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Buchbesprechung: Rachel Cohn & David Levithan “Naomi & Ely”

Cover Cohn/LevithanLesealter 14+(cbt 2009, 270 Seiten)

Vor zwei Jahren waren Rachel Cohn und David Levithan mit „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“ von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert worden. Doch leider habe ich das Buch nicht gelesen, auch wenn ich vor allem Gutes darüber gehört habe. Mit „Naomi & Ely“ hat das Autorenduo dieses Jahr einen neuen Jugendroman herausgebracht, und es geht um die Wirren der Liebe in all ihren Facetten. Das schon mal vorab …

Inhalt:

Das mit der Liebe und dem Verliebtsein ist aber auch nicht einfach! Naomi lebt mit ihrer depressiven Mutter in einem New Yorker Hochhaus im 15. Stock – direkt nebenan wohnt Ely mit seiner Mutter und deren Lebensgefährtin. Schon lange ist Naomi in Ely verliebt, doch dieser ist leider schwul, und mehr als eine tiefe Freundschaft ist somit zum Leidwesen von Naomi nicht drin.

Auch die Erwachsenen haben es nicht immer einfach, denn als Naomis Vater mit einer von Elys Müttern eine Beziehung hatte, gab es im gesamten Hochhaus einen großen Aufruhr, der damit endete, dass Naomis Vater die Familie verlassen hat. Und Ähnliches wiederholt sich nun bei Naomi und Ely. Das Mädchen hat einen Freund: Bruce, den Zweiten – doch so richtig funktioniert die Beziehung zwischen den beiden nicht. Als Bruce sich eines Abends in Ely verliebt und dieser das erwidert, kommt es zwischen Naomi und Ely zum großen Knatsch. Die intensive Freundschaft seit Kindestagen schlägt von einem Tag auf den anderen in Feindseligkeit um. Naomi will mit Ely nichts mehr zu tun haben, spricht nicht mehr mit ihm und schlägt verbal nur um sich, sobald ihr Ely über den Weg läuft.

Doch das ist noch nicht alles, was an Verwicklungen nach und nach entsteht. Bruce, der Erste, mit dem Naomi früher eine Beziehung hatte, ist nämlich noch immer in Naomi verliebt, und diese nutzt das ein wenig aus, um Ely so einiges heimzuzahlen. Doch letztendlich kann das nur schiefgehen – wie so einiges andere auch …

Bewertung:

Ja, es ist nicht so ganz einfach diese ganzen Verwicklungen in einem Text zusammenzufassen – und auch wenn das hier vielleicht etwas chaotisch klingt: Im Buch liest sich all das etwas leichter. Rachel Cohn und David Levithan haben „Naomi & Ely“ mehrperspektivisch angelegt: In jedem Kapitel erzählt einer von sechs oder sieben Jugendlichen (am häufigsten die beiden Hauptpersonen) aus seiner Sicht, was gerade passiert. Die Einzelgeschichten greifen so ineinander und ergeben ein buntes Gesamtbild. Da beschreibt Naomi, was in ihr angesichts der Beziehung zwischen Ely und Bruce vorgeht, kurz darauf später schildert Ely seine Version.

Geschickt ist das gemacht – ohne Zweifel. Und was dem Autorenpaar außerdem gut gelingt, ist der jugendliche Schreibstil im Buch. Wort- und bildreich wird erzählt, was vor sich geht. Das ist immer wieder witzig, auch weil insbesondere Naomi alles zynisch, immer mit dem Finger auf die Wunde zeigend kommentiert. Zu Beginn des Buches habe ich angesichts des Schreibstils nur so gestaunt, mich dann aber gefragt, ob sich diese Sprachgewalt nicht irgendwann totlaufen wird. Doch durch den Perspektivenwechsel in den einzelnen Kapiteln und damit auch durch eine Änderung des jeweiligen Schreibstils passiert das glücklicherweise nicht.

Genial behandelt „Naomi & Ely“ die jugendlichen Wirren um das Thema Liebe, und ausgelassen wird dabei fast nichts: Es geht um Homosexualität, um Liebeskummer, um die Schwierigkeiten einer Beziehung und so vieles mehr. Eigentlich gibt es da nichts zu meckern – oder doch? Ja, eine Kleinigkeit hat mir nicht so ganz gefallen: das Ende des Buches. Rachel Cohn und David Levithan eröffnen einen virtuosen Reigen zum Beziehungsthema, aber am Schluss schimmert dann doch so etwas wie eine pädagogische Botschaft durch, wenn sich am Ende fast alles auflöst (mehr sei aber nicht verraten). Ich fand das schade, denn wo vorher so wortreich erklärt wurde, wie kompliziert das Leben vor allem in Liebesdingen ist, kommt dann doch noch das meiste in Ordnung. Mir wäre, ehrlich gesagt, ein etwas offeneres Ende, das den Leser ein wenig verwirrt zurücklässt, lieber gewesen … So hätte das Buch einen stimmigeren Gesamteindruck hinterlassen.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Auch wenn ich mit dem Schluss des Buches ein wenig gehadert habe: Nichtsdestotrotz ist „Naomi & Ely“ ein lesenswertes Buch zu einem wichtigem Thema. Rachel Cohn und David Levithan gelingt es bravourös, das Thema Liebe in der Jugendzeit einzufangen – und zwar so, dass man einerseits immer wieder schmunzeln und lachen muss, andererseits aber auch der Ernst nicht zu kurz kommt.

Besonders gefallen hat mir der Sprachstil des Romans, der kreativ und abwechslungsreich ist – und zwar vom Anfang bis zum Ende. Dass man das Buch Jugendlichen ab 14 Jahren zu lesen geben kann, liegt auch daran, dass die beiden Autoren trotz der teilweise zynischen Sichtweisen insgesamt sehr sensibel mit dem Thema Liebe umgehen.

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(Ulf Cronenberg, 24.11.2009)

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