es jedes Mal um andere kriminelle Machenschaften geht.

Ilkka Remes‘ neues Buch steht den Vorgängern in nichts nach. Die Story ist schon nach wenigen Seiten spannend und bleibt es bis zum Ende. Tiefschürfend ist auch „Heiße Ware über dem Eismeer“ nicht unbedingt, aber gekonnt leistet der Jugendthriller das, was man sich davon erwartet: eine fesselnde Unterhaltung und vor allem Spannung. Dementsprechend schnell sind die fast 300 Seiten auch gelesen …

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(Ulf Cronenberg, 08.12.2008)

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