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Buchbesprechung: Felicitas Hoppe “Iwein Löwenritter”

Cover HoppeLesealter 10+(Fischer-Verlag 2008, 250 Seiten)

„Iwein“ ist eigentlich ein mittelalterlicher Artus-Roman von Hartmann von Aue, der kurz vor dem Jahr 1200 entstanden ist und den man heute, wenn man nicht Mittelhochdeutsch kann, kaum noch versteht. Die deutsche Sprache hat sich seitdem zu stark gewandelt. Felicitas Hoppe hat sich jedoch des mittelalterlichen Romans angenommen, ihm einen ausführlicheren Titel gegeben und ihn mit eigenen Worten, die auch für Kinder verständlich sind, nacherzählt. Mit vier Bildtafeln wurde das Buch von Michael Sowa noch verschönert.

Inhalt:

Iwein zählt mit seinem Freund Gawein zu den besten Rittern um König Artus – sie gehören beide der Tafelrunde des Königs an. Doch eigentlich führen die beiden ein recht eintöniges Leben am Hofe, unterhalten sich mit Turnieren, sitzen ansonsten aber meist an der Tafelrunde von Artus, wo man sich Geschichten erzählt. Als der Oberhofmeister Herr Keie Iwein einflüstert, er solle nach Ruhm und Ehre suchen, stößt das bei Iwein auf Gehör, und so macht sich der Beste aller Ritter noch am nächsten Morgen, ohne jemandem etwas davon zu erzählen, auf den Weg.

So kommt Iwein ins Land Nebenan und wird dort schließlich, weil er die Gewitterquelle geweckt hat, vom Burgherrn des Landes angegriffen. Iwein gelingt es, den Burgherrn zu besiegen, der sich jedoch halbtot noch bis in sein Schloss retten kann. Er folgt dem Burgherrn, der im Schloss seinen Verletzungen erliegt, wird dort jedoch gefangen genommen. Doch Iwein wird durch das Burgfräulein Lunete gerettet, indem sie ihm einen Ring gibt, der ihn unsichtbar macht. Als er unsichtbar durch die Burg streift, sieht er auch die Frau des toten Burgherrn: Laudine – und Iwein verliebt sich sofort in die wunderhübsche Frau.

Obwohl Iwein ihren Mann getötet hat, gelingt es ihm durch Beharrlichkeit, und weil er für Ehre und Ruhm als bester Ritter steht, Laudine zur Frau zu nehmen. Beide sind sehr glücklich miteinander – doch als König Artus mit seinen Gefolgsleuten Iwein auf der Burg besucht, ändert sich alles. Der listige Gawein, der Iwein u. a. um seine Frau beneidet, schafft es, diesen davon zu überzeugen, dass sie beide sich gemeinsam für ein Jahr auf Reisen begeben sollten, um Ruhm und Ehre zu mehren. Laudine will ihren neuen Ehemann zurückhalten, doch dieser lässt sich davon nicht abhalten. Ein folgenschwerer Fehler, der aus Iwein bald einen heimatlosen Ritter macht …

Bewertung:

Die Geschichte um Iwein Löwenritter ist ein ungewöhnliches Kinderbuch, weil Felicitas Hoppe die sagenhafte mittelalterliche Geschichte in moderne Worte umgewandelt hat, ohne dabei ganz den alten Charakter der Erzählung zu verdrängen. Germanisten, die das Original von Hartmann von Aue kennen, werden an dem Buch möglicherweise nicht so Gefallen finden – denn das Gedankengut des Mittelalters (z. B. der Ehre-Begriff) wird durch die sprachliche Neufassung nicht so ganz überzeugend vermittelt. Doch wer unbefangen an „Iwein Löwenritter“ herangeht, wird die Geschichte mögen.

Sehr geschickt bezieht Felicitas Hoppe den Leser immer wieder in die Geschichte mit ein, indem sie ihn anspricht („Ihr erinnert euch bestimmt an …“) – ein Kunstgriff, der das mittelalterliche Flair verstärkt. Auch sonst ist „Iwein Löwenritter“ ein Buch, das Lesern ab 10 Jahren gefallen dürfte, weil es eine Mischung aus Abenteuer, Märchenhaftem und Gleichnis darstellt. Letztendlich geht es um einen Ritter, der Abenteuer sucht, fündig wird und dann aus Unachtsamkeit alles wieder verliert. Das alles ist in lockerem Ton erzählt und entfaltet eine Leichtigkeit, die man einer Geschichte nach so altem Vorbild gar nicht zutraut.

Kindgemäß ist die Geschichte in jedem Fall. Die vielen Kämpfe werden nicht ausführlich dargestellt, sondern sehr geschickt wird immer nur von deren Ausgang berichtet. Der Erzähler in dem Buch meint an den entsprechenden Stellen immer nur, er wäre nicht dabei gewesen und könne deshalb den genauen Verlauf des Kampfes nicht schildern. Man könnte meinen, dass diese Ausflüchte der Spannung schaden – aber dem ist nicht so.

Fazit:

5 von 5 Punkten. Mit „Iwein Löwenritter“ ist Felicitas Hoppe ein Buch gelungen, das jugendlichen Lesern einen Hauch mittelalterlicher Stimmung und Lebensweise vermittelt, ohne altbacken daherzukommen. Die tragische Geschichte um Iwein und seine Frau Laudine ist gut und erfrischend erzählt, hält den Leser bei Laune und stellt etwas Besonderes dar. Ich kann mir dieses Buch sehr gut auch als Vorlesebuch (dann vielleicht auch schon unter 10 Jahren) vorstellen.

Was mich außerdem für das Buch eingenommen hat, war dessen Aufmachung. Hier stimmt einfach alles. Das Buch, das in einem Pappschuber steckt, ist wunderschön gemacht: Das Papier ist geschmeidig, der Schriftsatz ansprechend und die Bilder von Michael Sowa (es hätten ruhig mehr als vier sein dürfen!) machen das Buch zu einem Schmuckstück, das man gerne in der Hand hält.

blau.giflila.gifrot.gifgelb.gifgruen.gif

(Ulf Cronenberg, 18.01.2009)

P.S.: Wenn ihr übrigens mal in das mittelhochdeutsche Original von Hartmann van Aue reinhören wollt, um zu wissen, wie man damals in etwa gesprochen hat: Auf dieser Webseite von Alexander Sager kann man kostenlos den mittelhochdeutschen Iwein anhören. Ihr müsst zum Reinhören in die mp3-Dateien bei den einzelnen Kapiteln (das ist etwas kompliziert gemacht) immer auf das „Pod“-Zeichen klicken …

Lektüretipp für Lehrer!

„Iwein Löwenritter“ ist ein Buch, das man durchaus in einer fünften Klasse (für ältere Leser dürfte die Erzählweise zu kindlich sein) lesen kann. Die Schüler könnten mit Felicitas Hoppes Buch auf das Thema Mittelalter eingestimmt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass man dabei zum einen (siehe oben) die gesprochenen Originaltexte aus dem Internet anhört, sich zum anderen an die „Übersetzung“ mittelalterlicher Texte heranwagt. Ein kleines Mittelalter-Projekt, für das Schüler der 5. Klasse sicher zu begeistern sind, könnte man daraus machen.

Kommentare (0)

  1. Sean

    Wir lesen das Buch gerade in Deutsch – ganz okay … 😀

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