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Buchbesprechung: Gabi Kreslehner “Charlottes Traum”

Cover KreslehnerLesealter 13+(Beltz & Gelberg-Verlag 2009, 117 Seiten)

Da kommt ein Buch neu heraus, und schon hat es einige Preise verliehen bekommen: vor der Veröffentlichung den Peter-Härtling-Preis der Stadt Weinheim (der anscheinend für das Manuskript vergeben wurde), den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg und einige mehr … Und erst vor ein paar Tagen wurde „Charlottes Traum“ vom Magazin „Bulletin Jugend & Literatur“ mit der Eule des Monats, also mit dem Preis für das beste Kinder- und Jugendbuch im Mai 2009, ausgezeichnet. Das ist in der kurzen Zeitspanne eine ganz schön große Ansammlung von Auszeichnungen für das erste Jugendbuch der Österreicherin Gabi Kreslehner. Klar, dass ich dieses Buch auch lesen musste …

Inhalt:

Charlottes Eltern haben sich getrennt, und die Mutter des 15-jährigen Mädchens zieht mit ihren drei Kindern (Charlotte hat zwei jüngere Brüder) in das Reihenhaus der Oma um, wo es recht beengt ist. An der Trennung der Eltern hat Charlotte ziemlich zu knabbern, auch weil sie das schöne Haus, in dem sie bisher gewohnt hat, mit den großen Ulmen davor vermisst.

Als Charlotte, aber auch ihre Mutter, auf der Hochzeit einer Verwandten schließlich den wahren Grund für die Trennung der Eltern erfährt – die neue Freundin ihres Vaters, noch dazu dessen Sekretärin, ist schwanger –, scheint auch Charlottes Mutter völlig aus der Bahn geworfen zu sein: Kurzerhand zieht sie mit ihren Kindern bei Rudi Melchior, einem früheren Nachbarn und Freund ihres Vaters, ein. Der nächste Wohnungswechsel für Charlotte, die noch immer an der Trennung der Eltern leidet …

Zugleich tut sich jedoch auch etwas in Charlottes Leben: Carlo, ein Junge, der in Italien aufgewachsen ist, kommt in ihre Klasse. Seine Mutter ist nach dem Tod ihres italienischen Mannes mit dem Jungen wieder nach Österreich gezogen. Für Carlo schwärmen sogleich alle Mädchen in der Klasse, und auch Charlotte gefällt er. Doch statt ihn weiter kennenzulernen, verschreckt sie Carlo mit ihrer brüsken Art zunächst einmal – sie weiß selbst nicht, warum sie sich so verhält. Doch Carlo scheint, Gott sei dank, nicht nachtragend zu sein …

Bewertung:

Dass „Charlottes Traum“ schon so von Preisen überschüttet wurde, kann ich nach Lektüre des schmalen Bändchens durchaus verstehen. Gabi Kreslehner hat ein Buch geschrieben, das frisch und unverbraucht daherkommt. Ich habe mich erst nach dem Lesen des Buches über die Autorin informiert, und war dann überrascht, als ich festgestellt habe, dass die Autorin schon über 40 Jahre alt ist. Das Buch ist in einem so unverfälscht jugendlichen Ton geschrieben, dass man meint, es müsste von einer noch recht jungen Autorin verfasst sein.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Charlotte erzählt, die in ein- bis vierseitigen Kurzepisoden immer wieder berichtet, was in ihrem Leben passiert. Sehr genau werden dabei die Gefühle eines 15-jährigen Mädchens beschrieben, das oft selbst nicht weiß, was es von allem, was um sie herum geschieht, halten und wie es damit umgehen soll. Die Stimmungsschwankungen von Charlotte sind dabei nicht übertrieben, sondern wirken sehr authentisch.

„Charlottes Traum“ nähert sich außerdem ganz behutsam dem Thema „Trennung der Eltern“ – das Mädchen macht die Erfahrung, dass die Erwachsenen oft weder die Liebe noch ihr ganzes Leben selbst im Griff haben. Vieles ist für Charlotte dabei unbegreiflich – erst am Ende, als die zarte Liebesgeschichte mit Carlo beginnt –, findet sie ein wenig zu sich selbst und ist dann auch bereit, mit der Trennung der Eltern klar zu kommen.

Faszinierend ist in dem Buch immer wieder die Sprache. Gabi Kreslehner schreibt erfrischend, nie langatmig, es gelingt ihr, ohne zu übertreiben, in sprachlichen Bildern die Stimmungen Charlottes einzufangen. Kein Wort ist hier zu viel, so dass „Charlottes Traum“ mit seiner angenehmen Kürze immer eindrücklich bleibt.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Gabi Kreslehners Erstlingswerk gehört eindeutig zu den guten Büchern, die dieses Jahr bisher erschienen sind. Man taucht für knapp zwei Stunden in die Lebenswelt einer 15-Jährigen ab, fiebert und leidet mit. Selten ist die Trennung der Eltern so unverfälscht aus der Sicht eines Mädchens beschrieben worden. „Charlottes Traum“ (ob das ein guter Buchtitel ist – darüber mag man streiten) bleibt dabei nicht beim Leiden eines Mädchens stehen, sondern zeigt auf, wie Charlotte langsam lernt, mit der Situation der Trennung zurechtzukommen. In kleinen Schritten lernt sie ihre Mutter verstehen und findet, nachdem sie auf beide Eltern lange wütend ist, langsam auch wieder zu ihnen zurück.

Schön, dass es solche sanften, Mut machenden Büchern gibt, die Jugendlichen ein bisschen Orientierung geben – und das ganz unauffällig und behutsam.

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(Ulf Cronenberg, 11.05.2009)

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