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Kurzrezension: Petra Kasch “Bye-bye, Berlin”

Cover KaschLesealter 12+(Ravensburger-Verlag 2009, 256 Seiten)

20 Jahre ist es her, dass die Mauer zwischen West- und Ost-Deutschland bzw. West- und Ost-Berlin geöffnet wurde, und zu diesem Jubiläum gibt es auch ein paar Bücher, die sich dem Thema widmen. Petra Kaschs Buch „Bye-bye, Berlin“ schildert nicht direkt die Zeit der Mauer- und Grenzöffnung, sondern spielt im Jahr 1995, thematisiert aber die Folgen der Wiedervereinigung von DDR und Bundesrepublik Deutschland. Es wird vom Schicksal einer Familie erzählt, die nach der Maueröffnung nicht wieder so richtig Tritt gefasst und mit den Folgen der Wiedervereinigung zu kämpfen hat.

Nadja ist 13 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater, der früher in der DDR ein bekannter Fotograf mit zahlreichen Ausstellungen war, im ehemaligen Ostberlin. Die Mutter von Nadja hat die Familie wegen eines Jobs als Journalistin in Hamburg zurückgelassen – Nadjas Vater wollte auf keinen Fall in den Westen. Doch seit der Grenzöffnung verdient er eigentlich kein Geld mehr, und so wird die Lage für ihn und Nadja zunehmend prekär.

Nadjas Vater flüchtet sich in den Alkohol, außerdem hängt er depressiv herum und bemüht sich überhaupt nicht, einen neuen Job zu finden. Für Nadja ist das alles ziemlich schlimm, denn sie läuft nur noch in alten Klamotten herum. Am schrecklichsten ist für das Mädchen jedoch, dass der Urlaub in Bulgarien am Schwarzen Meer, den ihr Vater ihr versprochen hat und auf den sie ihren Freund Timm mitnehmen hätte dürfen, aus Geldmangel ausfällt. Nadja ist maßlos enttäuscht und auch sauer auf ihren Vater, der das Geld versäuft, bis ihnen sogar der Strom abgedreht wird.

Timm gegenüber ist Nadja immer gereizter, obwohl er für die Situation nichts kann. Er und zwei weitere Freunde wollen Nadja und ihrem Vater helfen – doch Nadja tut sich schwer, das zuzulassen, und poltert so lange herum, bis sie es sich mit den Freunden fast vollständig verscherzt hat. Timm und seine Freunde lassen jedoch nicht locker und haben eine Idee, wie sie zu Geld kommen könnten, um die Miete und den Strom der Wohnung von Nadja und ihrem Vater bezahlen zu können …

„Bye-bye, Berlin“ ist ein Buch, das durchaus einen gewissen Charme hat. Die Geschichte kommt eher naiv daher – als hätte sie eine jugendliche Erzählerin –, der Sprachstil ist knapp und schnörkellos gehalten. Nadja und auch die anderen Jugendlichen in dem Buch wirken aufgrund der Sprache im Buch unbekümmert und frisch, aber – und das ist die Schattenseite dieses Stils – eben auch in der Anlage der Figuren etwas blass und konturenlos. Wahrscheinlich bildet genau deswegen Petra Kasch sehr real die Lebenssituation eines 13-jährigen Mädchens ab – aber dem Buch fehlt dadurch ein bisschen der Anregungsgehalt, durch den man als Leser an den Figuren eines Buches wachsen kann.

Mich hat auch gestört, dass Timm so überaus ausdauernd mit Nadja ist, die ihn mit ihrer Unausgeglichenheit und ihrer Unfähigkeit, Hilfe anzunehmen, immer wieder stehen lässt. Doch Timm hält das wiederholt aus und schaut nach vorne. Hm, wenn es im Leben doch immer so leicht wäre … Am Ende steht dann natürlich (wie sollte es anders sein) ein Happy End – und das war dann der Moment, wo ich mir dachte, dass das alles irgendwie zu schön ist, um wahr zu sein.

Fazit:

2-einhalb von 5 Punkten. Zugegeben, „Bye-bye, Berlin“ ist ein Buch, das man bedenkenlos 12-Jährigen in die Hand geben kann. Das Buch enthält keine Zumutungen, es ist politisch korrekt, am Ende wird fast alles gut … Petra Kaschs Buch ist dabei einerseits schnell gelesen, andererseits aber zu harmlos, um ein wirklich tolles und empfehlenswertes Jugendbuch zu sein. Mir jedenfalls hat es bei der Geschichte und den Figuren deutlich an Tiefe gefehlt.

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(Ulf Cronenberg, 25.10.2009)

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