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Buchbesprechung: Eoin Colfer “Artemis Fowl – Das Zeitparadox”

colfer_artemis6.jpgLesealter 10+(List-Verlag 2009, 380 Seiten)

Von „Rotkäppchen muss weinen“ zu „Artemis Fowl“ – ein ganz schön weiter Sprung. Aber es ist ja gut, dass die Spannbreite von Kinder- und Jugendbüchern so groß ist.

Eoin Colfer kommt mit seinen Artemis-Fowl-Büchern das große Verdienst zu, auch 10- bis 12-jährige Lesemuffel an Bücher hinzuführen. „Das Zeitparadox“ ist der sechste Band der Reihe über den hochintelligenten und eingebildeten Jungen, der nicht gerade immer mit lauteren Mitteln seine Interessen und verrückten Ideen durchsetzt.

Inhalt:

Artemis Fowls Mutter ist ernsthaft erkrankt – und die reiche Familie versucht, alle möglichen Fachärzte, seien sie noch so teuer, zu Rate zu ziehen. Doch kein Arzt kann sagen, was mit Angeline Fowl los ist, und die Prognosen, dass sie noch lange zu leben hat, stehen schlecht. Artemis, der seit seinem letzten Abenteuer leichte magische Kräfte hat, versucht seine Mutter mit diesen zu heilen, doch es scheint ihm eher so, als würde der Versuch seine Mutter schwächen, als dass er sie gesünder macht.

Während sein Vater versucht, die besten Ärzte der Welt aufzutreiben, bemüht sich Artemis Fowl, Hilfe von den Unterirdischen zu bekommen: Er bittet die Elfe Holly, inzwischen eine gute Freundin von ihm, ins irische Schloss der Fowls zu kommen. Doch was diese mit Hilfe von Foaly, dem technikversessenem Zentauren, herausbekommt, ist erschreckend: Artemis‘ Mutter leidet an der Funkenpest, einer bei den Unterirdischen eigentlich ausgerotteten Krankheit. Artemis dämmert langsam, aber sicher, dass er mit seinen neuen magischen Fähigkeiten seine Mutter wohl angesteckt hat.

Leider ist das Heilmittel für diese Krankheit nicht mehr zu bekommen, da es von einer seltenen Lemuren-Art, die seit einigen Jahren ausgestorben ist, gewonnen wurde. Das Tragische daran ist, dass Artemis beteiligt daran war, als der letzte Lemur getötet wurde. Die einzige Möglichkeit, die Holly, Foaly und Artemis schließlich sehen, Artemis‘ Mutter zu retten, ist, über einen nicht ganz ungefährlichen Zeitsprung den Tod des letzten Lemuren, einer Halbaffen-Art, rückgängig zu machen. Und so begibt sich Artemis von Holly begleitet in die Vergangenheit, wo alles nicht so einfach ist, wie die beiden sich das vorgestellt hatten – denn sie bekommen es u. a. mit dem 10-jährigen Artemis Fowl und Butler, Artemis‘ Leibwächter, zu tun …

Bewertung:

Die Artemis-Fowl-Bücher verlocken so manchen Jungen, der sonst eher bücherflüchtig ist, zum Lesen – und das liegt an der richtigen Mischung aus Spannung, Charme und Witz sowie den Romanfiguren. Artemis Fowl als genialer, aber größenwahnsinniger Held, sein Leibwächter Butler, die trickreiche Elfe Holly und der technikversessene Zentaur Foaly – das Zusammenspiel der Personen funktioniert im Großen und Ganzen nicht nur im Buch, sondern passt auch für die Leser.

Die bekannten Stärken der Reihe sind auch in Band 6 vorhanden: Man muss über witzige Bemerkungen im Buch (z. B. dass Reiten Artemis‘ Lieblingssportart ist, weil dabei die Hauptarbeit das Pferd zu erledigen hat) immer wieder lachen, es gibt am laufendem Band Verwicklungen und unerwartete Probleme, die gelöst werden müssen, so dass das Buch spätestens ab Seite 100 spannend ist und bleibt.

Leider hat Eoin Colfer in „Das Zeitparadox“ auch die Schwächen der Vorgängerbände übernommen. Die Geschichte ist zu kompliziert und zu verwinkelt – und manchmal tut man sich schwer, all dem als Leser zu folgen. Eoin Colfer übertreibt einfach – und manchmal fragt man sich als Leser, ob man angesichts der ganzen Verwicklungen (durch die Zeitreise wird alles sehr kompliziert) überhaupt noch durchblickt.

Fazit:

4 von 5 Punkten. Schade, ich hätte mir gewünscht, dass Eoin Colfer mal den besten Artemis-Fowl-Band überhaupt schreibt – aber „Das Zeitparadox“ ist es leider auch nicht geworden. Das Buch hat die bewährten Stärken: Witz, Spannung, mehr oder weniger sympathische Figuren und einen hohen Wiedererkennungswert. Doch leider hat es auch die bewährten Schwächen: Die Geschichte ist – insbesondere durch den Zeitsprung – zu kompliziert, und mit jedem neuen Band scheint der irische Autor in dieser Hinsicht leider noch mal etwas draufzulegen. Eoin Colfer, finde ich, übertreibt eindeutig, so dass man am Ende fast nicht mehr durchblickt. Das wird Jungen ab 10 Jahren trotzdem nicht abhalten, „Das Zeitparadox“ zu lesen – ja, und verdient hat es das Buch seiner Stärken, seines Humors wegen alles in allem ja trotzdem.

„Artemis Fowl“: Das ist „James Bond“ für Leser ab 10 Jahren – wie die Bond-Filme eher für Jungen als für Mädchen interessant. Ansonsten geht das Warten auf den ultimativen Artemis-Fowl-Band weiter … Mein Favorit ist bisher nach wie vor Band 2 („Die Verschwörung“). Schade übrigens, dass Minerva, Artemis‘ Gegenspielerin aus dem letzten Band, es nicht wieder in den neuen „Artemis Fowl“ geschafft hat.

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(Ulf Cronenberg, 30.03.2009)

Kommentare (0)

  1. Anonym

    Hallo,
    ich wollte mich mal zu der Rezension äußern. Denn eigentlich finde ich die ganz gut, doch finde ich, dass das Buch eher für Ältere als für 10-Jährige geeignet ist. Vielleicht war das erste Artemis-Fowl-Buch noch für 10-Jährige etwas, aber ich finde, dass die Serie sich weiterentwickelt hat. So ist „Das Zeitparadox“ um einiges düsterer als die ersten Bände, da es zum Beispiel um den Tod von Artemis Mutter geht. Gut sieht man die Veränderung auch an Artemis. Artemis ist im ersten Teil trotz seiner Fiesheit noch ganz sympathisch, da es noch viel Humor gibt. Dies fehlt im neuen Teil, und der ältere Artemis ist auch nicht mehr sympathisch.
    Deshalb ist der Kritikpunkt, dass die Geschichte zu kompliziert ist, auch unpassend. Denn für ältere Leser ist die Geschichte nicht mehr zu kompliziert.

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