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Buchbesprechung: Peter Abrahams “Hinter dem Vorhang”

Cover AbrahamsLesealter 11+(Bloomsbury-Verlag 2008, 332 Seiten)

„Hinter dem Vorhang“ ist der zweite Band der Kriminalromane für Kinder und Jugendliche von Peter Abrahams, die alle in Echo Falls spielen und ein 13-jähriges Mädchen namens Ingrid als Hauptperson haben. Band 1 („Was geschah in Echo Falls?„) hatte kleinere Schwächen, war insgesamt jedoch für Leser ab 11 oder 12 Jahren ein lesenswertes Buch. Aber öffnen wir nun den Vorhang für Band 2 …

Inhalt:

Seltsame Dinge gehen in dem Städtchen Echo Falls und in Ingrids Familie vor. Ihr Vater hat eine neue Kollegin namens Julia LeCaine bekommen, von er dem Rest der Familie nichts erzählt – doch Ingrid bekommt es dank ihres Spürsinns dennoch mit. Es scheint nicht so zu sein, dass sich ihr Vater in sie verliebt hat, wie Ingrid zunächst annimmt, sondern eher so, dass er eine unangenehme Partnerin bekommen hat, die nur Stress macht. Doch Genaues lässt Ingrids Vater nicht raus – man merkt nur an seiner Unausgeglichenheit, dass etwas nicht stimmt.

Doch Julia LeCaines Auftreten führt zu weiteren Überraschungen. Sie war früher einmal im Fußball-Nationalteam (allerdings nur auf der Ersatzbank), und so wird sie von Coach Ringer zur neuen Assistentin der Fußball-Mannschaft, in der Ingrid spielt, berufen. Als Coach Ringer während des Trainings von einem Ball so heftig getroffen wird, dass er ins Krankenhaus muss, ist nicht klar, ob dieser nicht von Julia geschossen wurde. Ingrid ist Julia LeCaine gegenüber zunehmend misstrauischer.

Doch am meisten Sorge macht Ingrid, dass ihr Bruder Ty, der Football spielt, anscheinend Anabolika nimmt, um mehr Kraft zu bekommen. Schon vorher hat sie bemerkt, dass es anscheinend Leute gibt, die in Echo Falls illegal mit Anabolika handeln – und wie ihr Vorbild Sherlock Holmes kann Ingrid nicht die Finger davon lassen, Nachforschungen anzustellen. Doch dann wird das Mädchen an einem Samstagfrüh mit Chloroform betäubt, geknebelt und gefesselt und im Kofferraum eines Autos entführt …

Bewertung:

Stephen King ist anscheinend ein großer Fan von Peter Abrahams‘ Jugendkrimis – jedenfalls wird er auch auf dem Umschlag des zweiten Echo-Falls-Krimis zitiert, und zwar mit den Worten „… ich bin Echo-Falls-süchtig“. Das ist schon fast etwas zu viel des Guten … Nichtsdestotrotz ist „Hinter dem Vorhang“ eine sehr kurzweilige Kriminalgeschichte für Jugendliche, die man besonders genießen kann, wenn man mit Band 1 Ingrid schon kennen gelernt hat.

„Hinter dem Vorhang“ ist gut und unterhaltsam geschrieben, und mit Ingrid hat Peter Abrahams eine kleine Detektivin geschaffen, über die man sich als Leser freut. Das Mädchen ist mit seiner wachen Neugierde einfach sympathisch. Und ebenso wie die Hauptfigur sind auch die anderen Personen in dem Buch gut beschrieben. Besonders ihr Großvater Grampy ist mit seiner unbeugsamen und unnachahmlichen Art eine herausragende Figur.

Die Story in „Hinter dem Vorhang“ hat mir deutlich besser als die von „Was geschah in Echo Falls?“ gefallen, und dennoch hat sie kleine Schwächen, weil man als Leser Ingrid voraus ist und ahnt, was hinter allem steht, während Ingrid etwas noch auf dem Schlauch zu stehen scheint. Das nimmt leider etwas Spannung aus dem Buch, auch wenn das mich als erwachsenen Leser vielleicht mehr stört, als es jugendliche Leser stören dürfte.

Fazit:

4-einhalb von 5 Punkten. Der zweite Streich der Echo-Falls-Krimi hat mir einen Tick besser als Band 1 gefallen. Die Geschichte ist etwas plausibler, leider aber ebenso wie im Vorgängerband – zwar nicht in allen Details, aber in den Grundzügen – ein wenig zu voraussehbar. Ansonsten sind Peter Abrahams‘ Jugendkrimis – das gilt auch für Band 2 – recht amerikanische Bücher, die aber durchaus auch für deutsche Leser interessant sind.

Peter Abrahams‘ Jugendkrimis sind keine Thriller mit großer Action, sondern eher ruhige Bücher, bei denen Ingrid die Fälle mit ihren grauen Zellen zu lösen versucht. „Hinter dem Vorhang“ ist behutsam aufgebaut, entwickelt sich als Kriminalroman eher langsam, aber dadurch eben auch sympathisch. Dass nebenbei auch noch andere Themen ein bisschen Platz haben (u. a. der Kampf von Ingrids wunderbar schrulligem Großvater Grampy gegen Bauspekulanten, die sich sein Farmgelände einverleiben wollen), tut dem Buch gut.

„Hinter dem Vorhang“ ist wie schon „Was geschah in Echo Falls?“ nicht der ganz große Wurf, aber eine nette Kriminalgeschichte für Mädchen wie Jungen ab 11 Jahren, die diese sicher begeistert aus der Hand legen. Eine Schülerin von mir meinte jedoch, dass sie Band 1 deutlich spannender fand.

Dann warten wir mal auf Band 3 und hoffen, dass Peter Abrahams noch ein klein wenig zulegt. Kurzweilig und unterhaltsam ist jedoch auch schon Band 2!

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(Ulf Cronenberg, 28.11.2008)

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