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Buchbesprechung: Gayle Friesen “Das auch noch!”

friesen_auchdasnochLesealter 14+(Jacoby & Stuart-Verlag 2009, 208 Seiten)

Wenn ich vom Cover ausgegangen wäre, hätte ich das Buch der Kanadierin Gayle Friesen wohl nicht gelesen. Es ist mir, ehrlich gesagt, zu kitschig. Doch da „Das auch noch!“ das zweite Jugendbuch (neben Erik L’Hommes “Phænomen”) ist, das Jacoby & Stuart in diesem Frühjahr herausgebracht hat, wollte ich mir doch mal genauer anschauen, was der noch junge Verlag denn da auf den Markt bringt.

Inhalt:

Die 16-jährige Jes lebt im Chaos einer Patchwork-Familie. Ihre Eltern haben sich getrennt, und ihre Mutter lebt seit kurzem mit Cal zusammen, der eine gleichaltrige Tochter (Angela) mit in die Familie bringt. Und Angela hat es in sich: Nicht nur, dass sie bildhübsch und bei allen beliebt ist, auch sonst scheint sie in allem perfekt zu sein. Im Gegensatz zu Jes’ Zimmer ist das von Angela immer vorbildlich aufgeräumt.

Eines Tages halten Jes’ Mutter und Cal unerwartet eine Familienkonferenz ab – und die wesentliche Botschaft wird Jes und Angela mit den Worten „Wir sind schwanger!“ vermittelt. Das wirbelt die zusammengewürfelte Familie weiter durcheinander: Im beengten Haus der Familie soll in Jes’ Zimmer eine Wand versetzt werden, so dass für das zu erwartende Baby Platz geschaffen wird.

Aber auch sonst ist einiges los in Jes’ Leben: Ihre beste Freundin Dell ist mit Marshall zusammen, doch der ist ein großer Mädchen-Aufreißer und wird irgendwann dabei beobachtet, wie er mit Angela herumknutscht. Jes selbst ist dagegen in Sam, einen guten Freund, den sie schon lange kennt und mit dem sie viel unternimmt, verliebt. Doch als sie mit Sam ihr erstes Date hat, läuft das gründlich schief …

Bewertung:

„Das auch noch!“ (Übersetzung: Gerold Anrich und Martina Instinsky-Anrich) hat es mir anfangs nicht leicht gemacht, das Buch zu mögen. Auf den ersten Seiten ist das Buch für meinen Geschmack deutlich zu aufgedreht. Jes als Erzählerin berichtet einleitend von ihrem Leben, kommentiert alles wortreich und bemüht sich dabei witzig zu sein. Doch das alles wirkt etwas aufgesetzt. Auf beine jeden dritten Satz folgt eine Klammer, die den Satz kommentiert, und das ist mitunter etwas nervig.

Doch mit der Zeit verliert sich das glücklicherweise, als hätte sich Gayle Friesen erst warm schreiben und ihren Stil finden müssen. Nach einem Drittel der 200 Seiten hat mir das Buch dann doch noch gefallen und ich habe der Geschichte durchaus einiges abgewinnen können. Der anfänglich etwas übertriebene Witz wird treffsicherer, und man muss beim Lesen immer wieder lachen: angesichts von Jes’ Kommentaren sowie wegen den Dingen, die passieren. Es gibt nicht viele Jugendbücher, die das Leben in einer Patchwork-Familie, wenn ich auch in diesem Fall etwas übertrieben, thematisieren.

Am Ende hat man Jes, ja sogar Angela, aber auch die anderen Figuren in dem Buch lieb gewonnen. Da stört es dann schon fast nicht, dass sich die Geschichte meiner Meinung nach auf den letzten Seiten etwas zu sehr in Friede, Freude, Eierkuchen auflöst. Auch wenn dahinter natürlich ein Jugendroman steht, der die Entwicklung eines Mädchens nachzeichnet, das lernt, mit Problemen umzugehen und am Ende zu sich selbst findet – vielleicht hätte Gayle Friesen die Lösung am Schluss nicht gar so einvernehmlich gestalten müssen …

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Das auch noch!“ ist eindeutig ein Mädchenbuch, und zwar eines das am Anfang etwas zu dick aufträgt, dann zunehmend besser wird, um am Ende wieder etwas nachzulassen. In der Mitte des Buches wird man jedoch hervorragend unterhalten. Und wahrscheinlich kommt das Happy End lesenden Mädchen (ab 14 Jahren) auch durchaus entgegen. Doch ein bisschen werden dabei – so sehe ich das zumindest – die wirklichen Schwierigkeiten von Patchwork-Familien heruntergespielt, wo sich eben nicht immer alles in Wohlgefallen auflöst.

Gayle Friesens Jugendbuch lebt von seinen Figuren, vom Witz der Erzählerin und natürlich von dem Kuddelmuddel der Patchwork-Familie. Und alles in allem kann man das Buch trotz der vorgetragenen Bedenken durchaus als unterhaltsame Lektüre empfehlen.

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(Ulf Cronenberg, 13.06.2009)

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