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Kurzrezension: Matt Whyman “Inside the Cage”

Cover WhymanLesealter 13+(Kosmos-Verlag 2009, 313 Seiten)

Habe ich da irgendwas versäumt? Matt Whymans „Inside the Cage“ wird, wie man auf dem Cover lesen kann, von Christopher Key empfohlen – bloß, wer ist Christoper Key? Mir sagt das nichts … Vielleicht ist das aber eine erfundene Person.

„Inside the Cage“ ist in der Reihe „21st Century Thrill“ erschienen, einer neuen Sparte des Kosmos-Verlags, in der angeblich brisante Themen unsere Jahrhunderts aufgegriffen werden sollen: Terrorismus, Menschenrechte, Klonen oder Biowaffen. „Für alle, die sich für gesellschaftliche Brennpunktthemen interessieren“, heißt es dazu auf der Webseite der Reihe. Na, wenn einem angesichts des hehren Anspruchs da mal nicht schwindlig wird …

„Inside the Cage“ handelt von Carl Hobbes, einem 17-jährigen Jungen aus England, der das Hacken von Computern als Hobby hat. Und Carl gelingt das eigentlich unmöglich Geglaubte: Er überwindet die Sperren von Fort Knox, dem Goldbarren-Bunker der USA. Doch plötzlich ist ihm der Geheimdienst auf den Fersen und nimmt den Jungen gefangen. Beim Verhör wird er quasi gezwungen, freiwillig der Verlegung in ein Gefängnislager zuzustimmen. Doch das entpuppt sich als Internierungslager auf einer arktischen Insel, die zu Norwegen gehört und auf die er verschleppt wird.

Sein bisher eher beschauliches Leben ist vorbei, und Carl wird in dem Internierungslager mit dem Namen Camp Twilight, aus dem es angesichts der Abgeschiedenheit in der arktischen Kälte kein Entrinnen gibt, nicht gerade gut behandelt. Dabei ist Carl bereit, mit dem Geheimdienst zu kooperieren und alles zu erzählen. Er hat Fort Knox eher im Sinne eines Sports gehackt – doch schon bald stellt sich heraus, dass ihm das niemand glaubt. Denn an seinen Dateneinbruch haben sich andere mit terroristischem Hintergrund geheftet und Goldbarren aus Fort Knox entwendet. Der Geheimdienst nimmt ihm nicht ab, dass er nichts davon wusste. Ein Albtraum beginnt für den 17-Jährigen …

Ja, das klingt nicht nur sehr spannend, sondern ist es auch. In Matt Whymans Buch geht es hoch her: Die Gefangenen in Camp Twilight werden rund um die Uhr von Bewaffneten bewacht, die Temperaturen von unter 25° C machen einen Ausbruch unmöglich, und die Wärter leben an den Gefangenen immer wieder ihre sadistische Ader aus. Carl macht die Erfahrung, dass er sich mit seiner Naivität in eine ausweglose Situation manövriert hat, und zerbricht fast daran, weil ihm niemand diese Naivität abnimmt. Klaustrophobische Gefühle kommen da sogar beim Lesen auf, wenn Carl in einer Art Käfig gehalten wird und den Gefängniswärtern gnadenlos ausgeliefert ist.

Dass das Buch auf einen Ausbruchsversuch von Gefangenen hinausläuft, kann man sich denken – und so kommt es auch. Doch das alles ist wesentlich vertrackter und komplizierter, als man erwartet – denn die Gefangenen ziehen nicht an einem Strang. War „Inside the Cage“ (Übersetzung: Michael Kohlhammer) bis dahin psychologisch packend, weil man sich sehr gut in die Ausweglosigkeit von Carl einfühlen konnte, so ist seltsamerweise der groß angelegte Showdown die eigentliche Schwäche des Buches. Denn als Leser kann man kaum noch Schritt halten.

Was die Figuren angeht, so kann man ihren Winkelzügen noch ganz gut folgen, doch in Bezug auf die Umgebung in Camp Twilight wird alles so kompliziert, dass ich beim Lesen einfach keine Bilder mehr im Kopf hatte. Die Brandschutztore, die Bodenklappen, über die die Gefangenen ins Freie komme, die Sicherheitstüren und -räume – ich konnte mir das alles irgendwann nicht mehr vorstellen. Und damit wird die Handlung leider zunehmend fahriger. Das ist schade, denn bis auf die letzten 100 Seiten hat mich das Buch wirklich gefesselt – beim Höhepunkt bin ich dann jedoch innerlich etwas ausgestiegen, weil meine Vorstellung den Geschehnissen nicht mehr so recht folgen konnten.

Fazit:

3-einhalb von 5 Punkten. Ob „Inside the Cage“ den hohen Anspruch, ein Buch für Jugendliche, die an gesellschaftlichen Brennpunktthemen interessiert sind, einhalten kann, wage ich zu bezweifeln. Für mich ist das Buch eher ein Thriller, der es in sich hat. Packend dürfte das vor allem für Jungen ab 13 oder 14 Jahren sein, die Spannung als Leseanreiz brauchen.

Leider übertreibt Matt Whyman an der Stelle, auf die alles hinausläuft: den Höhepunkt – eine Schwäche, der leider immer wieder Thriller zum Opfer fallen. Hier geht es drunter und drüber, und als Leser steht man dann etwas ratlos da, weil man sich das alles nur noch begrenzt vorstellen kann. Ein bisschen weniger Tempo und Komplexität beim Finale hätte dem Buch gut getan.

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(Ulf Cronenberg, 03.10.2009)

Kommentare (0)

  1. Charlotte

    Das Buch ist richtig gut …
    Ich habe nur 3 Tage dafür gebraucht, so sehr hat es mich gefesselt.

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  2. Hussein Kachmar

    Wer war der Übersetzer des Buchs?

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    1. Ulf Cronenberg (Beitrag Autor)

      Michael Kohlhammer!
      Kleiner Tipp am Rande: Nach dem Buch z. B. bei Amazon gucken, dort steht das meist auch.

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