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Kurzrezension: Lise Knudsen “Die schwarzen Flügel”

Cover KnudsenLesealter 14+(Baumhaus-Verlag 2008, 128 Seiten)

Ein Jugendbuch über ein Mädchen kurz vor dem Schulabschluss, das Musikerin werden will, hat die Norwegerin Lise Knudsen, die selbst auch Komponistin und Musikerin ist, geschrieben (Übersetzung: Maike Dörries). Das schmale Bändchen hat somit ein eher exklusives Thema, das sicher nicht massentauglich ist – zumal das Buch eher still und bedächtig gehalten ist. Aber davon gleich mehr …

Sieben Tage sind es noch bis zu ihrem großen Konzertauftritt, den auch das norwegische Fernsehen übertragen wird – und entsprechend aufgeregt ist Dea. Dass sie zur gleichen Zeit auch noch ihren Schulabschluss bewältigen muss, stört das Mädchen nicht, denn Dea ist eine sehr gute Schülerin. Das Konzert macht ihr dagegen deutlich mehr Sorgen. Sie zweifelt an ihren Fähigkeiten als Klavierspielerin. Doch immerhin läuft die Generalprobe ein paar Tage zuvor gut.

Zuhause hat Dea es nicht immer leicht. Das Klavier steht im Wohnzimmer, und somit kann sie nicht immer ungestört so viel üben, wie sie möchte – zumal ihre Mutter das exzessive Klavierspielen nicht so richtig unterstützt und die beiden deswegen immer wieder in Streit geraten. Deas Mutter möchte außerdem, dass ihre Tochter nach dem Schulabschluss Medizin studiert und somit einen anständigen Beruf lernt. Dea dagegen möchte viel lieber auf die Musikhochschule gehen … Sollte es mit dem Konzert gut klappen, so nimmt sich Dea vor, will sie mit der Musikausbildung ernst machen.

„Die schwarzen Flügel“ ist ein sehr leises Buch, das hauptsächlich berichtet, wie sich Dea die sieben Tage vor dem großen Konzert fühlt. Das Mädchen fragt sich immer wieder, ob es dem großen Druck gewachsen ist, und zweifelt an seinen Fähigkeiten. Von ihren Eltern kann Dea keine große Unterstützung erwarten, ihre Klavierlehrerin Aino dagegen baut sie auf, indem sie an die Fähigkeiten des Mädchens glaubt.

Es geht in Lise Knudsens Buch jedoch nicht nur um die Vorbereitung auf das Konzert. „Die schwarzen Flügel“ (ein sehr vieldeutiger Buchtitel!) handelt generell davon, dass Deas Begeisterung fürs Klavierspielen ihr auch einige Schwierigkeiten einhandelt. Ihre beste Freundin Ragnhild z. B. kann all das nicht richtig nachvollziehen, und so haben sich die beiden in den letzten Monaten auch etwas entfremdet. Auch das Thema Musik zieht sich durch das ganze Buch: Mit sehr eindrücklichen sprachlichen Bildern wird die Stimmung, die Dea mit ihrem Klavierspiel heraufbeschwört, immer wieder beschrieben.

Fazit:

3-einhalb von 5 Punkten. Lise Knudsens Buch ist eine gelungene Charakterstudie über ein Mädchen, die einfühlsam geschrieben ist. Doch eine ansonsten packende Handlung darf man sich von dem Buch nicht erwarten. Und das ist vielleicht auch die Schwäche des Buches: Es dürfte nur für einen sehr ausgewählten Leserkreis wirklich fesselnd sein: bevorzugt Mädchen, die selbst klassische Musik machen.

Für mich selbst war das Buch trotzdem nicht uninteressant, aber so richtig gepackt hat es mich nicht. Dafür ist mir die Welt Deas zu unbekannt und habe ich zu wenig Anknüpfungspunkte. „Die schwarzen Flügel“ wird vor allem Leser begeistern, die sich selbst in einer ähnlichen Situation wie Dea befinden oder befunden haben, und diesen kann man das Buch auch ohne Einschränkung empfehlen.

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(Ulf Cronenberg, 16.11.2008)

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