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Buchbesprechung: Watt Key “Alabama Moon”

Cover KeyLesealter 10+(Dressler-Verlag 2008, 347 Seiten)

Ein hübsches Buchcover ziert dieses Buch nicht gerade – es ist alles in gesetzten Grün- und Brauntönen gehalten. Die amerikanische Originalausgabe sieht da jedenfalls deutlich besser aus …

Watt Key, der selbst in Alabama aufgewachsen ist und dort mit seiner Familie lebt, hat in seiner Kindheit selbst viel Zeit im Freien verbracht und kennt von daher vieles, was in dem Buch vorkommt, wohl aus seinem eigenen Leben. Eine gute Voraussetzung für ein richtiges Abenteuerbuch – und genau das ist „Alabama Moon“ auch …

Inhalt:

Moon ist zehn Jahre alt und lebt mit seinem Vater in einem selbst errichteten „Bau“ fernab von der Zivilisation im Wald. Sein Vater hasst, wie er immer wieder betont, die Regierung und möchte von daher sein Leben außerhalb der Gesellschaft verbringen. Er und Moon ernähren sich deswegen von allem, was die Natur ihnen liefert: Die beiden jagen, stellen Fallen auf, pflanzen Gemüse an und leben von Eicheln und vielen anderen seltsamen Dingen. Der einzige Kontakt zu anderen Menschen besteht darin, dass Moons Vater ab und an zu einem Laden geht, wo er Felle und Gemüse an den Ladenbesitzer verkauft und das, was sie selbst zum Leben benötigen, erwirbt.

Als Moons Vater sich eines Tages ein Bein bricht, ahnt sein Vater, dass er nicht mehr lange leben wird – doch er lehnt es ab, einen Arzt aufzusuchen. Und kurz darauf muss Moon seinen Vater begraben. Dieser hat ihm vorher den Auftrag gegeben, dass Moon sich alleine nach Alaska durchschlagen solle, um dort bei anderen Menschen, die ebenfalls alleine in der Natur leben, unterzukommen.

Moon ist verzweifelt, weil er auf sich gestellt ist und nicht weiß, ob er das alles schafft, auch wenn sein Vater ihm alles beigebracht hat, um alleine in der Natur zu überleben. Trotzdem will er sich auf den Weg machen … Doch es dauert nicht lange, da ist ihm ein Polizist namens Sanders auf der Spur. Mehrmals gabelt Sanders den Jungen auf, doch indem Moon sich wehrt, den Polizisten tritt und schlägt oder überlistet, gelingt es Moon immer wieder freizukommen. Doch Sanders, der ein bösartiger und brutaler Mensch zu sein scheint, lässt nicht locker und verfolgt Moon.

Nicht alles läuft für Moon so, wie er es sich erhofft hat. Als er einem alten Rechtsanwalt vertraut, der ihn kurz aufnimmt, landet er bald darauf in einem Kinderheim. Dort findet er zwar einen Freund namens Kit – doch mit dem Leben dort kommt er nicht zurecht. Zum Glück gelingt ihm zusammen mit Kit und einem anderen Jungen nach ein paar Tagen die Flucht aus dem Heim. Doch Sanders ist ihm weiter auf den Fersen …

Bewertung:

Was der Amerikaner Watt Key (Übersetzung: Jacqueline Csuss) da geschrieben hat, ist ein ganz besonderes Abenteuerbuch, das ein wenig an Tom Sawyer und Huckleberry Finn erinnert. Moon ist ein Junge, der von einem Moment auf den anderen in ein alleinverantwortliches Leben katapultiert wird und sich ganz alleine durchs Leben schlagen muss. Die Geschichte dürfte damit insbesondere Jungen begeistern.

Das Buch braucht ein bisschen, bis es an Fahrt aufnimmt. Zu Beginn lässt der Kinderroman beim Leser eher etwas seltsame Gefühle aufkommen: Man wundert sich über das Leben, das Moon und sein Vater führen, und fragt sich, wie man auf diese Art und Weise durchkommen kann. Zugleich hat das natürlich auch etwas Faszinierendes an sich. Nebulös bleibt „Alabama Moon“ auch in Bezug auf die Frage, warum Moons Vater einen solchen Hass auf die Regierung und die Gesellschaft hat – ein Rätsel, das auch am Ende nur andeutungsweise geklärt ist.

Je weiter man jedoch liest, desto packender wird die Geschichte um Moon – und sie enthält alles, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: Moon lernt Freunde kennen und versucht, sich mit ihnen gemeinsam durchs Leben zu schlagen, es gibt einen gnadenlosen Schurken (den Polizisten Sanders), der nicht locker lässt, aber auch ein paar gute Menschen, die Moon zu helfen versuchen. Die Mischung stimmt einfach. Herausgekommen ist ein zeitloses Buch mit skurrilen, etwas absonderlichen Figuren, die einem als Leser ans Herz wachsen. Und was man Watt Keys Buch noch zugutehalten muss: Es hat kein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende …

Fazit:

5 von 5 Punkten. Nach den ersten hundert Seiten hätte ich nicht gedacht, dass ich diesem Buch die Höchstpunktzahl geben würde – doch je weiter ich mit dem Lesen vorangekommen war, desto mehr hat mich „Alabama Moon“ gepackt. Watt Key hat alles in allem ein tolles Abenteuerbuch geschrieben, das man gerade auch Jungen (ab 10 Jahren) zum Lesen geben kann und das diese – sind sie über die ersten 100 Seiten hinausgekommen – nicht mehr aus der Hand legen werden, bis es ausgelesen ist. So ging es jedenfalls mir …

Doch „Alabama Moon“ ist nicht nur ein reines Abenteuerbuch. Es erzählt auch die Geschichte eines unangepassten Jungen, der im Laufe des Buches zu sich selbst findet. Moon schlägt sich nicht nur durchs Leben, sondern lernt dabei auch langsam auf Distanz zu seinem Vater zu gehen, dessen Regierungshass und Menschenscheu gar nicht zu dem Jungen passen. Das Gute an dem Buch ist, dass diese zweite Ebene sehr dezent mitläuft und nicht im Vordergrund steht. Man wird als Leser von schlauen Einsichten und weisen Kommentaren verschont. Und das ist auch gut so. Denn ansonsten hätte „Alabama Moon“ als Abenteuerbuch nicht eine Qualität erreicht, die man eher selten unter Kinderbüchern findet.

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(Ulf Cronenberg, 27.12.2008)

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