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Buchbesprechung: Martina Wildner “Grenzland”

Cover WildnerLesealter 13+(Fischer-Verlag 2009, 320 Seiten)

Martina Wildner hat in den letzten Jahren einige Bücher geschrieben, dabei jedoch oft den Verlag gewechselt. „Murus“ war bei Bloomsbury, „Six“ bei Beltz & Gelberg erschienen, und das neueste Buch der Autorin ist unter dem Titel „Grenzland“ im Fischer-Verlag in der Reihe „Die Bücher mit dem blauen Band“ veröffentlicht worden.

Martina Wildner hat ursprünglich Grafikdesign und Illustration studiert, bevor sie sich dem Schreiben von Jugendbüchern zugewendet hat. Ihr Studium schlägt sich auch in den Büchern nieder, denn die kleinen Illustrationen in „Grenzland“ stammen von Martina Wildner selbst.

Inhalt:

Agnes ist 15 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern sowie ihrer Schwester Jenni und der kleinen Wilma in einem Haus. Nachts kann sie in letzter Zeit oft nicht schlafen, und eines Nachts schleicht sie sich, als sie wach geworden ist, ins Wohnzimmer und schaltet den Fernseher ein. Sie wählt das Programm Nr. 87 und ist erstaunt, als ihr eine Frau mit drei Augen entgegenblickt. Doch noch erstaunlicher ist, dass die Frau sie anscheinend versteht und ihr Anweisungen gibt.

Das Schauspiel wiederholt sich mehrere Nächte – tagsüber ist im Kanal 87 nichts zu sehen – und Agnes fragt sich, was da eigentlich los ist und ob sie das alles nicht nur träumt. Dann gibt ihr die dreiäugige Frau, die sich Lestia Thumb nennt, den Auftrag, am nächsten Tag zu einem bestimmten Haus zu gehen und dort unter einer bestimmten Nummer etwas abzuholen.

Und wirklich, als Agnes am nächsten Morgen das Haus sucht, findet sie es und bekommt dort unter Angabe ihrer Nummer ein Kästchen überreicht, in dem sich ein kleines Messer befindet. Schon bald erfährt sie, dass sie mit Hilfe des kleinen Messers eine andere Welt betreten kann, indem sie sich in den Arm schneidet. Lange überlegt Agnes, ob sie das wirklich versuchen soll, macht es aus Neugierde dann jedoch wirklich. Und tatsächlich: Agnes findet sich in einer seltsamen Spielwelt wieder, in der sie auch Matti, einen interessanten Schulkameraden, der sie immer so nett anlächelt, wieder trifft.

Bald bekommt Agnes mit, dass es in der anderen Welt darum geht, in unergründlichen Spielen vorwärts zu kommen, um am Ende den Hauptpreis zu erlangen. Doch dafür bezahlt das Mädchen einen hohen Preis: Die Schnitte am Arm werden immer mehr und verheilen nicht gut. Agnes muss sie vor ihren Eltern verstecken …

Bewertung:

Der Titel von Martina Wildners neuem Buch ist auch Programm: „Grenzland“ ist ein Jugendroman, in dem sich Seltsames zuträgt – die Wirklichkeit und eine Traumwelt verschwimmen ineinander. Das kennt man schon aus anderen Büchern der Autorin, die ähnlich angelegt sind und immer etwas mit Parallelwelten zu tun haben. Auch die Figuren sind bei den Büchern von Martina Wildner, die ich gelesen habe, immer Mädchen.

„Grenzland“ hat mich sehr an „Six“, den letzten Roman von Martina Wildner, erinnert, den ich in einigen Punkten etwas seltsam fand. Und so ging es mir auch mit „Grenzland“. Die Bücher ähneln sich in vielem schon sehr: War es in „Six“ Luzie, ein Mädchen in besten Pubertätsjahren, das Wirklichkeit und Fantasie nicht mehr auseinanderhalten konnte, so ist es diesmal Agnes, der es ähnlich geht. Und die Parallelwelt ist auch in „Grenzland“ reichlich abstrus und geheimnisvoll. Beim Lesen stellte sich bei mir das Gefühl ein, dass ich die Geschichte in einer ähnlichen Spielart schon einmal gelesen hatte. Diese Beobachtung bezieht sich auch auf den Sprachstil, der in „Grenzland“ dem von „Six“ sehr ähnelt.

Martina Wildners neues Jugendbuch ist eine sehr bizarre Geschichte – man überlegt beim Lesen immer wieder, welch tieferer Sinn sich hinter dem Fiktion-Realitäts-Spiel verbirgt. Aber eine eindeutige Antwort bleibt dem Leser verwehrt. Man fragt sich, ob Agnes ein Mädchen ist, das sich einfach nur ritzt und dabei in seinen Gefühlen in eine andere Welt abgleitet – aber letztendlich greift ein solcher Erklärungsansatz zu kurz. Und somit bin ich am Ende des Romans etwas ratlos geblieben und habe mich gefragt, was das alles nun zu bedeuten hat.

Dass „Grenzland“ dabei – vor allem auf der Zielgerade – eine gewisse Spannung verbreitet, weil man sich fragt, wie das Buch wohl ausgehen mag, sei nicht verschwiegen. Die letzten Seiten des Buches gehören dabei zu den Stärken des Buches, auch wenn das Rätsel um die Bedeutung der Geschichte nicht aufgelöst wird.

Fazit:

3-einhalb von 5 Punkten. Martina Wildners neuester Jugendroman steht in der Tradition ihrer früheren Bücher und erscheint mir als Geschichte dabei etwas runder als „Six“ zu sein. Dennoch: So richtig gepackt hat mich das Buch nicht. Das Verwirrspiel um Wirklichkeit und Fantasie hat seinen Reiz, sofern man sich darauf einlassen kann – aber für eine wirklich gute Bewertung ist mir „Grenzland“ doch zu sehr nach dem gleichen Muster wie die früheren Romane der Autorin gestrickt.

Die kleinen Illustrationen, die sich immer wieder in dem Buch finden, sind künstlerisch gelungen und passen gut zum Inhalt des Buches. Überhaupt sind die Bücher in der Reihe „Die Bücher mit dem blauen Band“ einfach Schmuckstücke der Buchkunst – das gilt insbesondere auch für „Grenzland“, das von der Seitenzahl über die Kapitelnummerierung bis hin zu den schon erwähnten Illustrationen stilvoll gemacht ist. Doch die Geschichte selbst ist mir alles in allem doch etwas fremd geblieben, und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.

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(Ulf Cronenberg, 12.10.2009)

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