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Buchbesprechung: David Fermer “Justice”

Cover FermerLesealter 13+(Thienemann-Verlag 2009, 247 Seiten)

Eine gute Woche ist es her, dass ich „Im Schatten des Zitronenbaums“ von der Südafrikanerin Kagiso Lesego Molope besprochen habe – ein Buch, das die Zeit am Ende der Apartheid in Südafrika schildert. David Fermers Buch spielt ebenfalls in Südafrika, allerdings ein paar Jahre später, beschäftigt sich jedoch auch mit dem Ende der Rassentrennung und der Aufarbeitung ihrer Folgen.

Im Gegensatz zu Kagiso Lesego Molope ist David Fermer allerdings Engländer (beschreibt das alles also eher von außen), lebt seit vielen Jahren jedoch in Deutschland. Von Südafrika war der Autor jedoch schon immer fasziniert, und hat deswegen sein neues Buch in dem Land angesiedelt.

Inhalt:

Das Ende der Apartheid in Südafrika liegt eineinhalb Jahrzehnte zurück, und der so genannte Apartheid-Mörder hält das Land in Atem. Zehn Menschen hat er bereits erschossen und ist bisher nicht gefasst worden. An den Tatorten findet man jeweils Zettel mit Namen von Menschen, die zur Zeit der Apartheid getötet wurden. Es sieht so aus, als wollte jemand im Nachhinein Rache an bisher davongekommenen Tätern aus der damaligen Zeit üben.

Milan ist ein weißer Junge in der Oberstufe, der mit seinen Eltern, beide erfolgreiche Geschäftsleute, in einem der besseren Wohnviertel von Kapstadt lebt. Es gibt vor allem einen seiner Lehrer, den er aus zwei Gründen bewundert: Herr Stein ist Geschichtslehrer aus vollem Herzen und versucht seine Schüler zum Nachdenken zu bringen – darunter auch über das Unrechtsregime der Apartheid. Außerdem trainiert der Lehrer die Drachenboot-Mannschaft der Schule, bei der Milan einer der erfolgreichsten Ruderer ist.

Als die Putzfrau seiner Eltern krank ist, lernt Milan Zeni kennen, die ihre Mutter vertritt und die Wohnung putzt. Milan ist sofort hin und weg von dem farbigen Mädchen und will sie unbedingt wiedersehen. Nach erstem Zögern, weil Zeni aus ganz anderen Verhältnissen stammt, treffen sich die beiden immer wieder und freunden sich an. Milan lernt bald auch Zenis Familie kennen, die in einer Township, einem armen Schwarzenviertel, lebt.

Von Zeni erfährt er auch, dass ihr Vater, der Polizist war, auf einer Razzia kurz vor ihrer Geburt erschossen wurde. Kurz darauf bekommt Milan außerdem mit, dass sein Großvater, den er bewundert, keine ganz reine Weste hat. Auch wenn er in der Gegenwart Farbigen gegenüber fair und respektvoll auftritt, so hat Milans Vater früher anscheinend die Nationale Partei, die für die Apartheid verantwortlich war, unterstützt. Für Milan ist das ein Schock – und das Thema der Unterdrückung und Verfolgung von Farbigen durch die Weißen begegnet ihm noch öfter …

Bewertung:

Ein spannendes Buch hat David Fermer geschrieben, auch wenn es zunächst gar nicht danach aussah. Denn zu Beginn (vom Einstiegskapitel abgesehen) steht die Freundschaft zwischen Zeni und Milan im Vordergrund des Buches. Man erfährt als Leser viel über die Lebensumstände in Südafrika sowie die Unterschiede zwischen der farbigen und weißen Bevölkerung. Milan wird dabei als ein Junge geschildert, der vieles von dem, was er über die Apartheid erfährt, nicht nachvollziehen und verstehen kann.

Doch der zweite Teil von „Justice“ hat es dann in sich: Das Buch entwickelt sich zu fast so etwas wie einem Thriller, und man will den Jugendroman gar nicht mehr aus der Hand legen. Nicht nur, dass Milan auf die nicht ganz so weiße Weste seines Großvaters gestoßen wird, der Junge wird außerdem mit dem Apartheid-Mörder (mehr sei aber nicht verraten!) konfrontiert. Das alles katapultiert Milan aus seiner bisherigen Weltsicht, der Junge überdenkt viele seiner Ansichten und gerät in Dinge hinein, die einen Schuh zu groß für ihn sind.

„Justice“ ist somit spannend von David Fermer inszeniert und wird jugendlichen Lesern durchaus gefallen. Und dennoch: Ein paar Bedenken habe ich dem Buch gegenüber trotzdem. Zum einen fehlt es David Fermers Schreibstil ein wenig an literarischer Kraft. Virtuos geschrieben ist das Buch zumindest nicht – das Adjektiv „solide“ beschreibt den Stil des Buches wohl eher. Zum anderen frage ich mich, ob die Veränderung von Milans Wesen im Laufe des Buches nicht etwas sehr auf die Spitze getrieben wird. Ein wenig bleibt hier – das ist mein Eindruck – die psychologische Plausibilität auf der Strecke. Und schließlich lässt David Fermer eine der Nebengeschichten, nämlich die um Milans Großvater, irgendwann völlig links liegen. Man legt das Buch aus der Hand und fragt sich, wie das nun eigentlich mit Milans Großvater weitergegangen ist.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Die von mir aufgeführten Bedenken sind sicher eher die eines erwachsenen Lesers, der dem Buch kritisch auf die Finger schaut. Dennoch: Ganz außer Acht lassen sollte man solche Dinge nicht, wenn man ein Buch bespricht. Von meinen Bedenken abgesehen halte ich „Justice“ jedoch für ein Buch, das einerseits geschickt die Zeitgeschichte Südafrikas und ihre Auswirkungen bis heute, andererseits eine spannende Handlung mit Thriller-Elementen miteinander verbindet.

Jugendlichen ab 13 Jahren dürfte „Justice“ somit durchaus gefallen – und nebenbei (das kurze Glossar am Ende des Buches hilft wissbegierigen Lesern ein bisschen weiter) erfährt man einiges über die Rassentrennung in Südafrika. Während „Im Schatten des Zitronenbaums“ von Kagiso Lesego Molope das Thema eher still und für Mädchen geeignet aufgreift, spricht David Fermers Buch sicher eher Jungen an. Über das Unrechtsregime der Apartheid erfährt man aber in beiden Büchern etwas …

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(Ulf Cronenberg, 30.09.2009)

Kommentare (0)

  1. Thomas

    Tolles Buch!!! LG

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  2. Mirsad

    Ich hasse Bücher und lese sie normalerweise nicht. Aber dieses Buch ist einfach KLASSE!

    Antworten

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