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Kurzrezension: Paro Anand “Heldenspiel”

Cover AnandLesealter 13+(Fischer-Verlag 2009, 208 Seiten)

Im Nachwort erläutert Jochen Buchsteiner am Ende von Paro Anands „Heldenspiel“ die Hintergründe des Kaschmir-Konflikts – und das ist auch gut so. Denn nicht viele Leser dürften wissen, worum genau es da geht. Es kann also nicht schaden, „Heldenspiel“ mit dem Nachwort zu beginnen, denn das Buch der Inderin Paro Anand spielt in Kaschmir und zeigt auf, wie Jugendliche gezielt für den Terrorismus angeworben werden. Ein aktuelles Thema, auch wenn der Kaschmir-Konflikt in den Medien derzeit kaum präsent ist.


Die Hauptperson des Buches, der Junge Aftab, trifft sich im Geheimen mit Akram und dessen drei weiteren Gefolgsleuten. Gemeinsam wollen sie den Indern, die das Gebiet besetzt halten, etwas entgegensetzen und träumen von einem großen Anschlag, durch den sie berühmt werden. Aftabs Eltern, die jegliche Gewalt ablehnen, wissen von all dem nichts, auch wenn sie sich manchmal wundern, wo ihr Sohn sich herumtreibt.

Akram ist ein beschriebenes Blatt, hat schon an mehreren geheimen Operationen mitgewirkt und Bombenanschläge geplant. Für Aftab ist er das große Vorbild – und Akram versteht es, geschickt diese Sympathie Aftabs für seine Person zu nutzen.

Doch dann kommt es zu Problemen, als Aftab und Akram in ein Teehaus gehen wollen. Der Besitzer ruft das Militär, weil er Akram für verdächtig hält – und schon sind die beiden auf der Flucht. Akram flieht in eine Höhle in den Bergen, während Aftab nach Hause geht, dort aber von einem Offizier verhört wird. In seiner Not erfindet er mit Unterstützung seiner großen Schwester Shazia eine Lügengeschichte – doch der Offizier ahnt, dass da was nicht so ganz stimmt, und lässt Aftab bewachen …

Das Buch der Inderin Paro Anand versucht, der Frage auf den Grund zu gehen, warum Jugendliche sich Terroristen anschließen. Es wird geschildert, wie der verschlagene Akram Aftab an sich bindet und ihn für seine Zwecke nutzt. Doch letztendlich ging es mir beim Lesen so, dass ich dabei etwas psychologische Tiefe vermisst habe: Die Figuren in „Heldenspiel“ bleiben etwas eindimensional. So richtig beantwortet das Buch damit die wichtige Frage, warum Jugendliche gewaltbereit sind, meiner Meinung nach nicht.

„Heldenspiel“ ist ein Buch, das nach und nach immer spannender wird. Man will wissen, wie es mit Akram nach dessen Flucht weitergeht, ob es Aftab gelingt, mit seinen Lügen durchzukommen. Zwischendrin macht man sich auch die Hoffnung, dass Aftab dem Terrorismus absagen könnte – doch es ist gut so, dass das Buch nicht diesen Weg einschlägt. Im Gegenteil: Hinter allem steckt wesentlich mehr; denn Aftabs vordergründig so vernünftige Schwester Shazia kennt – wie sich herausstellt – Akram und hat sogar eine Liebesbeziehung mit ihm.

Doch genau das erscheint mir dann doch etwas zu konstruiert: dass es Shazia gelungen ist, zwei Jahre lang die Verbindung zu Akram geheim zu halten. Und wenn dann zu guter Letzt Shazia auch noch ein Kind von Akram erwartet (ja, ich weiß, ich verrate nun schon etwas sehr viel), dann ist das doch zu viel des Guten …

Fazit:

2-einhalb von 5 Punkten. „Heldenspiel“ ist ein Buch, das ein wichtiges Thema aufgreift, es aber meiner Meinung nach nicht tief genug behandelt. Es fehlt dem Buch an psychologischer Kraft – die Autorin kann nicht genug in die Seelen ihrer Figuren schauen.

Zugute halten muss man Paro Anands Buch, dass es spannend ist; auch weiß es die Gewalt und ihre Auswirkungen gut zu schildern – aber leider werden im Laufe der Handlung zu viele Klischees bedient. Und das wertet „Heldenspiel“, das gute Ansätze hat, dann doch wieder ab.

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(Ulf Cronenberg, 04.09.2009)

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