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Kurzrezension: Ute Wegmann “Never alone”

Cover WegmannLesealter 14+(dtv 2008, 312 Seiten)

Vier Jungen, alle noch nicht ganz 16 Jahre alt, sind die Hauptfiguren in Ute Wegmanns Jugendbuch „Never alone“, das nicht das erste Buch der Kölner Autorin ist – allerdings das erste, das ich von ihr gelesen habe. Ein bisschen ungewöhnlich ist es, dass eine Frau sich mit vier Jungen als Hauptpersonen auseinandersetzt – aber vielleicht ist ja genau das ganz interessant …

Johann, Nick, Marc und Florian treffen sich regelmäßig, um gemeinsam die Zeit zu verbringen, und angesichts ihres Alters gibt es vor allem ein Thema, das im Vordergrund steht: Mädchen. Außer Johann hatte keiner der vier bisher eine richtige Freundin – doch als Karla völlig unerwartet mit Johann Schluss macht, flippt dieser aus. Nach einem Fußballspiel ist er so wütend, dass er mit einer Bierflasche aus Versehen ein Mädchen verletzt, das darauf zu Boden fällt. Kurz darauf finden sich Johann und Nick, der dem Mädchen eigentlich helfen wollte, auf der Polizeistation wieder und es ist klar, dass Johann sich vor Gericht verantworten muss.

Kurz darauf schließen die vier Jungen für den bevorstehenden Sommer eine Wette ab: Wer als Erster von ihnen mit einem Mädchen schläft, muss die anderen zu einer Cocktail-Runde einladen. Auch wenn das Thema Mädchen ständig präsent ist, so gibt es bei allen vier Jungen trotzdem auch anderes, was sie beschäftigt: Florian zieht sich immer mehr zurück, vernachlässigt seine Freunde, weil sein von seiner Mutter getrennt lebender Vater sich überhaupt nicht für ihn interessiert und ständig die anberaumten Treffen kurzfristig absagt. Johann dagegen wartet auf die Gerichtsverhandlung. Marc hat sich im Frankreichurlaub in eine flippige Holländerin verliebt, kennt jedoch deren Adresse nicht und will deswegen nach Amsterdam fahren, um das Mädchen zu suchen. Er weiß nur, dass sie auf einem Hausboot wohnt. Und Nicks Vater kommt bei einem Autounfall ums Leben …

Ja, es ist ganz schön viel geboten in Ute Wegmanns Jugendroman – und neben dem Problem Mädchen dominieren die Themen Freundschaft und Verhältnis zum eigenen Vater das Buch. Die Freundschaft von Johann, Florian, Marc und Nick kennt Höhen und Tiefen, aber irgendwie raufen sie sich auch immer wieder zusammen und helfen sich gegenseitig. Und was die Väter angeht: Eigentlich leiden alle vier Jungen darunter, dass ihre Väter sich nicht um sie kümmern. „Die vaterlose Gesellschaft“ – das ist ein oft verwendetes Schlagwort, und in dem Buch wird thematisiert, was das eigentlich heißt und bedeutet.

Ehrlich gesagt hat mich „Never alone“ am Anfang nicht sonderlich gepackt. Die Geschichte beginnt etwas langatmig – und zwar sowohl auf der inhaltlichen Ebene als auch sprachlich. „War das ein Albtraum?“ liest man da auf einer der ersten Buchseiten, als Johann nach dem Fußballspiel das Mädchen mit der Bierflasche getroffen hat und Nick sich fragt, was gerade passiert ist. Solche kleineren sprachlichen Schwachstellen, die schon sehr banal klingen, findet man zu Beginn des Buches immer wieder …

Mit zunehmender Lesedauer hat mir das Buch dann jedoch immer besser gefallen. Johann, Nick, Marc und Florian werden einem als Leser nach und nach vertrauter, man lernt ihre Sorgen und Sehnsüchte kennen, begleitet sie einige Monate auf ihrem nicht immer einfachen Lebensweg. Am Ende legt man das Buch aus der Hand und hat ein Gefühl dafür, wie wichtig es für die Jungen ist, verlässliche Freunde zu haben, wenn schon die eigenen Väter so abstinent sind.

Fazit:

4 von 5 Punkten. „Never alone“ ist sprachlich nicht wirklich herausragend, sondern – von kleineren Ausrutschern abgesehen – solide geschrieben. Nein, das Buch trumpft eher auf Seiten der Handlung, auch wenn es etwas dauert, bis es da in Fahrt gekommen ist. Ute Wegmanns Buch könnte man – aus der Ferne als Erwachsener betrachtet – als eine gute Beschreibung der Situation von Jungen in unserer heutigen Gesellschaft ansehen. Für jugendliche Leser dagegen, vor allem für Jungen, dürfte „Never alone“ eher so etwas wie ein Buch sein, durch das man sich verstanden und gespiegelt sieht.

Die Botschaft ist klar: Man braucht Freunde, um die Krisen der Jugendzeit zu überstehen – ein sinnvoller Ratschlag. Und vielleicht braucht man – auch als Junge – Bücher, um über das eigene Leben nachzudenken, Bücher über Jungen, denen es ähnlich wie einem selbst geht. „Never alone“ könnte ein solches Buch sein …

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(Ulf Cronenberg, 18.11.2008)

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