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Buchbesprechung: Erik L'Homme “Phænomen”

Cover L'HommeLesealter 14+(Jacoby & Stuart-Verlag 2009, 520 Seiten)

Jugendbücher aus Frankreich findet man in der deutschen Literaturlandschaft eher selten … “Phænomen” von Erik L’Homme ist eines der wenigen Bücher, das den Weg in die deutschen Bücherregale gefunden hat – und zwar über den Verlag „Stuart & Jacoby“, der erst Anfang 2008 gegründet wurde und nun auch erste Jugendbücher in sein Programm genommen hat.

Erik L’Homme ist gut 40 Jahre alt, hat bereits eine Trilogie unter dem Titel „Das Buch der Sterne“ geschrieben und ist außerdem viel in der Welt herumgereist – und das kommt ihm für sein Buch (dazu gleich mehr) auch zugute …

Inhalt:

Violaine, Claire, Arthur und Nicolas leben in einer Klinik an einem Schweizer See, in der hoffnungslose Fälle von Kindern und Jugendlichen aufgenommen werden. Doch das, was man in den Prospekten der Klinik über deren pädagogisches und psychologisches Konzept liest, entspricht kaum der Realität. Die vier Jugendlichen werden nicht gerade gut von Pflegern und Ärzten behandelt – außer von Doktor Barthélemy, der respektvoll mit ihnen umgeht.

Eines Tages wird Claire Zeugin, wie drei unheimlich aussehende Männer den Doktor mitnehmen – und das Mädchen und ihre Freunde glauben, dass er entführt wurde. Sie durchsuchen das Zimmer von Barthélemy und entdecken ein geheimnisvolles Buch, das auch einen Zettel mit einem Rätsel enthält. Sie beschließen, aus der Klinik zu fliehen, um den Doktor zu suchen und ihn zu befreien. Als einzige Spur haben sie den Zettel des Doktors, und die Lösung des Rätsels führt sie zur Ruine einer Kirche in Frankreich.

Doch schon bald sind ihnen die drei vermeintlichen Entführer des Doktors auf der Spur und sie tun sich schwer, ihnen zu entkommen. Zu Hilfe kommt Violaine, Claire, Arthur und Nicolas, die sich oft kraftlos fühlen und seltsame Zustände wie geistige Absenzen haben, schließlich, dass sie nach und nach ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten entdecken. Violaine z. B. kann andere Menschen manipulieren, indem sie deren Aura sieht und beeinflusst, während Claire sich unter Gefahr unsichtbar schnell bewegen kann.

Es dauert nicht lange und die Vier werden in ein gefährliches Abenteuer hineingezogen, das sie nicht nur nach Paris und Südamerika führt. Doch professionelle Verfolger, die von einer Geheimorganisation beauftragt wurden, folgen ihnen auf Schritt und Tritt …

Bewertung:

Ein etwas ungewöhnliches Buch ist Erik L’Hommes Jugendroman “Phænomen” (Übersetzung: Stefanie Schäfer) schon – es erinnert eher an bestimmte Filme (wie z. B. „Die fantastischen Vier“ oder „X-Men“) mit Menschen, die außergewöhnliche übermenschliche Fähigkeiten besitzen, als an andere Bücher. In der Geschichte von “Phænomen“ passieren jedenfalls ziemlich ungewöhnliche Dinge, obwohl das Buch in der heutigen Zeit spielt …

Letztendlich ist “Phænomen” jedoch zunächst einmal ein dicker Abenteuerroman, der einen mit seinen gut 500 Seiten, die noch dazu großformatig und eher klein bedruckt sind, ziemlich lange an das Buch bindet. Eigentlich wollte ich in das Buch ja nur mal reinschauen, doch dann fand ich die Geschichte um Violaine, Claire, Arthur und Nicolas auf seine Art packend und habe immer weiter gelesen.

Erik L’Homme dürfte es jedenfalls mit seiner Story schaffen, jugendliche Leser durchaus zu fesseln und gut zu unterhalten. Es ist nicht nur die Geschichte, die am Anfang zunächst etwas träge ist, dann aber bald bis zur letzten Seite spannend bleibt, die Jugendlichen gefallen dürfte, sondern auch die Schauplätze des Buches sind interessant: Da reisen die Vier zunächst einmal nach Paris, dann weiter nach Südamerika und schließlich auch noch auf die Philippinen – immer an geheimnisvolle, mystische Orte und zugleich von Verfolgern bedroht. Die Schilderung dieser Orte ist Erik L’Homme gut gelungen – man merkt, dass der Autor selbst viel in der Welt herumgekommen, außerdem belesen ist. Auch der häufige Perspektivenwechsel – mal wird die Geschichte aus Sicht der vier Jugendlichen, mal aus der des Doktors oder der Verfolger erzählt – treibt die Geschichte voran und macht sie spannend.

Dass nebenbei auch noch ein wenig Kultur vermittelt wird, dass man auch etwas über den Überwachungsstaat sowie Geheimdienste erfährt (in sorgsam an den Kapitelenden eingefügten Textauszügen), hat mir außerdem gut gefallen.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Dem Cover nach, das nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht, hätte ich “Phænomen” wohl eher nicht gelesen – aber mich hatte jemand anderes gefragt, was ich von dem Buch halte, und dann bin ich darin hängen geblieben, obwohl ich in den Jugendroman eigentlich nur mal reingucken wollte.

Am ehesten wird man Erik L’Hommes Jugendbuch wohl gerecht, wenn man es als intelligente Unterhaltung bezeichnet. Man darf sich nichts wirklich Tiefschürfendes erwarten – aber die Spannung im Buch passt, die Zusatztexte und Ortsbeschreibungen sind anregend (ja, sie haben fast ein bisschen was von guter Reiseliteratur), so dass man letztendlich nicht von dem Buch loskommt. Alles in allem ist “Phænomen” ein mystisch angehauchter Thriller für Jugendliche, den man durchaus empfehlen kann.

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(Ulf Cronenberg, 29.05.2009)

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