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Buchbesprechung: Ingvar Ambjørnsen “Morde in Barkvik”

Cover AmbjörnsenLesealter 14+(Sauerländer-Verlag 2009, 264 Seiten)

Nicht ganz zwei Jahre ist es her, dass ich Ingvar Ambjørnsens ersten Filip-Moberg-Roman mit dem Titel “Die Gangster von Steinsund” gelesen habe. Und im Großen und Ganzen war ich ganz angetan von diesem Jugendkrimi.

Der norwegische Schriftsteller, der seit längerer Zeit in Hamburg lebt, hat nun nachgelegt und einen zweiten Kriminalroman mit Filip Moberg und seinem Onkel Ernst als skurrile Detektive geschrieben. Mal sehen, was Band 2 zu bieten hat …

Inhalt:

In Barkvik, einem kleinem Kaff an der norwegischen Küste, ist an einem alten Mann ein brutaler Mord verübt worden: Mit einer Axt wurde der reiche ehemalige Reeder Kruuse am Kopf getötet – die Leiche und das Bett, in dem er aufgefunden wurde, waren über und über mit Blut beschmiert. Und der Mörder ist eigentlich auch schon dingfest gemacht: Es soll der Hausmeister von Kruuse, Håkon Leirvik, sein, der sich am Tag nach der Tat mit Blutspuren am Körper der Polizei stellt, die Tat jedoch leugnet. Aber die Axt, mit der Kruuse ermordet wurde, trägt seine Fingerabdrücke.

Eigentlich ist alles klar – und Ernst Moberg, der Reporter des heruntergekommenen Neuen Kriminaljournals ist, will nach Barkvik reisen, um über den Mordfall zu berichten. Seinen Neffen Filip, der inzwischen bei ihm wohnt, nachdem seine Eltern ein Scheidungsdrama hinter sich haben, will mitkommen – und trotz des Protests seines Onkels setzt er sich schließlich durch. Mit ihrem Wohnmobil fahren sie von Oslo aus nach Barkvik.

Die Verdachtsmomente sprechen gegen den Hausmeister: Leirvik, der für seine aufbrausende Art bekannt ist und sich inzwischen in Untersuchungshaft befindet, hat Kruuse wohl während eines mehrtägigen Saufgelages mit der Axt getötet. Doch als Ernst Moberg und Filip ein bisschen nachforschen, scheint es doch einige Ungereimtheiten zu geben. Deswegen wollen sie der Sache weiter auf den Grund gehen und finden einiges Seltsame über Leirvik, aber auch über Kruuse sowie diverse Dorfbewohner heraus. Und sollte der Mörder wirklich noch auf freiem Fuß sein, so leben u. U. nicht nur Filip und Ernst in großer Gefahr.

Bewertung:

Ingvar Ambjørnsens zweiter Filip-Moberg-Roman steht ganz in der Tradition des ersten Bandes. Als ich die Rezension von „Die Gangster von Steinsund“ noch einmal gelesen habe, wurde mir klar, dass ein Großteils des Lobes, aber auch der Kritik an dem Erstlingswerk auch für „Morde in Barkvik“ gilt.

Ambjørnsens neues Buch (Übersetzung: Gabriele Haefs) ist zumindest etwas für geübtere Leser. Sehr eloquent erzählt der 16-jährige Filip aus seiner Perspektive, was passiert. Durch den ganzen Kriminalroman zieht sich dabei seine ironische, oft zynische Erzählweise, die mit ihren vielen Anspielungen und Nebenbemerkungen ziemlich rasant ist. Nach einiger Zeit des Lesens ging es mir dabei so, dass mich die Sprache leicht genervt hat. Das war eine kleine Durststrecke – doch dann hab ich mich an den Ton des Buches gewöhnt und fand ihn zunehmend besser.

Was man schon ahnt: dass der Mord an Kruuse viel komplizierter als angenommen ist, wird bald deutlich. Wagemutig, manchmal unverschämt stochern Filip und sein Onkel Ernst in den Angelegenheiten der Leute in Barkvik in der Hoffnung herum, in ein Wespennest zu stechen. Und es lässt nicht lange auf sich warten, dass die Wespen – bereit zum Stechen – hervorschwirren.

Dass Filip dabei einige Alleingänge unternimmt, von denen sein Onkel Ernst nichts ahnt, gehört zu dieser packenden Geschichte dazu. Es ist am Ende auch der neunmalkluge Filip, der den wahren Begebenheiten hinter dem Mordfall auf die Spur kommt – allerdings nicht ohne Unterstützung zweier Mädchen, für die sich der Junge interessiert.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Die Stärken von Band 1 der Filip-Moberg-Reihe hat Ingvar Ambjørnsen in „Morde in Barkvik“ ein wenig ausgebaut – das Buch ist ein intelligenter Krimi für anspruchsvolle jugendliche Leser. Und dem norwegischen Autor gelingt es dabei, gut zu unterhalten.

Auch ein paar der Schwächen aus „Die Gangster von Steinsund“ hat Ingvar Ambjørnsen meiner Meinung nach leider behalten. Auch Band 2 bricht kurz nach der Lösung des Falls ziemlich abrupt ab und lässt den Leser, der gerne noch ein bisschen mehr über den Ausgang der Geschichte wissen würde, etwas im Regen stehen. Ebenso findet man auch in „Morde in Barkvik“ einen Sprachstil vor, der manchmal ein bisschen zu viel des Guten in seiner Eloquenz ist.

Doch das alles sind eher Kleinigkeiten – unterm Strick kann man Ingvar Ambjørnsens neuen Kriminalroman Jugendlichen ab 14 Jahren durchaus empfehlen.

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(Ulf Cronenberg, 26.02.2009)

P.S.: Eine abschließende Notiz am Rande: In dem Buch finden sich ein paar doppelte Leerzeichen, die zu großen Lücken zwischen den Worten führen, zu viel. Das ist mir noch nie bei einem Buch aufgefallen …

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