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Buchbesprechung: Bernard Beckett “Das neue Buch Genesis”

Cover BeckettLesealter 15+(Script5-Verlag 2009, 172 Seiten)

Gute und packende Science-Fiction-Bücher sind unter den Jugendbüchern eher eine Seltenheit. Das wundert mich immer ein bisschen, weil es so viele Themen gibt (Gentechnik, Klimaerwärmung, Terrorismus etc.), bei denen es durchaus sinnvoll wäre, weitere Entwicklungen fiktiv in einem Roman durchzuspielen und so bei Jugendlichen Sensibilität für wichtige Gegenwartsfragen zu wecken. Denn genau das vermögen gute Science-Fiction-Bücher …

„Das neue Buch Genesis“ gehört jedenfalls zum Science-Fiction-Genre, und vorweggenommen sei schon einmal, dass es interessante, aber auch nicht ganz einfache philosophische Fragen aufwirft.

Inhalt:

Anaximander lebt in der fernen Zukunft in einer ruhigen und friedvollen Zeit. Doch das war nicht immer so. Schlimme Kriege und Seuchen haben zuvor die Menschheit heimgesucht. Das Mädchen hat sich auf einen Platz in der angesehenen Akademie beworben, die so etwas wie das oberste Beratungsgremium für die Gesellschaft darstellt. Lange Zeit hat Anax, wie sie kurz genannt wird, sich auf die fünfstündige mündliche Prüfung vorbereitet. Die Prüfungskommission besteht aus einem dreiköpfigen Team, das für seine gnadenlosen Fragen bekannt ist. Dennoch fühlt sich Anax, weil sie von Perikles, ihrem Lehrer, darauf vorbereitet wurde, gut für die Prüfung gewappnet.

Ihr Prüfungsthema lautet „Das Leben und die Zeit von Adam Forde, 2058 bis 2077“. Dieser hatte die große Revolution für die Menschheit vorangetrieben und spielte damit in der Geschichte eine maßgebliche Rolle. Doch die Prüfer überraschen Anax zunächst mit eher abseitigen Fragen über die geschichtlichen Hintergründe der damaligen Zeit. Weil Anax sich auf diesem Gebiet nicht ganz so sicher ist, kommt das Mädchen zunächst ins Schwitzen und muss improvisieren.

Doch nach einiger Zeit fühlt sich Anax dann in ihrem Element, als sie den Prüfern endlich über das Leben Adam Fordes berichten soll. Sie fordern von Anax umfangreiche Analysen der damaligen Geschehnisse – doch das bringt das Mädchen nicht aus der Fassung. Dennoch ist sie sich nicht sicher, ob sie die Prüfung, die nur sehr wenige schaffen, bestehen wird …

Bewertung:

Vielleicht klingt die Zusammenfassung des Buches etwas spröde, aber das ist „Das neue Buch Genesis“ (Übersetzung aus dem Englischen: Christine Gallus) ganz bestimmt nicht. Der Großteil des Science-Fiction-Romans besteht aus dem Prüfungsdialog, bei dem Anax weit ausholend auf die Fragen der Prüfer antwortet. Das ist alles sehr geschickt gemacht, denn die Handlung spielt sich so auf zwei Ebenen ab: Zum einen erzählt Anax ausführlich über wichtige Stationen aus dem Leben Adam Fordes – und auf diese Art und Weise wird eindrücklich über die Vergangenheit und ihre Krisen berichtet. Zum anderen behandelt das Buch natürlich die Gegenwart, wo die Prüfer undurchdringliche und bedrängende Fragen stellen und Anax sich immer wieder fragt, ob ihre Antworten den Anforderungen genügen.

Das eigentliche Hauptthema des Buches liegt jedoch etwas tiefer und ist aus dem bisher hier Geschriebenen gar nicht ersichtlich geworden. Denn Adam Forde war ein Revolutionär, der jedoch, weil er sich als Grenzsoldat nicht an die Vorgaben gehalten hatte, gefangen genommen wurde. Und anstatt ihn der Todesstrafe auszusetzen, wurde er zum Teil eines großen wissenschaftlichen Experiments mit künstlicher Intelligenz. Monatelang wurde er mit Art, einem selbstlernenden künstlichem Wesen, in eine Zelle gesperrt. Die Gespräche zwischen den beiden wurden durch Kameras und Mikrofone aufgezeichnet und stellen die wichtigsten Informationen zu Adam Forde dar.

Die Gespräche zwischen Art und Adam bilden letztendlich das Schwerpunktthema des Buches – und hierbei geht es um durchaus philosophische Fragen, denn die beiden diskutieren und ringen um die Frage, ob eine Maschine auch Denken kann. Adam wehrt sich Art gegenüber in endlosen Diskussionen dagegen, dass dem so sei – während Art natürlich seine Intelligenz zu verteidigen versucht.

Am Ende kommt dann alles ganz anders als erwartet – und zwar in beiden Handlungssträngen. Die Geschichte von Art und Adam nahm – wie man erfährt – eine öffentlich nicht bekannte, unerwartete Wendung, von der Anax auch nichts wusste, sondern wovon sie erst in der Prüfung erfährt. Und das verändert auf einmal auch die Prüfungssituation radikal und stellt alles auf den Kopf. Bernard Beckett ist es damit zweifelsohne gelungen, den Leser zu überraschen, und der Schluss verleiht dem Buch einen besonderen Kick.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. „Das neue Buch Genesis“ ist kein einfaches Buch. Nein, es fordert den Leser, denn manche der Dialoge zwischen Art und Adam sind komplex und nicht immer leicht nachzuvollziehen. Vielleicht hat es Bernard Beckett – und das ist mein einziger Kritikpunkt an dem Buch – da manchmal etwas übertrieben …

Doch ansonsten ist „Das neue Buch Genesis“ ein unerwartet packendes Buch, das alles hat, was ein gutes Science-Fiction-Buch mitbringen muss: Es ist spannend, stellt philosophische Fragen, hat psychologische Finesse und ein Ende, das einen als Leser ein klein wenig verstört zurücklässt. Was will man mehr?

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(Ulf Cronenberg, 13.09.2009)

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